Helfer erreichen die Verwundeten in Gaza nicht

Viele Verletzte können von Helfern nicht erreicht werden.

Zwei Wochen nach Beginn der israelischen Angriffe auf den Gazastreifen ist die Lage der dort eingeschlossenen Zivilbevölkerung weiterhin katastrophal. Wegen der angespannten Sicherheitssituation können medizinische und humanitäre Mitarbeiter nicht ausreichend helfen: Sie selbst sind in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und Kranke und Verwundete suchen aus Angst vor den Angriffen keine medizinischen Einrichtungen auf. Auch die rund 70 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben Schwierigkeiten, die Bedürftigen zu erreichen. Vorübergehende Feuerpausen haben die Situation nicht verbessert. Sie gelten nur für Gaza Stadt, nicht für die Außenbezirke und ländlichen Gebiete.

Die post-operative Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Gaza Stadt ist täglich geöffnet, doch angesichts der Gefahr haben diese bislang nur wenige Patienten erreicht. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben ihre Hilfeleistungen angepasst. Ärzte, Krankenschwestern und Physiotherapeuten versorgen Patienten ambulant in deren Wohnungen und Häusern. Angesichts des enormen Bedarfs an Hilfe sind diese Aktivitäten aber alles andere als ausreichend.

Mitarbeiter versorgen Vertriebene in Schulen

Am 7. Januar besuchten die Teams von Ärzte ohne Grenzen drei Schulen, in denen Vertriebene Zuflucht gefunden haben. Die Mitarbeiter verteilten medizinische Hilfsgüter, Medikamente und behandelten Patienten.

Unsere Mitarbeiter sind in ständigem Kontakt mit palästinensischen Krankenhäusern. Sie berichten, dass das Krankenhauspersonal vom anhaltenden Strom Verwundeter, besonders während der Nächte, vollkommen erschöpft ist.

Chirurgisches Team samt mobilem Krankenhaus wartet auf Einreiseerlaubnis

Ein chirurgisches Team von Ärzte ohne Grenzen - bestehend aus einem Gefäßchirurgen, einem Allgemeinchirurgen, einem Anästhesisten, einem OP-Krankenpfleger und einem Anästhesie-Krankenpfleger - befindet sich derzeit in Jerusalem. Das Team wird hoffentlich möglichst bald die Erlaubnis erhalten, in den Gazastreifen einzureisen. Dort soll es das Team des Shifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt, des größten Krankenhauses im Gazasteifen,  unterstützen.

Ärzte ohne Grenzen wartet außerdem auf die Erlaubnis, 21 Tonnen medizinischer Hilfsgüter, darunter zwei aufblasbare Zelte, einführen zu dürfen. Die Zelte soll die Kapazität der stationären Behandlung von Intensivpatienten erhöhen und die Einrichtung eines weiteren Operationssaals möglich machen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1989 im Gazastreifen und im Westjordanland tätig. Die Mitarbeiter leisten sowohl in Gaza als auch in Nablus im Westjordanland psychologische, medizinische und psychosoziale Hilfe für Familien, die von der Gewalt betroffen sind. Das Team besteht normalerweise aus elf internationalen und 108 einheimischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Im Gazastreifen bieten sie seit Juli 2007 auch postoperative Hilfe und Physiotherapie für Verletzte an. Im März 2008 wurde in Beit Lahia eine Klinik für Kinder unter zwölf Jahren eröffnet. Darüber hinaus betreiben Mitarbeiter ein psychologisches Programm in Hebron im Westjordanland.