Sudan

In der Hilfe für andere "zu 100 Prozent" Erfüllung gefunden - Auslandseinsatz: Angelika Herb war sechs Monate lang als Logistikerin für Ärzte ohne Grenzen im Sudan unterwegs - Bald wieder in Afrika

Angelika Herb hat drei - höchst unterschiedliche - Berufe erlernt: Krankenschwester, Umweltingenieurin und Betriebswirtin im Bankwesen. Als Angestellte in einer Bochumer Bank hatte sie zuletzt sogar eine Führungsposition inne. Außerdem pendelt die gebürtige Kemptenerin regelmäßig zwischen ihrer Allgäuer Heimat und der Metropole Paris hin und her, wo ihr Lebensgefährte wohnt. Ein abwechslungsreiches, spannendes Leben, könnte man meinen. Doch die 44-Jährige mit den Rastazöpfen, die sich als sehr neugierig beschreibt, will mehr: "Ich habe schon oft gedacht, dass es darüber hinaus doch noch etwas Anderes geben muss."

Das Andere, das Fremde und Neue, hat sie vor sechs Monaten bei ihrem ersten Einsatz für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mit allen Sinnen erlebt: Im vom Bürgerkrieg zerstörten Südsudan, im Gebiet Jonglei State (rund 500 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Juba) kümmerte sie sich als Logistikerin um alles, was nicht zu den medizinischen Aufgaben gehörte. "Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass diese Aufgabe mich zu 100 Prozent erfüllt und ich alle meine Erfahrungen einbringen konnte", sagt Herb und ihre Augen funkeln. Stundenlang könnte die 44-Jährige ihre Erlebnisse schildern, die anfangs einem "Kulturschock" gleichkamen: "Wenn man in Europa aufgewachsen ist, kann man sich die Situation dort nicht vorstellen." Angefangen bei der "komplett" anderen Kultur über die gesellschaftliche Struktur - zu der unzählige Stämme mit rund 150 eigenen Sprachen gehören - bis hin zur einfachsten Infrastruktur. Sie sei zwar in einem recht abgelegenen Allgäuer Dorf aufgewachsen, sagt Herb und lacht, doch das habe rein gar nichts mit der Abgeschiedenheit gemein, die sie in den Weiten Afrikas erlebte.

Die meiste Zeit ihres sechsmonatigen Einsatzes war die Logistikerin mit einer sudanesischen Krankenschwester unterwegs: "Wir sind wöchentlich zwischen Dörfern hin- und hergependelt und haben dort in den Gesundheitszentren nach dem Rechten geschaut." Je nach Regen- oder Trockenzeit per Flugzeug oder Boot. Um vor Ort ganz praktische Hilfe leisten zu können, etwa einen Stromgenerator wieder zum Laufen zu bringen, sei sie gezwungen gewesen, viele ihrer theoretischen Kenntnisse "einfach mal umzusetzen". Notwendige Sicherheitsstandards und Verhaltensregeln hat sich Herb im Vorfeld bei einem zehntägigen Logistik-Kurs in Brüssel angeeignet. Und um überhaupt für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeiten zu dürfen, musste sie sich zuvor bei einem Auswahlverfahren in Berlin beweisen. Doch das alles hat die weltoffene Allgäuerin gerne in Kauf genommen. Und wenn es nach ihr geht, hat sie gerade erst damit angefangen, ihre drei Berufe in einer Aufgabe zu vereinen. Im Juni will Angelika Herb wieder nach Afrika fliegen und erneut ihre Grenzen austesten: "Am liebsten im Kongo", sagt sie. Dort könnte sie auch noch von ihren französischen Sprachkenntnissen profitieren.