Guinea/Sierra Leone/Liberia

Kampf gegen Ebola nur durch gemeinsame Kraftanstrengung zu gewinnen - Ernsthaftes Risiko einer Ausbreitung in weitere Regionen

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen behandeln Ebola-Infizierte in speziellen Isolierstationen.

Brüssel/Berlin, 23. Juni 2014. Der aktuelle Ebola-Ausbruch in Guinea, Sierra Leone und Liberia kann nur noch durch massive Anstrengungen aller Beteiligten unter Kontrolle gebracht werden. Die Regierungen der betroffenen Länder und andere Hilfsorganisationen müssen alle ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen einsetzen, forderte Ärzte ohne Grenzen am Montag. Für die Organisation selbst seien die Möglichkeiten zu helfen erschöpft. Die eigenen Teams könnten nicht mehr tun. Ärzte ohne Grenzen ist derzeit die einzige Hilfsorganisation, die Ebola-Infizierte behandelt.

In Guinea, Sierra Leone und Liberia wurden an insgesamt mehr als 60 unterschiedlichen Orten Ebola-Patienten ausfindig gemacht. "Die Epidemie ist außer Kontrolle", sagt Bart Janssens, Programmverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen in Brüssel. "Mit dem Auftreten neuer Herde besteht das ernsthafte Risiko einer Ausbreitung in weitere Regionen."

Ärzte ohne Grenzen ist derzeit die einzige Hilfsorganisation, die Ebola-Infizierte behandelt. Seit Beginn des Ausbruchs im März haben die Mitarbeiter etwa 470 Patienten in Ebola-Zentren behandelt, die in der Region errichtet wurden. 215 davon waren bestätigte Fälle. Die Teams haben Schwierigkeiten, auf die große Zahl neuer Fälle und neuer Herde zu reagieren. "Wir haben unsere Grenzen erreicht", so Janssens. "Trotz der von Ärzte ohne Grenzen entsandten Mitarbeiter und des eingesetzten Materials in den drei betroffenen Ländern können wir nicht länger Mitarbeiter an die neuen Orte entsenden, an denen Ebola ausgebrochen ist."

Das Ausmaß der aktuellen Ebola-Epidemie ist beispiellos, was die geographische Verbreitung, die Zahl der infizierten Menschen und die Todesfälle betrifft. Seit Beginn der Epidemie gab es laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 528 Fälle von Infektionen und 337 Todesfälle.

In den Gemeinden herrscht große Angst vor der Krankheit, und Gesundheitseinrichtungen wird mit Argwohn begegnet. Außerdem fehlt das Wissen darüber, wie sich die Krankheit ausbreitet. Trotzdem einige Organisationen versuchen, über die Krankheit aufzuklären, ist die Angst in der Öffentlichkeit groß. Zudem weigern sich viele zivile, politische und religiöse Autoritäten die Schwere des Ausbruchs anzuerkennen.

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"Die WHO, die betroffenen Länder und die Nachbarstaaten müssen alle Kräfte mobilisieren", sagt Janssen. "Vor allem muss qualifiziertes Personal zur Verfügung gestellt werden, es muss trainiert werden, wie Ebola behandelt wird und die Aufklärungsarbeit und das Abverfolgen der Personen, die Kontakt mit einem Infizierten hatten, muss verstärkt werden. Ebola ist nicht mehr länger ein auf Guinea beschränktes Gesundheitsproblem. Es betrifft ganz Westafrika."

Derzeit sind rund 300 nationale und internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Guinea, Sierra Leone und Liberia im Einsatz. Mehr als 40 Tonnen Ausrüstung und medizinisches Material wurden in die Region geschickt, um gegen die Epidemie vorzugehen.

In Guinea unterstützen Teams die Gesundheitsbehörden in Conakry, Télimélé und Guéckédou. In Macenta, Kissidougou und Dabola wurden Behandlungszentren aufgebaut. Die Teams reagieren bei Verdachtsfällen in Dörfern, leisten Aufklärungsarbeit und bieten psychologische Hilfe für Betroffene an. In Sierra Leone wird diese Woche in Kailahun ein Ebola-Behandlungszentrum mit 50 Betten eröffnen, das Ärzte ohne Grenzen in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium aufgebaut hat. Kleinere mobile Behandlungszentren wurden in Koidu und Daru aufgebaut, ein drittes soll in Kürze in Buedu eröffnen. In Liberia betreiben Teams von Ärzte ohne Grenzen Behandlungszentren in Foya im Norden des Landes und im JFK Krankenhaus in Monrovia.