G7: Die Welt ist auf Ebola heute nicht besser vorbereitet als vor einem Jahr - Ärzte ohne Grenzen fordert Konsequenzen aus Epidemie

Ebola-Behandlungszentrum Donka in Conakry, Guinea: Ein Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen legt sich Schutzkleidung an, um sich vor einer Infektion zu schützen.

Das Weltgesundheitssystem bleibt erschreckend unvorbereitet auf Epidemien. Nach dem verheerenden Ebola-Ausbruch in Westafrika fordert Ärzte ohne Grenzen anlässlich des G7-Gipfels am Wochenende auf Schloss Elmau die Entwicklung eines effizienten Notfallsystems gegen Epidemien und internationale Gesundheitskrisen. Die reichen Industriestaaten müssen sicherstellen, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) künftig schneller und umfassender auf Epidemien reagieren kann. Sie müssen dringend die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen vernachlässigte Krankheiten finanzieren und dafür sorgen, dass existierende Medikamente auch Patienten in ärmeren Ländern zugänglich gemacht werden.

„Die internationale Gemeinschaft darf nach der verspäteten Reaktion auf den Ebola-Ausbruch in Westafrika nicht noch einmal versagen und bei der nächsten Epidemie genauso unvorbereitet sein“, sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Es wurde nicht rechtzeitig Alarm geschlagen, die Überwachung war unwirksam, die internationale Reaktion zu langsam, keiner übernahm Verantwortung und es mangelt bis heute an Therapien und Impfstoffen. Die Patienten in den betroffenen Ländern müssen künftig im Mittelpunkt stehen, nicht die Gefahrenabwehr in den Industriestaaten oder wirtschaftliche Interessen. Die G7-Staaten müssen vor allem dafür sorgen, dass die internationale Gemeinschaft bei der nächsten Epidemie schneller und umfassender kompetentes medizinisches Personal entsendet und flexibel und koordiniert auf akute Notfälle reagiert.“

Die Bundesregierung hat drei Gesundheitsthemen auf die Agenda des G7-Gipfels gesetzt: Ebola, vernachlässigte Krankheiten und antimikrobielle Resistenzen – also das Problem, dass herkömmliche Wirkstoffe gegen immer mehr Krankheitserreger unwirksam geworden sind.

„Der G7-Gipfel diskutiert die richtigen Themen. Die bisherigen Diskussionen lassen uns aber befürchten, dass es zu keinem Durchbruch kommen wird und keine konkreten Reformen beschlossen werden“, sagt Philipp Frisch von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Bei allen drei Gesundheitsthemen ist ein zentrales Problem, dass es zu wenig Forschung gibt. Millionen Menschen leiden an Krankheiten, für die es keine wirksamen Medikamente oder Impfstoffe gibt, weil diese für die Pharmaindustrie wirtschaftlich nicht interessant sind. Wir fordern deshalb die Staaten auf, einen öffentlichen internationalen Forschungsfonds auf den Weg zu bringen, zum Beispiel im Rahmen der WHO.“

Zu den Krankheiten, für die dringend neue Medikamente, Impfstoffe und Diagnostika benötigt werden, gehört etwa die medikamentenresistente Tuberkulose. Ärzte ohne Grenzen behandelt weltweit Tausende Betroffene. Mangels Forschung müssen die Teams auf veraltete Medikamente zurückgreifen, die zu Erbrechen führen, Schmerzen und möglicherweise Taubheit verursachen. Dennoch wird nur jeder zweite Patient durch die extrem belastende zweijährige Therapie geheilt. Manche Formen der Krankheit sind inzwischen so gut wie nicht mehr behandelbar.

Gegen andere Krankheiten gibt es zwar Medikamente und Impfstoffe, aber die betroffenen Patienten haben wegen hoher Preise keinen Zugang zu ihnen: Lungenentzündung ist etwa eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern in ärmeren Ländern. Sie wird zum Teil von Pneumokokken ausgelöst, gegen die es seit einigen Jahren eine Impfung gibt. Die Impfstoffe aber sind so teuer, dass viele Kinder nicht gegen Lungenentzündung geschützt werden können.

„Die reichen Länder müssen dringend auf das Marktversagen im Pharmabereich reagieren“, betont Frisch. „Die Untätigkeit der Staatengemeinschaft inklusive der G7 führt zu zahlreichen vermeidbaren Todesfällen, weil Medikamente gar nicht erst entwickelt werden oder zu teuer sind. Die Ebola-Epidemie muss als Alarmsignal verstanden werden, dass es im Gesundheitsbereich nicht um Profite, sondern um Patienten gehen muss.“