Irak

Zehntausende Syrer fliehen in den kurdischen Norden

Syrische Flüchtlinge strömen täglich zu Tausenden über die Grenze in den kurdischen Teil Iraks. Mehr als 42.000 Personen haben den Grenzübergang Peschkabour passiert, seit dieser am 15. August geöffnet wurde. Teams von Ärzte ohne Grenzen haben auf beiden Seiten der Grenze Gesundheitsposten eingerichtet. Dort führen sie ärztliche Untersuchungen durch und verteilen Wasser an die Flüchtlinge, die darauf warten, in eines der fünf Transitlager transportiert zu werden, die zurzeit in den Provinzen Erbil und Sulaimanija errichtet werden.

„Die Flüchtlinge sind aus verschiedenen Regionen Syriens geflohen, nachdem sie von der Wiedereröffnung der Grenze erfahren haben. Diese war zuvor mehrere Monate geschlossen gewesen“, berichtet Paul Yon, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen. „Neuerdings kommt jedoch die Mehrheit der Flüchtlinge aus der Stadt Al-Malikija, wo es vor ein paar Tagen immer wieder zu Luftangriffen gekommen ist.“

Kinder, Mütter und Schwangere leiden an Austrocknung

Auf der irakischen Seite der Grenze haben die Teams bislang mehr als 200 Flüchtlinge medizinisch versorgt, während diese darauf warteten, nach Erbil oder Sulaimanija gebracht zu werden. „Wir haben bisher keine speziellen gesundheitlichen Probleme vorgefunden“, sagt Yon. „Bei der Mehrheit der Patienten handelt es sich um Kinder, schwangere Frauen oder Mütter, die nach den langen Märschen und Wartezeiten unter mittelschwerer Austrocknung leiden. Wir haben auch viele Fälle von Asthma.“ Die Zahl der durchgeführten Konsultationen steigt täglich.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen beraten auch die Patienten medizinisch, die in ein Krankenhaus überwiesen werden müssen. Als Donnerstag zwei Verletzte die Grenze überqueren wollten, wurden sie in Krankenwagen der lokalen Gesundheitsbehörden in die Klinik in Dohuk überwiesen.

Hilfe durch Wasser, Medizin und Gespräche

Auf der syrischen Seite ist seit dem 18. August ein Ärzte ohne Grenzen-Team vor Ort, das dort Wasser an 6.200 Personen verteilt hat, die darauf warten, die Grenze zu passieren. Das Team soll zum Ende der Woche hin Verstärkung bekommen. Es wird weiterhin die Neuankömmlinge mit Wasser versorgen und gleichzeitig überwachen, ob sich medizinischer Behandlungsbedarf ergibt. „Wir beobachten die Lage genau und sind bereit, unsere Gesundheitsposten an einen anderen Ort zu verlegen“, sagt Yon.

Seit Mai 2012 arbeiten Teams von Ärzte ohne Grenzen im Flüchtlingslager Domiz in der irakischen Provinz Dohuk. Dort leisten sie medizinische Versorgung und psychologische Betreuung für 42.000 syrische Flüchtlinge. Geplant ist außerdem, den Hilfebedarf der rund 70.000 Flüchtlinge abzuklären, die sich in der Stadt Dohuk selbst niedergelassen haben.