Mali

"Wir wollen das Team in Mopti verstärken und Zugang zur Stadt Konna erlangen" - Interview zur Situation in Zentralmali

In der vergangenen Woche kam es in Zentralmali zu heftigen Kämpfen - vor allem in der Stadt Konna. Teams von Ärzte ohne Grenzen arbeiten seit mehreren Monaten auf beiden Seiten der Frontlinie zwischen dem Norden und Süden des Landes, in Douentza und Mopti. Ibrahim Ahmed ist für beide Projekte verantwortlich. Im Interview beschreibt er die Situation vor Ort und spricht über die Hindernisse, mit denen die Mitarbeiter bei ihrer medizinischen Arbeit konfrontiert sind - bislang haben sie beispielsweise noch keine Zugang zur Stadt bekommen.

Wie ist die Situation in Mopti?

Als wir vor einer Woche ankamen, flohen die Menschen vor den Kämpfen aus der Stadt, um bei Verwandten und Freunden unterzukommen. Mopti war fast ganz verlassen - die Geschäfte waren geschlossen und kaum noch jemand auf der Straße. Uns war auch klar, dass der Krieg Konna, eine kleinen Stadt 70 Kilometer von Mopti, erreicht hatte. Eigentlich war unser Plan gewesen, in das Krankenhaus der Stadt Douentza zu gelangen, die noch weiter nördlich als Konna liegt. Doch wegen der intensiven Kämpfe konnten wir nicht weiterreisen.

In Mopti waren nur die Menschen geblieben, die ohnehin am meisten gefährdet sind, weil sie garnicht über die Ressourcen verfügen, zu fliehen. Also blieben wir dort und unterstützten zwei Krankenhaus-Einrichtungen - eine für mangelernährte Kinder sowie eine Ambulanz.

Wie geht es den Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen in Douentza?

Sie fühlen sich ein bisschen von der Außenwelt abgeschnitten, aber ansonsten geht es ihnen gut. Wir stehen regelmäßig mit ihnen in Kontakt. Seit Beginn des Bombardements verlassen sie das Krankenhaus nicht mehr, damit sie sich nicht der Gefahr des Hin- und Heimweges aussetzen. So sind sie einerseits selbst sicher vor Angriffen, andererseits können sie schnell auf medizinische Notfälle reagieren. In der letzten Woche hat das Team ungefähr 600 Konsultationen durchgeführt, darunter 200 bei Kindern unter fünf Jahren. Die Patientenzahl im Krankenhaus und dem Gesundheitszentrum, die wir unterstützen, sinkt aber stetig; wir gehen davon aus, dass auch die Einwohner ihre Häuser nicht verlassen und sorgen uns um ihren Gesundheitszustand. Überraschenderweise hatten wir bisher keine verwundeten Patienten. Es gibt nicht besonders viele Informationen - die Situation im Gebiet um Konna ist weiter unklar. Auch für uns ist es ungewöhnlich, mitten in einer Kampfzone so nahe am Geschehen positioniert zu sein. Aber so ist es jetzt! Am Montag haben wir erfahren, dass die französische und malische Armee in Douentza angekommen sind. Wir warten auf ihre Genehmigung, damit wir in die Stadt einreisen und unseren Kollegen unter die Arme greifen können.

Welche Probleme gibt es beim Zugang zu Konna?

Wir wissen, dass die Menschen dort angesichts der Kämpfe am Boden und in der Luft ernsthafte medizinische und humanitäre Bedürfnisse haben können. Aber trotz unserer wiederholten Anfragen wird uns der Zugang zu der Region immer noch verwehrt - wir wissen folglich momentan nicht genau, was dort los ist. Alle, Hilfsorganisationen und die Medien, hängen in Sévaré fest, einer Stadt nahe Mopti. In der vergangenen Woche haben wir zwei Lastwägen mit Medikamenten und medizinischem Zubehör hier her gebracht. Jetzt haben wir die Ausrüstung vor Ort, um schnell mobile Kliniken einzurichten. Wir können Verwundete stabilisieren und, falls nötig, den Transport nach Mopti organisieren. Wir haben einen Chirurgen in Bamako, der auf Standby ist. Aber je mehr Zeit verstreicht, desto festgefahrener ist die Situation - und desto weniger können wir abschätzen, was uns dort erwartet. Das Schlimmste wäre natürlich, zu spät vor Ort zu sein. In den letzten paar Tagen haben sich unsere Prioritäten nicht geändert: Wir wollen das Team in Mopti verstärken und Zugang zur Stadt Konna erlangen.