Simbabwe

"Wir sind alle sehr tapfer" - Kinder mit HIV/Aids erzählen

Im Mpila Krankenhaus in Bulawayo berät und behandelt Ärzte ohne Genzen HIV-positive Kinder.

Nirgends sonst auf der Welt behandelt Ärzte ohne Grenzen so viele HIV-positive Kinder wie in Bulawayo, Simbabwes zweitgrößter Stadt. Mehr als 3.000 Kinder nehmen zurzeit an diesem Programm teil, rund 2.000 von ihnen erhalten zweimal täglich die überlebensnotwendigen antiretroviralen Medikamente. Ein weiterer Projektstandort befindet sich in Tsholotsho, einer Gemeinde im Südwesten des Landes.

Die 15-jährige Mankaza versucht, sich zu verdrücken ohne dass die anderen Mädchen aus ihrem Internat im Süden Simbabwes es bemerken. Aber noch bevor sie den Gang verlassen kann, fangen einige ihrer Klassenkameradinnen an zu johlen. Schon bald stimmen alle mit ein: "Wo gehst du hin, Mankaza? Mankaza gibt sich Saft, Mankaza gibt sich Saft!" Mankazas Klassenkameradinnen wissen, dass sie HIV-positiv ist und zweimal am Tag, um sieben Uhr morgens und abends, ihre antiretroviralen Medikamente nehmen muss.

"Ich will nie wieder dahin, will keine Minute mehr an dieser Schule verbringen", sagt Mankaza zu Christopher Dube, dem kinderärztlichen Berater von Ärzte ohne Grenzen im HIV-Beratungszentrum von Tsholotsho, einer ländlichen Gemeinde im Südwesten Simbabwes. Christopher betreut hier 340 Kinder mit HIV.

"Ihr größtes Problem ist das Stigma. Sie sind geächtet, werden abgestempelt. Sie tragen diesen Makel jederzeit und überall mit sich", sagt Christopher, der seit vier Jahren als Berater arbeitet. Die Stigmatisierung und Diskriminierung der Menschen mit HIV ist in Simbabwe weit verbreitet. Kaum ein infiziertes Kind in Simbabwe gibt seinen HI-Status vor Freunden oder Lehrern in der Schule zu erkennen, und selbst in den Familien erfahren nur einige wenige davon. Für die Kinder ist Aids eine Krankheit, für die sie sich schämen müssen.

Diskriminierung hält an

Von einem Land, in dem es seit den 80-er Jahren HIV-Infizierte gibt und in dem zurzeit schätzungsweise zwei Millionen Menschen das Virus in sich tragen, sollte man eigentlich erwarten, dass es keine derartige Diskriminierung gibt - schon gar nicht von Kindern. Aber immer noch, auch nach Jahren der Beratung, fällt es diesen Kindern schwer, offen über ihre HIV-Infektion zu sprechen.

Dabei werden es immer mehr. Woche für Woche beginnen ungefähr 40 Kinder in Bulawayo mit der antiretroviralen Therapie. Die Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen hoffen, die HIV-positiven Kinder bald vom dortigen Mpilo Hospital auf kleinere Kliniken in der Umgebung der Stadt verteilen zu können. Dadurch würde die Zentralklinik stark entlastet.

Gegen das Alleinsein

Die beiden Projekte in Tsholotsho und Bulawayo planen, jeweils einmal im Monat einen eigenen Tag für HIV-positive Kinder einzuführen. "Wir müssen sie zusammenbringen", so der Berater Christopher Dube aus Tsholotsho, "damit sie erkennen, dass sie nicht allein sind, dass es viele gibt, denen es ähnlich geht wie ihnen selbst. "Denn das Schlimmste ist, dass sie ganz für sich allein leiden."

Für die Mehrzahl der Kinder bedeutet ein frühzeitiger Beginn der Therapie, dass sie ein Leben ohne Krankheit und Koinfektionen führen können. Kinder sprechen viel besser auf die antiretrovirale Behandlung an und sind weitaus belastbarer als Erwachsene. Da Kinder erst seit einem Jahrzehnt antiretroviral behandelt werden, gibt es noch keine Erkenntnisse darüber, wie lange sie mit dieser Therapie überleben können. Das älteste "Kind" in Bulawayo ist heute 25 Jahre alt.

Nozipho, die mit ihren 15 Jahren bereits lange in Behandlung ist und der es nicht leicht gefallen ist, dies zu akzeptieren, sagt: "Manchmal ist es schwer, manchmal nicht." Nach kurzem Überlegen und mit Blick auf die anderen Kinder mit HIV, die für ihre Behandlung in die Klinik gekommen sind, fügt sie hinzu: "Ich glaube, wir sind alle sehr tapfer. Wir können die Welt verändern, alle zusammen."

Joanna Stavropoulou, Projektmitarbeiterin, Bulawayo