Tschad

Wenn es trotz Ernte Mangelernährung gibt

Rund 200 Kinder nimmt Ärzte ohne Grenzen zur Zeit wöchenlich in die Ernährungsprogramme im Distrikts Biltine auf.

Seit April 2012 hat das Not-Ernährungsprogramm von Ärzte ohne Grenzen im Osten des Tschad mehr als 500 schwer mangelernährte Kinder aufgenommen. Obwohl die Ernte mittlerweile fast eingeholt ist, muss Ärzte ohne Grenzen weiterhin viele Kinder behandeln. Das Team hofft, dass die Zahl der Aufnahmen nun sinken wird. Jedoch ist keine andere Gesundheitsorganisation in der Region tätig. Deshalb wird Ärzte ohne Grenzen das Not-Ernährungsprogramm in Biltine noch bis Anfang Dezember fortsetzen.

"Es ist das zweite Mal, dass meine Tochter Kadidja in das Ernährungsprogramm aufgenommen worden ist", berichtet Maryoma Abdallah, die im Schatten eines Baumes wartet. Es ist noch früh am Morgen, doch es ist bereits heiß. Zwei Geländeautos halten vor dem kleinen Gesundheitszentrum im Dorf Angara. Wie viele der anderen Mütter beobachtet auch Maryoma Abdallah, wie das Team von Ärzte ohne Grenzen das mobile therapeutische Ernährungszentrum aufbaut.

Mehr als 1.200 Kinder geheilt

"Dieses Jahr war nicht sehr gut, und das vergangene Jahr auch nicht", erzählt Maryoma. "Zuhause kann ich Kadidja nur etwas Hirsebrei geben - ich kann es mir nicht leisten Milch oder Früchte zu kaufen. Sie war schon sehr schwach, doch dank der therapeutischen Nahrung nimmt sie jetzt wieder zu."

Die zweijährige Kadidja ist eines von mehr als 1.000 Kindern, die derzeit im Not-Ernährungsprogramm von Ärzte ohne Grenzen im Bezirk Biltine, im Osten des Tschad, behandelt werden. Jede Woche besuchen die mobilen Teams hier elf abgelegene Gesundheitszentren wie jenes in Angara.

In jedem Dorf ist die Prozedur dieselbe: Während die Mütter ihre Kinder einzeln vorbringen, wird jedes Kind gewogen, gemessen und gründlich von einer Krankenschwester untersucht. Kinder, die zum ersten Mal kommen, werden auf Malaria getestet. Wenn nötig, verschreibt die Krankenschwester Medikamente, die vom Apotheker des mobilen Teams ausgehändigt werden. Schließlich erhält jede Mutter eine Wochenration therapeutische Fertignahrung für ihr Kind. Diese Paste aus Erdnüssen und Milchpulver enthält alle wichtigen Vitamine und Mineralien, die unterernährte Kinder brauchen, um wieder zu Kräften zu kommen.

Seit das Ernährungsprogramm im April eingerichtet wurde, wurden rund 3.500 schwer mangelernährte Kinder ambulant behandelt, von denen schon mehr als 1.200 geheilt aus dem Programm entlassen werden konnten.

"Die Kinder trinken oft direkt aus den Flüssen"

"Wir haben einen kleinen Schritt vorwärts gemacht", sagt Marcus Bachmann, der Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Biltine. "Die Gesamtzahl der Kinder in unserem Ernährungsprogramm hat abgenommen, von 1.300 im Juni auf 1.000 im September. Durchschnittlich haben wir aber weiterhin 200 neue Aufnahmen pro Woche. Und das bedeutet, dass es immer noch viele schwer mangelernährte Kinder gibt."

Diese besonders schwer betroffenen Kinder zu finden, ist die Aufgabe der Krankenschwester Carole Antoine Riolobos. Im Dorf Angara geht sie durch die Reihen der wartenden Mütter und Kinder. "Wir sehen nicht nur viele mangelernährte Kinder, viele von ihnen sind zudem auch krank", sagt sie. "Das größte Problem ist Dehydrierung aufgrund von Durchfallerkrankungen. Die Menschen hier haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und die Kinder trinken oft direkt aus den Flüssen."

Carole Antoine Riolobos bleibt vor einer Frau in einem hellgrünen Kleid stehen und untersucht das Kind auf ihrem Schoß. Der kleine Junge, Adil, ist ernsthaft dehydriert und braucht dringend Intensiv-Pflege. Während sie ihn versorgt, erklärt sie der Mütter, dass ihr Kind sehr krank ist und im Krankenhaus von Biltine behandelt werden muss. Eines der Fahrzeuge von Ärzte ohne Grenzen wird sie und ihren Sohn mit in die Stadt ins Krankenhaus nehmen - wenn sich ein weiterer Behandlungstag in Angara dem Ende neigt.

Andere Ernährungsprogramme von Ärzte ohne Grenzen im Tschad: Am Timan: Seit Januar 6.535 mangelernährte Kinder ambulant und 731 stationär behandelt. Massakory: Seit Januar rund 7.800 schwer mangelernährte Kinder behandelt. Yao: Rund 1.950 schwer mangelernährte Kinder behandelt. Das Programm wurde Ende September geschlossen. Abu Deia: Rund 1.400 mangelernährte Kinder behandelt. Das Programm wurde Anfang Oktober an lokale Behörden übergeben. Bokoro: Bisher 2.702 Kinder ambulant behandelt, mehr als 230 stationär. Ärzte ohne Grenzen wird das Programm im Dezember den lokalen Behörden übergeben.