Republik Kongo

Vom "Elfenbeinturm" in den BuschLeute in der Stadt: Klaus-Georg Lehr war für acht Monate als Logistiker für "Ärzte ohne Grenzen" in der Republik Kongo

Klaus-Georg Lehr hat in dem afrikanischen Land gearbeitet.

Von unserer Mitarbeiterin Eva Binder

Ein 10000-Einwohner-Städtchen im westafrikanischen Busch, kein Stromanschluss, ein kleines Krankenhaus. Das war für die vergangenen acht Monate das Zuhause für den Freiburger Klaus-Georg- Lehr. Der promovierte Mathematiker arbeitete dort für die medizinische Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" als Logistiker.

An das Leben im Ausland ist der 37-Jährige schon gewöhnt. In Freiburg geboren und in Schramberg aufgewachsen, hat er von den elf Jahren, die seit seinem Uni-Abschluss in Heidelberg vergangen sind, nur ein Jahr am Stück in Deutschland gelebt. In den USA machte er seine Doktorarbeit, dann ging er mit Forschungsstipendien an Universitäten in Spanien, Frankreich und Italien.

Wie kam er aber von der Arbeit als Mathematiker an der Universität zu "Ärzte ohne Grenzen"? Die Zeit im "Elfenbeinturm" reichte ihm, die Mathematik reizte ihn nicht mehr. Kurz: Er wollte etwas Sinnvolleres machen. Sechs Wochen nach der Zusage von "Ärzte ohne Grenzen" war Lehr auf dem Weg in die Republik Kongo in Westafrika.

In Mindouli, 140 Kilometer von der Hauptstadt Brazzaville entfernt, wartete sein Einsatzort. "Das war wirklich weg von allem, nur mit dem Zug und sehr geländegängigen Fahrzeugen zu erreichen", erzählt Lehr. Ringsum der Busch mit meterhohem Gras. Im Krankenhaus, das mit 100 Betten die medizinische Versorgung für rund 50 000 Menschen zur Verfügung stellt, war Lehr für die gesamte Logistik verantwortlich: Fuhrpark, Lebensmittellieferungen aus Brazzaville, Diesel für den Stromgenerator, Funkgeräte, Satellitentelefone.

Am wichtigsten war die Versorgung mit Medikamenten. "Alle sechs Monate kommt eine große Lieferung von 'Ärzte ohne Grenzen' aus Amsterdam, acht Tonnen Medikamente und medizinisches Zubehör", erzählt Lehr. Die müssen dann sicher von der Hauptstadt ins Provinzkrankenhaus gelangen. In einem Land, in dem bis vor vier Jahren noch Bürgerkrieg herrschte und bewaffnete Rebellen immer wieder Straßensperren errichten, um Wegezoll zu kassieren, ist das keine Selbstverständlichkeit.

Um in so einem Umfeld keine Angst zu bekommen, muss man schon starke Nerven haben. Lehr, der auf den ersten Blick jünger wirkt als er ist und mit seinem zurückhaltenden Auftreten einen eher schüchternen Eindruck macht, hat die. "Ich hab mir keine Sorgen gemacht", meint der Mathematiker, "die Menschen sind mir sehr offen und freundlich begegnet, ich habe mich schnell zu Hause gefühlt." Mit den Arbeitkollegen ging er auch aus, in eine der Bars mit Fußball im Fernsehen und elektronischer Musik mit afrikanischen Rhythmen, die aus den Boxen dröhnte.

"Das alles fühlt sich jetzt nach der Rückkehr wie ein Traum an", findet Lehr. Erst mal macht er einen Zwischenstopp in Freiburg bei seiner Mutter, wo er auch seinen deutschen Wohnsitz hat. Obwohl er durch das Leben im Ausland nur ab und zu vorbei kommt, ist hier sein Zuhause. "Der Ort, wo man seine überflüssigen Sachen im Keller stehen hat", wie der 37-Jährige lachend erklärt. Gut möglich, dass er aber schon bald wieder nach Afrika geht.