Tschad

Vertrieben im Tschad - "Wir brauchen dringend sauberes Wasser und Schulen!"

Zahara arbeitet für Ärzte ohne Grenzen als kommunale Gesundheitshelferin in Adé, einem Dorf nahe der sudanesischen Grenze. Die Mutter von sieben Kindern musste aus dem Osten des Tschad fliehen, als Ende 2006 dort Kämpfe ausbrachen. Seitdem sind etwa 180.000 Tschader vertrieben worden. Ärzte ohne Grenzen betreut Projekte für Vertriebene sowie für Flüchtlinge aus dem benachbarten Darfur an mehreren Orten im östlichen Tschad. Zahara beschreibt im nachfolgenden Interview ihre Erfahrungen und ihre Arbeit mit Ärzte ohne Grenzen.

Wann bist du von Zuhause geflohen?

Mein Mann wurde während des "Ndjamena"-Krieges getötet, als im Jahr 2006 Rebellen aus dem Osten des Landes gegen die Regierungstruppen kämpften. Wir hatten damals sechs Kinder und ich war erneut schwanger, als die Kämpfe in der Nähe unseres Dorfes ausbrachen. Wir lebten in Komo, einem Dorf nicht weit von der sudanesischen Grenze im östlichen Tschad. Bewaffnete Männer griffen unser Dorf an und erschossen meinen Ehemann. Drei Tage später habe ich unser Baby entbunden, während ich allein mit meinen Kindern fliehen musste. Wir kamen zuerst mit vielen anderen Vertriebenen zum Dorf Koloye. Wie wir zuvor fürchtete jeder dort neue Angriffe. Aus diesem Grund hatten wir ja auch unser Dorf verlassen.

Was geschah, als du in Koloye ankamst?

Als wir in Koloye ankamen, betreute Ärzte ohne Grenzen dort einen Gesundheitsposten. So haben ich erstmals von ihrer Arbeit erfahren. Dann aber wurde Koloye von den Milizen angegriffen. Die Gewalt, vor der wir geflohen waren, holte unser Leben erneut ein. Bewaffnete Männer schossen auf die Vertriebenen und auf die lokale Bevölkerung. Vor meinen Augen wurde ein Mann aus meinem Dorf ermordet. Während der Kämpfe zog sich Ärzte ohne Grenzen zurück und kam nie nach Koloye zurück. Es war einfach zu unsicher. Dann vertrieben uns die Milizen von dort. So kamen wir im Oktober/November 2006 nach Adé. Viele Menschen verließen Koloye während der Kämpfe im November, alle hatten Angst. Einige flohen nach Adé, andere nach Goz Beida oder Am Shala. Es gab sogar welche, die nach Komo zurückkehrten.

Warum hast du dich für Adé entschieden?

Als wir hörten, dass Ärzte ohne Grenzen in Adé eine Gesundheitsstation eröffnen wollte, wussten wir, dass unsere Lebensbedingungen dort besser sein würden. Die Mitarbeiter gaben uns Medikamente und sauberes Trinkwasser, sie verteilten auch Nahrungsmittel an unterernährte Kinder. Bevor Ärzte ohne Grenzen dort mit der Arbeit begann, gab es keine Hilfe in Adé. Zwar haben die Leute aus dem Dorf geholfen, aber es war hart, denn sie haben selbst nicht viel. Wir würden gern in unsere Dörfer zurückgehen, aber wir wissen nicht, ob wir dort sicher sind und fürchten uns davor, dass die Milizen zurückkehren und uns töten. Wir sind nicht freiwillig geflohen, wir wurden vertrieben.

Seit Mai 2007 arbeite ich als Gemeindegesundheitshelferin für Ärzte ohne Grenzen in zwei Lagern nahe Adé. Viele Vertriebene aus Koloye und nahegelegenen Dörfern haben dort Zuflucht gesucht, genau wie ich auch.

Wie sieht deine Arbeit aus?

Ich arbeite im Camp. Ich gehe durch das Lager, spreche mit den Menschen, besuche sie in ihren Hütten. Viele kommen aus meinem Dorf oder von Koloye. Sie kennen mich und trauen mir. Meine Aufgabe ist es, auf Gesundheitsprobleme aufmerksam zu machen und den Leuten im Lager Hygieneregeln zu erklären. Ich trainiere sie in Sachen Gesundheit und Hygiene. Ich zeige Müttern, wie sie sich um ihre Neugeborenen kümmern oder wie sie Lebensmittel sicher lagern sollen. Wenn ich sehe, dass jemand krank ist, bitte ich ihn, in die Klinik zu kommen. Wenn die Person zu krank oder zu schwach ist, um selbst zu kommen, bitte ich meine Kollegen in der Klinik, den Patienten abzuholen.

Wie ist dein Leben jetzt in Adé?

Wir fühlen uns unsicher, aber wir können es nicht ändern. Wir müssen das Beste daraus machen und jetzt hier leben. Unser größtes Problem im Lager, aber auch im Dorf selbst, ist sauberes Trinkwasser. Es wirkt sich enorm auf die Gesundheit von uns allen aus. Es reicht einfach nicht für alle. Wir haben nur zwei Wasserpumpen, wobei eine bis September nicht richtig funktioniert hat. Wasserholen ist eine Aufgabe für Frauen. Sie müssen täglich stundenlang anstehen. Es ist schwierig, sich um die Familie zu kümmern oder zu kochen, wenn du so lange auf Wasser warten musst. Daher gehen viele Frauen einfach zum Fluss, aber dort ist das Wasser nicht sauber, es ist gefährlich. Sie versuchen, es durch Kochen zu reinigen, aber meist köcheln sie es nicht lange genug. Insbesondere die Kinder werden krank, weil das Wasser unrein ist oder sie nicht genug zu trinken bekommen.

Außerdem brauchen wir dringend Schulaktivitäten für unser Kinder. Es gibt keine Schulen in Adé. Sie sind zu weit weg, in anderen Dörfern, und es ist für unsere Kinder zu gefährlich, dorthin zu gehen. Wir wissen, dass Ärzte ohne Grenzen eine medizinische Organisation ist. Aber wir hoffen, dass Ärzte ohne Grenzen andere Organisationen darüber informiert und sie bittet, uns hier mit Schulen zu unterstützen.