Tuberkulose: Ärzte ohne Grenzen und andere Experten fordern neue Strategien für Medikamententests

Nach Angaben der humanitären Organisation Ärzte ohne Grenzen könnten Medikamentenforscher die Entwicklung von dringend benötigten Tuberkulose (TB)-Arzneimitteln beschleunigen. Die Organisation schließt sich damit internationalen Expertenmeinungen an, die Tests neuer TB-Medikamente an Patienten fordern, die bereits Resistenzen auf die Standardtherapie entwickelt haben. In einem aktuellen Bericht des Open-Source Magazins "PloS Medicine" erklären sie, dass die Entwicklung neuer Therapien so schneller erfolgen könnte.

Tests an Patienten mit Resistenzen würden die Erkennung von Anti-Tuberkulose Reaktionen einfacher machen, so die Experten. Anlehnend an den Erfolg der Entwicklung antiretroviraler Therapien während der Aids-Pandemie in den 1990er Jahren, würde diese Strategie bedeuten, dass klinische TB-Studien schneller und mit weniger Patienten durchgeführt werden könnten. Die Entwicklung besserer und neuerer Medikamente wären die Folge.
"Dies ist die größte Hoffnung auf bessere Medikamente für Patienten mit multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB), die wir momentan haben", sagt Eric Goemaere, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. "Wir können es uns nicht leisten zu warten. MDR-TB verbreitet sich aus, besonders in Regionen wie Südafrika, wo die Infektionsrate mit HIV/Aids sehr hoch ist."

Weltweit gibt es jährlich fast fünfhunderttausend neue Fälle von MDR-TB. Die jetzige Behandlung stützt sich auf schwache Medikamente mit enormen Nebenwirkungen und dauert bis zu zwei Jahren. Selbst bei besten Behandlungsbedingungen entwickeln einige Patienten eine extrem resistente Form der Tuberkulose, weil die Medikamente so ineffektiv sind.

"Ich kann nicht verstehen, warum dieses Problem nicht von allen Arzneimittelforschern bearbeitet wird", sagt Tido von Schön-Angerer, Direktor der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Einerseits empfehlen weltweit renommierte Experten und führende Regulierungsbehörden wie die US-amerikanische Food and Drug Association (FDA), dass klinische Studien an multiresistenten Patienten die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen würde. Andererseits halten wichtige Geldgeber, beispielsweise die Bill Gates Stiftung, weiterhin an den traditionellen Forschungsansätzen fest. Geldgeber und Medikamentenforscher müssen diese Herausforderung anders angehen."