Kirgisistan

Teams von Ärzte ohne Grenzen versorgen Opfer des Konflikts

Ärzte ohne Grenzen behandelt weiterhin Opfer des Konflikts in Osch.

Weil die Lage im südlichen Kirgisistan weiterhin angespannt bleibt, versorgen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen die Opfer der Gewalt in den Städten Osch, Jalal-Abad und Bazar-Korgon medizinisch. Die Organisation konzentriert sich dabei auf die dringlichsten medizinischen Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung und fährt mit mobilen Kliniken auch in jene Gebiete, in denen die Bevölkerung noch zu verängstigt und traumatisiert ist, um sich aus ihren Gemeinschaften herauszuwagen. Dabei werden jede Woche 250 bis 300 Menschen von Ärzte ohne Grenzen untersucht und behandelt.

"Wir hoffen, dass sich die Lage in den nächsten Tagen verbessern wird. Ein erster Schritt dahin war das Abziehen des bewaffneten Personals in und um medizinische Einrichtungen in Osch am 2. August. Das wird hoffentlich das Vertrauen jener Menschen zurückbringen, die zuvor den Besuch von Krankenhäusern verweigert hatten, weil sie die bewaffneten Personen fürchteten", sagt Alexandre Baillat, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen in Kirgisistan.

Zur Zeit stehen 30 Prozent der Behandlungen, die Mitarbeiter der Organisation durchführen, mit psychosomatischen Symptomen in Verbindung, die als direkte Auswirkung der konstant katastrophalen Lebensbedingungen verstanden werden, welche von Angst und Stress gekennzeichnet sind. Circa 20 Prozent der Behandlungen befassen sich mit chronischen Leiden wie Bluthochdruck, Diabetes, Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

"Die Zusammenarbeit mit der Leitung und den medizinischen Mitarbeitern der lokalen Einrichtungen, auch der Krankenhäuser, läuft sehr gut" sagt Anja Wolf, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Osch. "Die Patienten, die wir an sie verweisen, werden effizient und korrekt, ohne Diskriminierung versorgt. Dennoch bleibt es bei manchen Patienten schwierig, sie davon zu überzeugen, dass sie auch in den anderen Gesundheitseinrichtungen sicher und gut behandelt werden. Die Ausschreitungen vom Juni sind ihnen noch immer präsent." Ärzte ohne Grenzen stellt außerdem bei Bedarf auch anderen Gesundheitseinrichtungen Medikamente, medizinisches Material und sauberes Wasser zur Verfügung.

Zudem unterstützen Psychologen von Ärzte ohne Grenzen viele der traumatisierten Opfer der Kämpfe im Juni: einige haben Familienmitglieder verloren, andere wurden Zeugen brutaler Übergriffe. Um noch mehr Menschen zu erreichen, schult die Organisation inzwischen 42 zukünftige Berater und Helfer, die schon bald mit der Arbeit in ihrer Nachbarschaft beginnen.

Außerdem beliefert Ärzte ohne Grenzen bereits jetzt strategisch jene Orte mit medizinischer Ausrüstung und Medikamenten, in welchen neue gewalttätige Konflikte erwartet werden. In diesem Fall ist die Organisation auf schnelles und effizientes Handeln vorbereitet.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet bereits seit 2006 in Kirgisistan und versorgt Tuberkulose-Patienten in Gefängnissen. Im April 2010 hat die Organisation auf gewalttätige Konflikte in Bishkek reagiert und die drei Hauptgesundheitseinrichtungen der Hauptstadt mit Medikamenten und medizinischer Ausrüstung versorgt.

Ärzte ohne Grenzen hat seinen Nothilfeeinsatz im Süden Kirgisistans am 15. Juni begonnen und auf die medizinischen Bedürfnisse der von der Gewalt betroffenen Bevölkerung reagiert. Zur Zeit arbeitet die Organisation mit 55 Mitarbeitern vor Ort.Ärzte ohne Grenzen hat bisher an 25 Gesundheitseinrichtungen Medikamente und medizinische Ausrüstung gespendet und mehr als 2.100 Konsultationen durchgeführt.