Haiti

Teams behandeln Cholera-Patienten in der Region Artibonite

Nach Bestätigung des Choleraausbruchs in der haitischen Region Artibonite behandeln Teams von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt St. Marc Patienten mit entsprechenden Symptomen. In dem Ort Petite Riviere baut ein Team ein Cholerabehandlungszentrum mit 20 Betten auf. Am Wochenende wurde ein Frachtflugzeug mit 100 Tonnen Materialien nach Haiti entsendet.

"Im St. Nicholas-Krankenhaus in St. Marc gibt es zahlreiche Patienten, das Krankenhaus hat jedoch nicht die Kapazität, einen Choleraausbruch zu bewältigen", beschreibt Federica Nogarotto, Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. "Am wichtigsten ist es, die an Cholera erkrankten von anderen Patienten zu isolieren, um diejenigen, die infiziert sind, optimal behandeln zu können, und gleichzeitig eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Wir sind dabei, ein isoliertes Cholerabehandlungszentrum aufzubauen."

Derzeit unterstützen 20 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen - darunter Ärzte, Krankenschwestern und Logistiker - das St. Nicholas Krankenhaus. Patienten mit Verdacht auf Cholera erhalten eine Rehydrierungslösung, um dem Körper die Flüssigkeit zurückzuführen, die er durch Durchfall und Erbrechen verloren hat. Patienten, die zu schwach sind, um die Lösung zu trinken, erhalten diese intravenös.

Wässriger Durchfall auch in Petite Riviere und Port-au-Prince

Das Team von sieben Mitarbeitern in Petit Riviere ist bislang auf 89 Fälle von wässerigem Durchfall gestoßen. In Mirebalais hat ein weiteres Team Erkundungen durchgeführt und ist in Kontakt mit den lokalen Gesundheitsbehörden, um bei Bedarf mit zusätzlichem Personal oder Material auszuhelfen.

In den Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince werden einige Patienten behandelt, die an wässerigem Durchfall leiden. Momentan ist aber nicht bestätigt, dass darunter auch Cholerafälle sind. Wässerige Durchfälle sind in Port-au-Prince seit dem Erdbeben nicht ungewöhnlich. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben in den vergangenen Monaten viele Patienten mit dieser Erkrankung behandelt. In der haitianischen Hauptstadt steht ein 20-Betten-Cholerazentrum der Organisation für die Aufnahme von Patienten bereit. In den kommenden Tagen werden die Kapazitäten zur Behandlung von Cholerafällen auf 300 Betten ausgeweitet.

Behandlung und Verhinderung der Ausbreitung

Die Isolierung von Verdachtsfällen, Hygieneaufklärung und Bereitstellung von Seife und sauberem Trinkwasser sind die Schlüssel, um eine Ausbreitung der Cholera zu verhindern. Cholera ist eine akute, über Bakterien in menschlichen Fäkalien transportierte Infektionskrankheit, die über Wasser, bestimmte Lebensmittel und - in seltenen Fällen - von Mensch zu Mensch übertragen wird. Die Hauptsymptome sind wässriger Durchfall und Erbrechen, was zu schwerer Dehydrierung und schnellem Tod führen kann, wenn keine rasche Behandlung erfolgt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es weltweit jährlich drei bis fünf Millionen Cholerafälle. 100.000 bis 120.000 dieser Cholerakranken sterben. Ärzte ohne Grenzen ist in diesem Jahr bereits bei Choleraausbrüchen in Kamerun, Tschad, Niger, Nigeria, Pakistan, Papua Neuguinea und Sambia aktiv geworden.

Ärzte ohne Grenzen in Haiti

Mehr als 3.000 haitianische und internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen leisten derzeit Hilfe für die haitianische Bevölkerung. Sie betreiben sieben Krankenhäuser, in denen kostenlose medizinische Hilfe angeboten wird und unterstützen zwei staatliche Krankenhäuser in Port-au-Prince mit insgesamt fast 1.000 Betten. Die angebotenen Leistungen reichen von Notfallmedizin, Geburtshilfe, Mutter-Kind-Gesundheit bis zu orthopädischer Hilfe. Außerdem leistet Ärzte ohne Grenzen psychologische Hilfe und behandelt und berät Opfer sexueller Gewalt.

Außerhalb der Hauptstadt Port-au-Prince unterstützt Ärzte ohne Grenzen Krankenhäuser mit knapp 200 Betten in den Städten Leogane und Jacmel. Zusätzlich hat Ärzte ohne Grenzen im Oktober dieses Jahres in Leogane ein Container-Krankenhaus mit 120 Betten eröffnet.