Madagaskar: Ärzte ohne Grenzen warnt vor Zuspitzung der Ernährungskrise im Südosten
- Kleinkinder besonders gefährdet
- Tausende Malariafälle verschärfen Situation
- Ausweitung der medizinischen Hilfe
Antananarivo/Berlin, 10. März 2026. Ärzte ohne Grenzen warnt vor einer raschen Verschlechterung der Ernährungslage von Kleinkindern im Distrikt Ikongo im Südosten Madagaskars. Die Warnung folgt auf einen allgemeinen Hilfsappell der madagassischen Regierung und der Vereinten Nationen angesichts der sich zuspitzenden humanitären Lage im Land.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 2022 in Ikongo tätig und unterstützt hier das Gesundheitsministerium. Bereits jetzt stehen dortige Gesundheitseinrichtungen unter starkem Druck, da immer mehr Kinder auf eine medizinische und ernährungstherapeutische Versorgung angewiesen sind.
Wenn nicht bald die Behandlungskapazitäten erhöht werden und die Prävention verstärkt wird, könnten in den kommenden Wochen noch mehr Kinder in einem lebensbedrohlichen Ernährungszustand bei uns ankommen.
-Narcisse Wega, Landeskoordinator
Der Distrikt befindet sich seit Oktober in Phase 2 („Angespannte Phase”) der Integrierten Klassifikation der Ernährungssicherheitsphasen (IPC) und tritt nun in die „Kritische Phase” ein. Es ist die Jahreszeit, in der die Vorräte aus der letzten Ernte zur Neige gehen, während die nächste Ernte noch nicht eingebracht ist. Sie fällt mit der Saison für Wirbelstürme zusammen.
Parallel steigen die Malariafälle. Allein von Januar bis Mitte Februar wurden mehr als 11.000 Malariafälle gemeldet. Malaria ist inzwischen der häufigste Grund, weswegen Menschen in die Einrichtungen kommen. Diese Entwicklung belastet Familien zusätzlich und erhöht das Risiko von akuter Mangelernährung bei kleinen Kindern. Das gilt insbesondere in einem Umfeld von chronischer Ernährungsunsicherheit und wiederholten klimabedingten Krisen. Darüber hinaus verschärft der eingeschränkte Zugang zur Gesundheitsversorgung die Situation.
Ärzte ohne Grenzen hat daher die Aktivitäten seit Ende Oktober ausgeweitet. Neben der Unterstützung von 22 Gesundheitseinrichtungen werden inzwischen neun Basisgesundheitszentren sowie 22 ambulante Ernährungszentren im Süden des Distrikts unterstützt. Die Maßnahmen umfassen medizinische und ernährungstherapeutische Versorgung, Screenings in den Gemeinden sowie Gesundheitsaufklärung.
Seit Oktober wurden über 27.000 Kinder untersucht, mehr als 4.000 wegen akuter Mangelernährung behandelt, darunter 842 mit schwerer akuter Mangelernährung.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1987 in Madagaskar aktiv und reagiert auf Epidemien, Naturkatastrophen und Ernährungskrisen. Die Teams sind seit 2022 im Bezirk Ikongo tätig.
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