Sudan: Krankheitsausbrüche in mehreren Regionen
- Zusammenbruch von Impfprogrammen und tödliche Epidemien
- Ärzte ohne Grenzen behandelte in 2025 allein 42.000 Cholera-Fälle
- Mehr Druck auf Konfliktparteien dringend nötig
Port Sudan/Berlin, 30. April 2026. Der seit drei Jahren andauernde Krieg im Sudan hat dazu geführt, dass Impfprogramme zusammengebrochen sind und Systeme zur Krankheitsüberwachung nicht mehr funktionieren. Hierdurch sind in mehreren Regionen des Landes tödliche Epidemien ausgebrochen, die vermeidbar wären.
Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 behandelten Teams von Ärzte ohne Grenzen in Darfur mindestens 13.000 an Masern erkrankte Menschen im Zusammenhang mit sechs Ausbrüchen – vor allem in Gebieten mit vielen Binnenvertriebenen. Die meisten Patient*innen waren ungeimpft oder ihr Impfstatus war unbekannt. Die Ausbrüche traten unter anderem in Feina, Kas und Nyala (Süd-Darfur), Tawila (Nord-Darfur) und al-Dschuneina (West-Darfur) auf.
Selbst wenn es gelingt, einen Ausbruch einzudämmen, kann er an anderer Stelle wieder auftreten, da Menschen häufig vertrieben werden und Lücken in der Impfabdeckung die Ausbreitung von Krankheiten fördern“, sagt Joseph Amadomon Sagara, medizinischer Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Sudan.
Die Organisation von Impfkampagnen im Sudan bedeutet, mit unzureichenden Impfdosen, unterbrochenen Lieferketten, einem Mangel an geschultem Impfpersonal sowie langwierigen und aufwändigen Bewilligungsverfahren zurechtzukommen.
Drastische Mittelkürzungen und absichtliche bürokratische Behinderungen durch die Konfliktparteien verhindern, dass lebensrettende Impfstoffe und Medikamente die Menschen rechtzeitig erreichen.
Miriam Alía, Beraterin für Impfungen und Krankheitsausbrüche bei Ärzte ohne Grenzen
Ärzte ohne Grenzen fordert die Gesundheitsbehörden und internationalen Akteure auf, die flexible Finanzierung zu erhöhen. Zudem muss der Druck auf die Konfliktparteien verstärkt werden, damit administrative Hürden abgebaut werden und ein sicherer Transport humanitärer Hilfsgüter möglich wird.
Auch außerhalb von Darfur, etwa im Süden von Khartum, versuchen Teams von Ärzte ohne Grenzen, die Ausbreitung von Krankheiten zu verfolgen, während Tausende in eine zerstörte Stadt zurückkehren, in der sie keinen Zugang zu einer grundlegenden Versorgung haben. In al-Obeid, der Hauptstadt von Nord-Kordofan, unterstützt Ärzte ohne Grenzen ein Isolationszentrum, um auf einen anhaltenden Masernausbruch zu reagieren.
In neun der 18 Bundesstaaten des Sudan bereiten sich Teams der Organisation außerdem auf einen möglichen Cholera-Anstieg vor der Regenzeit vor. Seit 2024 sind im Sudan mehr als 3.500 Menschen an Cholera gestorben; allein im Jahr 2025 behandelten Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen mehr als 42.000 Fälle. Neben Masern und Cholera gab es in den vergangenen Monaten auch Ausbrüche von Keuchhusten, etwa in Rokero in Zentral-Darfur.
Wir wissen, dass Impfkampagnen Wirkung zeigen, doch ohne regelmäßige Impfungen sind die Erfolge nicht von Dauer. Die strukturellen Lücken müssen geschlossen werden.
Miriam Alía
Unsere Hilfe im Sudan
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