Berlin/Genf, 18. Mai 2026. Die WHO-Staaten wollten ursprünglich diese Woche in Genf ein zentrales Element des Pandemievertrages verabschieden. Nach stockenden Verhandlungen wird die Entscheidung nun um ein Jahr verschoben. Dabei braucht die Welt dringend verbindliche Regeln für den Pandemiefall.
Die Mitgliedsstaaten konnten sich nicht auf ein System einigen, das den gerechten Zugang zu medizinischen Produkten im Pandemiefall regelt, darunter beispielsweise Diagnostika, Therapeutika und Impfstoffe. Dies soll im Annex des sogenannten Pathogen and Access Benefit Sharing (PABS) System festgehalten werden. Dass bei der ab heute tagenden Weltgesundheitsversammlung in Genf kein Durchbruch sondern ein Aufschub verkündet werden wird, ist aus Sicht von Ärzte ohne Grenzen besorgniserregend.
Ärzte ohne Grenzen setzt sich für eine gerechte Verteilung von medizinischen Produkten im Pandemiefall ein – als faire Gegenleistung für die Länder, die wichtige Daten über die Krankheitserreger zu Forschungszwecken teilen und deren Bevölkerung an klinischen Studien teilgenommen hat.
Seit Jahrzehnten beobachtet Ärzte ohne Grenzen, dass Menschen in ressourcenarmen Regionen, die von tödlichen Ausbrüchen wie Ebola und Covid-19 betroffen sind, oft keinen oder nur stark verzögerten Zugang zu lebensrettenden medizinischen Hilfsmitteln erhalten. Wer wichtige genetische Proben und Daten zur Verfügung stellt und besonders gefährdet ist, darf nicht als letztes von medizinischen Innovationen profitieren!
Wir fordern die WHO-Mitgliedsstaaten auf, die Verhandlungen über ein starkes multilaterales PABS-Rahmenwerk voranzutreiben, das den Zugang zu Krankheitserregern und Daten mit durchsetzbaren Verpflichtungen zur Vorteilsaufteilung verknüpft. Sie müssen dafür sorgen, dass der Pandemievertrag endlich kommt!
Maria Guevara, internationale medizinische Leiterin von Ärzte ohne Grenzen
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