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Frauen in der Nothilfe: Träume von Respekt und Gerechtigkeit

Sie arbeiten in unterschiedlichen Ländern und Kontexten – und teilen doch dieselbe Motivation. Unsere Mitarbeiterinnen leiten Projekte, versorgen Menschen unter extremen Bedingungen und halten Gesundheitssysteme am Laufen. Ihre Geschichten erinnern daran, dass Wandel oft dort beginnt, wo Frauen einander zuhören, sich gegenseitig stärken und Verantwortung übernehmen – selbst unter den schwierigsten Bedingungen.  

Hier erzählen Frauen aus der Nothilfe von Mut und Zweifel, von Belastung und Hoffnung. Sie träumen von einer Welt, in der Frauen und ihre Gesundheitsbedürfnisse ernst genommen werden.

 

Eine Welt, in der alle Frauen sicher leben können

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Portrait von Cynthia Matildes
Cynthia Matildes arbeitet als psychosoziale Beraterin für uns.
© MSF

Für Cynthia Matildes aus Mexiko heißt helfen, erst einmal da zu sein. Sie arbeitet für uns als psychosoziale Beraterin in Regionen, in denen Gewalt, Vertreibung und Unsicherheit den Alltag bestimmen. Dort begegnet sie Frauen und Mädchen, deren Leben durch traumatische Erfahrungen tief erschüttert wurden. Besonders schmerzhaft ist für sie zu sehen, dass Überlebende sexualisierter Gewalt durch Ausgrenzung, Schweigen oder fehlende Unterstützung oft erneut leiden. Dennoch spricht aus Cynthias Worten Hoffnung und Entschlossenheit

 

Ich träume von einer Welt, in der alle Frauen sicher leben können – und unsere Rechte geachtet werden. Ich träume auch davon, dass die psychische Gesundheit von Frauen und Mädchen priorisiert wird. Unser emotionales Wohlbefinden ist wichtig, Leiden soll nicht versteckt werden müssen, und um Hilfe zu bitten, muss immer sicher und möglich sein.
Cynthia Matildes

Sie ist dabei inspiriert von vielen Kolleginnen, mit denen sie zusammengearbeitet hat: „Sie erinnern mich daran, dass unser Wirken als Frauen nicht immer sichtbar ist, aber tiefgreifend und transformativ.”

 

Veränderung beginnt mit Wissen und Respekt 

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Portrait von Judith Elavian
Für Judith Elavian beginnt gute Versorgung mit Wissen, Haltung und Respekt.
© MSF

Judith Elavian aus Kenia arbeitet dort, wo Veränderung leise beginnt, aber langfristig wirkt: in der Ausbildung. Sie setzt sich dafür ein, dass medizinische Fachkräfte sich im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung fortbilden können. Denn für Judith beginnt gute Versorgung nicht erst im Behandlungsraum, sondern bei Wissen, Haltung und Respekt. 

 

Viele Frauen sind nach wie vor finanziell abhängig, leiden unter Stigmatisierung und haben nur begrenztes Bewusstsein für ihre Rechte. Mein Ziel ist es, durch Aufklärung und Sensibilisierung eine respektvolle Schwangerschaftsvorsorge zu fördern. Ich möchte sicherstellen, dass Frauen nicht nur Patientinnen, sondern aktive Partnerinnen in ihrer Gesundheitsversorgung sind.
Judith Elivian

Inspiration findet Judith bei Kolleginnen, die trotz eigener schwieriger Lebensumstände für ihre lokalen Gemeinschaften da sind, sowie bei jenen, die in komplexen Kontexten Verantwortung übernehmen. „Ihre Führungsstärke und ihr Mitgefühl erinnern mich daran, dass es bei humanitärer Arbeit nicht nur darum geht, auf Notfälle zu reagieren, sondern auch darum, Würde, Beharrlichkeit und Menschlichkeit zu wahren.“

 

Gesundheit darf kein Privileg sein 

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Portrait von Asma Aweis Abdullahi
Als Ärztin kennt Asma Aweis Abdullahi die tagtäglichen Herausforderungen ihrer Patientinnen.
© MSF

Asma Aweis Abdullahi, Ärztin aus Somalia, denkt in ihrer Arbeit immer wieder an Frauen, deren Probleme ungehört bleiben. Nicht, weil Hilfe unmöglich wäre, sondern wegen „Hindernissen beim Zugang zu Gesundheitsversorgung, mangelndem Bewusstsein, Stigmatisierung und fehlenden Ressourcen“. Besonders nah gehen ihr die Begegnungen mit Frauen, „die stillschweigend vermeidbare Schmerzen und Komplikationen ertragen haben“. Aus diesen Erfahrungen erwächst ihre Motivation: 

Mein Traum ist eine Welt, in der die Gesundheitsbedürfnisse von Frauen niemals vernachlässigt, heruntergespielt oder aufgeschoben werden. Eine Welt, in der Frauen sich gehört, geschützt und gestärkt fühlen und in der der Zugang zu medizinischer Versorgung als Recht und nicht als Privileg anerkannt wird. 
Asma Aweis Abdullahi

Deswegen setzt sie sich ein – und zwar für frühzeitige Versorgung, bessere Aufklärung und Gesundheitssysteme, in denen jede Frau mit Respekt behandelt wird. Kraft schöpft Asma aus der Zusammenarbeit mit anderen: „Bei meinem Job bin ich von Frauen umgeben, die in schwierigen Umgebungen führen, heilen, sich einsetzen und durchhalten Ihr Engagement erinnert mich täglich daran, dass Frauen Wandel voranbringen.“ 

 

Frauen tragen oft unsichtbare Lasten

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Portrait von Liya Jemal Debela
Die Psychologin Liya Jemal Debela kämpft dafür, dass mentale Gesundheit denselben Stellenwert erhält wie die körperliche.
© MSF

Liya Jemal Debela, Psychologin aus Äthiopien, spricht über das, was oft verborgen bleibt. „Eine der größten Herausforderungen ist, dass Frauen häufig unsichtbare Lasten tragen: In Krisensituationen sind sie gleichzeitig Betreuerinnen, Überlebende, Versorgerinnen und Beschützerinnen.“ Gerade deshalb bleibe ihr psychisches Leiden häufig unbeachtet. Liya träumt von einer Zukunft, „in der Frauen sich sicher fühlen, über Traumata, Depressionen und Gewalt zu sprechen, ohne stigmatisiert zu werden“, und in der die mentale Gesundheit denselben Stellenwert erhält wie die körperliche. 

Besonders wichtig ist ihr dabei die Solidarität untereinander: „Am meisten inspiriert es mich, wenn ich sehe, wie Frauen andere Frauen unterstützen, indem sie sie begleiten, ermutigen und ihnen Raum geben.

Ich träume davon, mich als Führungskraft weiterzuentwickeln und andere Frauen dabei zu unterstützen, mit Selbstvertrauen und Mut Führungsrollen zu übernehmen.
Liya Jemal Debela

 

Inmitten der Krise zählt Zuhören 

Risa Kikuchi, Hebamme aus Japan, arbeitet in Kontexten, in denen sichere Geburtshilfe keine Selbstverständlichkeit darstellt. Umso wichtiger ist für sie, ihre Patientinnen aufmerksam zu begleiten.

Mein Traum als Frau ist es, Mütter auf der ganzen Welt zu unterstützen, damit sie mit ihren Babys und Familien ein glückliches Leben führen können.
Risa Kikuchi

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Portrait von Risa Kikuchi
Risa Kikuchi unterstützt als Hebamme Frauen, damit sie ihre Kinder sicher zur Welt bringen können.
© MSF

Entscheidend geprägt wurde Risa durch eine Kollegin, der sie während eines Einsatzes im Jemen begegnete: Die leitende Krankenschwester Camille hatte selbst in den geschäftigsten Momenten immer ein offenes Ohr. Risa erinnert sich an „ihre Aufmerksamkeit, ihre Fähigkeit zuzuhören und ihre Akzeptanz gegenüber allen Menschen. Sie war selbst für die kleinsten Dinge dankbar, hatte die Fähigkeit, schnell Lösungen zu finden, und eine zurückhaltende Art, uns zu unterstützen." Für Risa zeigt sich darin eine Form von Stärke, die gerade in Krisen den größten Unterschied macht: „Camille ist genau die Art von Mensch, die ich werden möchte, wenn ich in diesem Bereich weiterarbeite.”

 

Gleichberechtigung ist tägliche Praxis

All diese Frauen erzählen von individuellen Geschichten und doch von denselben Kämpfen. Von Gewalt, Schweigen und entzogenem Recht auf Selbstbestimmung, aber auch von Fürsorge und Solidarität. Ob als Psychologinnen, Ärztinnen, Hebammen oder Krankenschwestern: Sie alle setzen sich dafür ein, dass Frauen respektiert werden und dass ihre Gesundheit sowie ihre Würde nicht zur Verhandlung stehen.

Die Arbeit unserer Kolleginnen zeigt: Gleichberechtigung ist kein abstraktes Ziel, sondern eine tägliche Praxis. Und sie macht deutlich, warum es so wichtig ist, Frauenrechte zu schützen, sichtbar zu machen und immer wieder neu einzufordern – heute und an jedem anderen Tag.