Welt-Tuberkulosetag: Kinder müssen endlich in den Fokus genommen werden!
Genf/Berlin, 20. März 2026. Tuberkulose ist vermeidbar und behandelbar – und dennoch stirbt alle drei Minuten ein Kind daran. Zum Welt-Tuberkulosetag am 24. März fordert Ärzte ohne Grenzen Regierungen und internationale Geber auf, Kinder in den Mittelpunkt ihrer Eindämmungsstrategien gegen Tuberkulose zu stellen. Viele Kinderleben könnten gerettet werden – auch dank neuer Diagnosemethoden.
Kinder sind nicht zuletzt deshalb besonders gefährdet, weil sie häufig erst viel zu spät eine Diagnose erhalten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht in ihrem Bericht davon aus, dass 2024 1,2 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren an Tuberkulose erkrankten, aber geschätzte 43 Prozent von ihnen keine Diagnose und entsprechend keine Behandlung erhielten. Noch schlechter sind die Zahlen für Kinder unter fünf Jahren – in dieser Gruppe erhielten geschätzte 50 Prozent keine Diagnose.
Die derzeitige Kombination aus Kürzungen internationaler Gelder für Tuberkulose-Programme und einer Rekordzahl von Vertriebenen in Ländern mit hohen Tuberkulose-Fallzahlen wird wahrscheinlich dazu führen, dass künftig noch mehr Kinder nicht diagnostiziert und nicht behandelt werden.
Die Programme zur Eindämmung von Tuberkulose sind sowieso unterfinanziert. Wenn jetzt die Versorgung aufgrund von Mittelkürzungen, Konflikten und Vertreibungen weiter eingeschränkt wird, werden Kinder noch weiter an den Rand gedrängt! Die Instrumente zur Diagnose und Behandlung von Kindern mit Tuberkulose sind vielleicht nicht perfekt, aber es gibt sie. Trotzdem bekommt nur die Hälfte der erkrankten Kinder eine Diagnose oder Behandlung.
Cathy Hewison, Leiterin der internationalen Tuberkulose-Arbeitsgruppe von Ärzte ohne Grenzen
Um die hohe Zahl der nicht behandelten Kinder zu senken, müssen Kinder endlich in den Fokus gerückt werden.
Trotz der schwierigen aktuellen Lage gibt es positive Entwicklungen, unter anderem durch innovative Diagnosemethoden. So macht es ein 2022 eingeführter WHO-Algorithmus möglich, Tuberkulose auf Basis klinischer Symptome zu diagnostizieren, auch wenn keine Labortests oder Röntgengeräte verfügbar sind. Ärzte ohne Grenzen hat die Wirksamkeit dieser Methode untersucht und in einer Studie für fünf afrikanische Länder (Guinea, Niger, Nigeria, Südsudan und Uganda) gezeigt, dass etwa doppelt so viele Kinder wie zuvor mit Tuberkulose diagnostiziert und behandelt werden konnten.
„Die Ergebnisse dieser Studie machen uns Hoffnung“, so die Ärztin Julia von Hake, die für Ärzte ohne Grenzen in mehreren Tuberkulose-Projekten gearbeitet hat. „Es ist wichtig, jetzt in diese neuen Methoden zu investieren, um möglichst vielen erkrankten Kindern eine Diagnose und damit auch eine lebensrettende Behandlung zu ermöglichen.“
TB: Alle 3 Minuten stirbt ein Kind – doch es gibt Hoffnung
Unsere Ärztin Julia von Hake berichtet in einem Blogbeitrag von ihren Erfahrungen.
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