Politische und wirtschaftliche Schwierigkeiten lösen Gesundheitskrise aus

Simbabwe

Zunehmende Arbeitslosigkeit, galoppierende Inflation, Nahrungsmittelengpässe und politische Instabilität haben 2007 dazu beigetragen, Simbabwe weiter in den Ruin zu treiben. Es wird geschätzt, dass bei einer Gesamtbevölkerung von zwölf Millionen Menschen etwa drei Millionen Simbabwer in den vergangenen Jahren in Nachbarländer geflohen sind. Das nationale Gesundheitssystem, das einst als eines der stärksten im südlichen Afrika galt, droht unter dem Gewicht dieser politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten zusammenzubrechen. Besonders dramatisch ist dies für die etwa 1,8 Millionen Simbabwer, die mit HIV/Aids leben. Zurzeit erhalten weniger als ein Viertel derjenigen, die dringend antiretrovirale Medikamente benötigen, diese lebensverlängernden Arzneimittel. So sterben durchschnittlich 3.000 Menschen wöchentlich an der Immunschwächekrankheit.

Die Aussichten für eine Ausweitung des nationalen Aidsprogramms sind dabei gering. Ausgebildetes medizinisches Personal verlässt das Land, das von der Regierung unterstützte HIV/Aids-Behandlungsprogramm ist überlaufen und der Mangel an antiretroviralen Medikamenten verhindert jegliche Ausweitung. Die Patienten müssen einiges auf sich nehmen, um die Krankenhäuser oder Kliniken zu erreichen, denn Benzin- und Transportkosten sind hoch.

Ausweitung der Aidsprogramme kaum möglich

Die Projekte von Ärzte ohne Grenzen in Bulawayo, Tshlothso, Gweru, Epworth sowie an verschiedenen Orten der Provinz Manicaland bieten 33.000 HIV/Aidspatienten kostenlose Behandlung. Rund 12.000 von ihnen erhalten antiretrovirale Medikamente. Das entspricht ungefähr einem Zehntel all der Menschen in Simbabwe, die in Behandlung sind. Allerdings kann Ärzte ohne Grenzen die Projekte nicht ausweiten. Es fehlen ausgebildete medizinische Fachkräfte. Darüber gibt es hohe Auflagen für die Verschreibung von antiretroviralen Medikamenten. Letztlich verhindern auch zunehmend strengere bürokratische Erfordernisse, dass mehr internationale Mitarbeiter im Land arbeiten können.

Parallel dazu spüren viele Simbabwer die gesundheitlichen Auswirkungen eines sich verschlechterten oder nichtexistenten Wasser- und Sanitärsystems. Im Verlauf des Jahres 2007 kam es zu mehreren Ausbrüchen von Durchfallerkrankungen in der Hauptstadt Harare sowie in Bulawayo, der zweitgrößten Stadt des Landes. Wer aus dem Land flieht, ist ebenso in Gefahr. Dies bezeugen Berichte von Flüchtlingen, die entlang der Grenze zu Südafrika geschlagen und vergewaltigt wurden. Diejenigen, die es bis ins Nachbarland schaffen, leben oft in den Slums, in denen es nur eine schlechte oder gar keine Gesundheitsversorgung gibt.