Zentralafrikanische Republik

Schlafkrankheit: Behandlung einer vernachlässigten Krankheit

Ärzte ohne Grenzen testet in dem Ort Mboki mehr als 4.500 Menschen auf die Schlafkrankheit. Für einen ersten Test entnehmen die Mitarbeiter Blut aus der Fingerkuppe.

Ein mobiles Team von Ärzte ohne Grenzen reist in abgelegene Dörfer im unsicheren Südosten der Zentralafrikanischen Republik, um dort Menschen mit der Schlafkrankheit ausfindig zu machen und zu behandeln.

Die elfjährige Natacha Minissale wirft sich in ihrem Krankenhausbett in einem Dorf in der Zentralafrikanischen Republik von Seite zu Seite, während ihre Eltern am Bettrand mit besorgtem Gesicht Wache halten. Ein Arzt und eine Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen bereiten die Behandlung des Mädchens auf die Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis) vor, eine Tropenkrankheit, bei der sich die Erreger im fortgeschrittenen Stadium im zentralen Nervensystem ausbreiten und die bei verspäteter Behandlung tödlich ist.

Natacha zeigte die ersten Symptome bereits vor drei Monaten, doch da bewaffnete Gruppen in der Gegend umherstreiften, war jede Reise gefährlich. Das hielt die Eltern davon ab, früher Hilfe zu suchen. Als ihr Zustand sich verschlechterte, erfuhren die Eltern vom Dorfältesten, dass sich im nahegelegenen Ort Mboki Mediziner von Ärzte ohne Grenzen aufhalten und dort Menschen mit der Schlafkrankheit behandeln: "Wir haben uns dann entschieden, es zu riskieren, und sind hierher gereist", sagt Natachas Vater.

Die Schlafkrankheit wird durch die Tsetse-Fliege übertragen und kommt hauptsächlich in Zentralafrika vor. Während der ersten Krankheitsphase haben die Betroffenen Fieber und sind schwach. Doch sobald der Parasit in das zentrale Nervensystem eingedrungen ist, ändern sich die Symptome. Die Erkrankten sind verwirrt, verlieren die Koordination, leiden an Schlafstörungen und Persönlichkeitsveränderungen. Die geistigen Fähigkeiten nehmen ab und die Patienten fallen früher oder später ins Koma - das ist dann der lange Schlaf, der der Krankheit ihren Namen gegeben hat.

Screening in abgelegenen Dörfern

Die mobilen Schlafkrankheitsteams von Ärzte ohne Grenzen haben Anfang Juli 18 Tage damit verbracht, die Menschen in Mboki in der Region Haut M'boumou auf diese Krankheit hin zu untersuchen und zu behandeln. In der Woche vor den Untersuchungen reisten Gesundheitsberater mit Unterstützung der Gemeinden durch die Region, klärten über die Krankheit auf und wiesen auf die kostenlosen Tests und Behandlungen hin.

Seit 2006 ist die Überwachung und Kontrolle der Schlafkrankheit im abgelegenen und schwer zugänglichen Südosten der Zentralafrikanischen Republik wegen grenzübergreifenden Angriffen der ugandischen Rebellengruppe der Lord's Resistance Army besonders erschwert.

Während der 18 Tage in Mboki untersuchte das Ärzte ohne Grenzen-Team 4.534 Menschen. Bei dreißig bestand der Verdacht auf die Krankheit und in sechs Fällen wurde sie bestätigt. Die zurzeit übliche Behandlung ist eine Nifurtimox-Eflornithine-Kombinationstherapie (NECT), die, wenn auch besser als frühere Behandlungen, nur schwer durchzuführen ist, da sie viele Injektionen und eine sorgfältige Überwachung des Patienten erfordert - Dinge, die in afrikanischen Ländern südlich der Sahara nur schwer umzusetzen sind.

Frühzeitige Behandlung rettet Leben

Zu den Menschen in Mboki, bei denen die Schlafkrankheit diagnostiziert wurde, gehört auch Marie Claire, eine junge Frau, die in den ersten Monaten schwanger ist. Zum Schutz ihres ungeborenen Kindes vor den schädlichen Arzneien wird die Behandlung erst im zweiten Trimester der Schwangerschaft aufgenommen. In der Zwischenzeit wird sie von den dauerhaft in Haut M'boumou stationierten Ärzte ohne Grenzen-Mitarbeitern streng überwacht. "Zurzeit geht es ihr gut, aber die Schlafkrankheit ist eine chronische Erkrankung und sie muss wöchentlich untersucht werden", sagt Brian d'Cruz, ein Arzt des mobilen Teams.

Marie Claire hatte Glück, dass die Diagnose gestellt wurde, bevor die Krankheit bleibende Schäden angerichtet hat. Für andere kommt die Behandlung allerdings zu spät. Leider starb Natacha zwei Tage nach ihrer Ankunft im Krankenhaus von Mboki.

Bessere Medikamente dringend benötigt

Die Spezialisten für die Schlafkrankheit von Ärzte ohne Grenzen arbeiten konzentriert daran, dass Todesopfer wie Natacha bald der Vergangenheit angehören und dass die Krankheit in Zentralafrika zurückgeht. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der gemeldeten Schlafkrankheitsfälle zurückgegangen und die Behandlungsmöglichkeiten haben sich verbessert. Eine große Hürde für die Ausrottung der Krankheit ist jedoch das Fehlen von leicht anzuwendenden Tests und oralen Medikamenten, die auch in abgelegenen Gegenden verwendet werden können - auch wenn gerade zwei orale Medikamente in der Entwicklung sind. Eine weitere Hürde besteht darin, dass es den nationalen Schlafkrankheitsprogrammen häufig an Personal und Mitteln fehlt.

Solange die Schlafkrankheit nicht endgültig besiegt ist, wird Ärzte ohne Grenzen sich für einen besseren Zugang zu einer qualifizierten Behandlung der Menschen einsetzen, die an dieser vernachlässigten, aber verheerenden Krankheit leiden.