Burkina Faso

Sahelzone: Malische Flüchtlinge fliehen in Panik - die Bedingungen in den Lagern sind verheerend und führen zu Erkrankungen

Wegen des Konflikts im Norden Malis kommt es immer noch zu massiven Fluchtbewegungen: So sind beispielsweise nach den jüngsten Militäraktionen rund 14.000 Menschen panikartig aus Timbuktu, Léré, Goundam, Larnab und Nianfuke geflohen. "Die jüngsten Entwicklungen in dem Konflikt lösen Panik bei den Menschen aus", erklärt Karl Nawezi, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Sie haben Angst, ins Kreuzfeuer zu geraten und laufen nur davon". Viele mussten ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen und sind anschließend tagelang auf der Flucht. Sie sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Doch in den Flüchtlingslagern der Region leben die Frauen, Männer und Kinder zum Teil unter katastrophalen Bedingungen.

Fast 67.000 malische Flüchtlinge haben zum Beispiel seit Januar die Grenzstadt Fassala in Mauretanien erreicht. Viele mussten in Lastwagen oder auf Eseln fliehen. "Die Menschen sind durstig und erschöpft, wenn sie an der Grenze ankommen", so Nawezi. Dort müssen sie zunächst in einem Transitlager warten und werden dann nach Mbera gebracht: ein abgelegenes Dorf in der Wüste, dreißig Kilometer von der malischen Grenze entfernt.

Sie bauen sich behelfsmäßige Zelte aus Strohmatten

In dem Flüchtlingslager in Mbera reicht die Zahl der Zelte aber bis heute nicht aus: Die Familien versammeln sich unter halboffenen Planen, die ihnen keinen Schutz vor der Witterung bieten. Einige bauen sich selbst behelfsmäßige Zelte aus Strohmatten und Stoffstücken, um sich vor den Sand- und Staubstürmen zu schützen. "Die schlechten Bedingungen in den Lagern verursachen Krankheiten wie Durchfall, Atemwegs- und Hautinfektionen", so Nawezi.

Die Kinder brauchen Nahrung

Jedes fünfte Kind (17 Prozent) ist bei der Ankunft in Mbera mangelernährt - das hatte eine Untersuchung der Ernährungslage in Mbera im November 2012 gezeigt. Fast fünf Prozent der Mädchen und Jungen litten damals an schwerer Mangelernährung. Ärzte ohne Grenzen hat die Nothilfe ausgeweitet, um die Mädchen und Jungen zu behandeln und weitere Fälle schwerer Mangelernährung zu verhindern. "Die Kinder müssen geimpft und vor Malaria geschützt werden", so Nawezi. "Und sie brauchen Nahrung, die ihren Bedürfnissen entspricht".

Ärzte ohne Grenzen hat deswegen in der Region Ernährungszentren eingerichtet. Diese haben insgesamt bereits 1.000 kleine Patienten aufgenommen. Sie erhalten eine spezielle Milch und nährstoffreiche therapeutische Nahrung. Weil mangelernährte Kinder besonders anfällig für Krankheiten wie Masern, Malaria und Durchfall sind, müssen sie intensiv beobachtet und betreut werden.

Ärzte ohne Grenzen versorgt malische Flüchtlinge in acht Flüchtlingslagern

Insgesamt leben nach Schätzungen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen rund 150.000 malische Flüchtlinge in Lagern in den Nachbarländern. Neben Mauretanien (Mbera) sind diese auch in Burkina Faso (Ferrerio, Dibissi, Ngatourou-niénié und Gandafabou) und in Niger (Abala, Mangaize und Ayorou). Ärzte ohne Grenzen ist seit März 2012 in allen acht Flüchtlingslagern aktiv. Die Teams leisten Basisgesundheitsversorgung, bieten Schwangerschaftsvorsorge und Geburtshilfe an und behandeln Mangelernährung. Darüber hinaus impft Ärzte ohne Grenzen Kinder zwischen sechs Monaten und 15 Jahren gegen Masern und betreut sie medizinisch. Seit Beginn des Jahres haben die Teams rund 12.000 Konsultationen und 5.000 Impfungen durchgeführt.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet im Norden Malis derzeit in Timbuktu, Gao, Ansongo, Douentza, Konna und Mopti und versorgt malische Flüchtlinge in den Nachbarländern Burkina Faso, Mauretanien und Niger. Zudem leitet die Organisation seit 2009 ein Kinderkrankenhaus in Koutiala im Süden Malis. Ärzte ohne Grenzen verwendet keinerlei öffentliche Gelder für die Aktivitäten in Mali und finanziert diese ausschließlich aus privaten Spenden. Die Organisation ist seit 1992 in Mali aktiv.