Demokratische Republik Kongo

Nach erneuten Gewaltangriffen sind 17.000 Menschen auf der Flucht

Mindestens 17.000 Menschen befinden sich nach erneuten Angriffen der Rebellenorganisation Lord's Resistance Army (LRA) im nordöstlichen Teil der Demokratischen Republik Kongo auf der Flucht. Die Vertriebenen suchen Schutz in den nahe gelegenen Wäldern und sind vollkommen auf sich gestellt. Wenn sich die Sicherheitslage nicht verbessert, bleibt ein Hilfseinsatz für die Menschen unmöglich. Auch ein nahegelegenes Schlafkrankheitsprojekt von Ärzte ohne Grenzen könnte durch die Überfälle zum wiederholten Male gefährdet werden.

Gewaltvolle Übergriffe der Lord's Resistance Army verbreiten in der Provinz Haut Uele, im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, Angst und Schrecken. Ortschaften im Norden, nahe der Grenze zum Sudan gelegen, wurden als erste angegriffen. In Kiliwa und Duru entführten die Rebellen am 20. September 90 Kinder. Seitdem hat es zahlreiche weitere bewaffnete Überfälle durch die LRA gegeben: Sie hinterlassen eine Spur der Verwüstung, die sich von Dungu im Norden bis in das 120 Kilometer entfernte Bangadi zieht. Nach einem Bericht des Büros für Humanitäre Angelegenheiten haben die Überfälle die Vertreibung von mindestens 17.000 Personen verursacht.

Ärzte ohne Grenzen betreut derzeit ein Schlafkrankheitsprojekt in Banda, 60 Kilometer westlich von Bangadi. Das Projekt musste im Laufe des Jahres bereits zwei Mal aufgrund der prekären Sicherheitslage evakuiert werden. Kurz nach dem erneuten Ausbruch der Gewalt wurde das Team in Banda von einem höheren lokalen Beamten in Bangadi kontaktiert.

Er berichtete von der plötzlichen Ankunft einer großen Zahl von Vertriebenen, betonte ihren dringenden Bedarf an Gesundheitsversorgung und bat Ärzte ohne Grenzen inständig, so rasch wie möglich Hilfe zu leisten. Das Team konnte sich zunächst nur bei einem Besuch vor Ort vom 25. bis 30. September ein Bild der Lage machen. Die Mitarbeiter stellten fest, dass schnelle Hilfe dringend notwendig ist, da weitere Gruppen von Vertriebenen auf dem Weg nach Bangadi waren. Die ersten Ankömmlinge - mehrere hundert Personen - wurden dort in einer stillgelegten Baumwollfabrik notdürftig untergebracht: Die Menschen schliefen auf dem nackten Boden und bekamen keine weitere Unterstützung.

Hilfseinsatz gefährdet

"Da solche Überfälle ohne Widerstand seitens der Behörden andauern, wird die Zahl der Vertriebenen sehr wahrscheinlich noch massiv zunehmen", befürchtet Laurence Gaubert, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in der D.R. Kongo." "Sollte sich die Lage nicht rasch verbessern, wird es uns nicht möglich sein, den Menschen beizustehen, was bedeuten würde, dass Tausende Menschen ohne jegliche Hilfe auskommen müssten", empört sich Gaubert. Auch das Schlafkrankheitsprojekt in der Region könnte wieder gefährdet sein, wenn die Überfälle in der Region anhalten. Gaubert fügt noch hinzu: "Für Sicherheit zu sorgen ist nicht Aufgabe der Hilfswerke. Dafür gibt es andere Akteure und die sollten ihren Auftrag unverzüglich wahrnehmen!"