Südsudan

Mitarbeiterporträt Matti Forster, Logistiker

Der Logistiker Matti Forster wartet einen Generator zur Stromerzeugung.

Alter:

39

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Mechaniker an der Technischen Universität Berlin

Ausbildung:

Als gelernter Feinmechaniker habe ich mich später zum Techniker Maschinenbau weitergebildet.

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2011 für neun Monate als Technischer Logistiker in Nasir/Südsudan

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Die „Chroniken von Narnia“ in der englischen Ausgabe

Musik, die ich gehört habe:

Querbeet, von Klassik über Pop bis hin zu Punk, Ska und Crossover - ganz nach Stimmungslage

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ärzte ohne Grenzen betreibt in Nasir das einzige noch funktionierende Krankenhaus in der Gegend mit etwa 200 Betten. Mein Aufgabenbereich war die technische Logistik. Die Abteilung Logistik hatte ca. 30 Mitarbeiter. Wir waren verantwortlich für die Gebäudeinstandsetzung, für Neubauten, Wasserversorgung und -aufbereitung, Müllentsorgung, Stromversorgung sowie Fahrzeug- und Bootswartung.

Den Strom bezogen wir von zwei 8 KW-Generatoren, da es in Nasir weder Strom- noch Wasserversorgung gibt. Ärzte ohne Grenzen bereitet ca. 70.000 Liter Wasser pro Tag auf. Wobei wir einen Teil davon an einer Wasserstelle außerhalb des Krankenhauses der Bevölkerung zur Verfügung gestellt haben. Morgens um 8 Uhr fand als Erstes das Logistik-Meeting statt, um die Arbeit für den Tag abzustimmen. Danach habe ich meistens eine Rundgang gemacht, Kleinreparaturen ausgeführt und den Generator kontrolliert. Punkt 10 Uhr habe ich dann die Sicherheitssituation und ein paar allgemeine Informationen per Funk in das Büro in der Hauptstadt gemeldet. Danach ging das normale Tagsgeschäft los, wobei nie so richtig klar war, wie der Tag verlaufen wird. Wenn wir Material aus der Logistikbasis bekommen haben, bin ich mit ca. zehn Leuten zum Flugfeld gefahren, um alles zu verladen, das Flugzeug abzufertigen und die eine Tonne Medikamente, Nahrungsmittel und technisches Material ins Krankenhaus zu transportieren. Zudem musste die Trinkwasserqualität ständig kontrolliert werden und auch die Elektrik bedurfte regelmäßiger Zuwendung wie gelegentliche Reparaturen und Neuinstallationen.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Die Freizeitangebote waren nicht besonders üppig. Spaziergänge im Ort, ein Marktbesuch oder ich bin in einer der ortsüblichen Trinkbuden etwas trinken gegangen. Nach Feierabend habe ich oft mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen gesessen oder mir einen Film angesehen. Die Gespräche mit den sudanesischen Kolleginnen und Kollegen habe ich besonders geschätzt, weil man dabei doch einiges über das Land lernen konnte. Da ist mir auch klar geworden, wie wenig wir in Europa eigentlich über den Sudan und vielleicht sogar ganz Afrika wissen. Die neun Monate in Nasir habe ich auch genutzt, um mein Englisch zu verbessern. Zwischendurch habe ich noch ein wenig Grammatik geübt.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Den Kontakt und die Zusammenarbeit mit den einheimischen Mitarbeitern

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Freunde und der Luxus des unerschöpflichen Freizeitangebots. Von gutem Essen habe ich auch gelegentlich geträumt, wobei schon ein belegtes Brot wie Weinachten und Ostern zusammen gewesen wäre.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Im Moment ist es für mich schwierig Pläne zu machen. Erst mal muss ich wieder in meinem Beruf Fuß fassen, will aber auf jeden Fall noch mal einen Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen machen.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Eine schwierige Frage bei den vielen Erinnerungen. Einmal als am Anfang der Regenzeit die Technik langsam aber sicher nach und nach versagt hatte, war ich in großer Sorge, da ich mir nicht sicher war, wie lange die Wasserversorgung noch funktionieren würde. Durch einen Zufall habe ich dann eine funktionierende Wasserpumpe auf dem praktisch leeren Markt gefunden und war sehr erleichtert.