Demokratische Republik Kongo

Mitarbeiterporträt Elisabeth Groß, Finanz- und Personaladministrator

Elisabeth Groß während ihrer Arbeit im Projekt.

Alter:

36

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Transparency International Sekretariat in Berlin

Ausbildung:

Soziologie-Studium

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2012/13 für neun Monate in der Demokratischen Republik Kongo

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

"Dancing in the Glory of Monsters" von Jason Stearns und "Die Stunde der Rebellen" von Lieve Joris. Beide handeln von den verschiedenen Kriegen im Ostkongo.

Musik, die ich gehört habe:

Vier Hits, denen man vor Ort nie und nirgends entkommen konnte. Ansonsten Willy de Ville, Blondie, Nouvelle Vague, Gaëtan Roussel, äthiopischen und schwedischen Jazz ...

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Das Projekt hatte ca. 70 nationale Mitarbeiter und unterstützte ein Krankenhaus, drei Gesundheitszentren und zwei Cholera Behandlungszentren. Der logistische Bereich des Projektes war dreigeteilt, das heißt ich war ausschließlich für Administration, Finanzen und den Haushalt zuständig. Und das wiederum hieß vor allem früh aufstehen. Um 6 Uhr fuhren unsere Teams regelmäßig mit den Jeeps los, wobei ich letzte Kleinigkeiten organisieren musste.

Sobald ich wach war, wurden mir eigentlich auch schon Fragen gestellt: Wächter wollen Neugeborene registrieren oder haben Fragen zu ihrem Lohnzettel, Köchinnen wollen Optionen fürs Mittagessen besprechen, irgendwer sucht irgendeinen Schlüssel etc. Um 7:30 Uhr hat sich dann das Team der internationalen Mitarbeiter getroffen, um den Tag zu besprechen und um 8 Uhr war ich im Büro - meistens bis um 18:00 Uhr. Erste Tagesaufgabe war es, mit den Köchinnen das Menü und Einkaufszettel zu besprechen, entsprechend Geld dafür auszuhändigen und das vom Vortag abzurechnen. Danach ging es meistens um Arbeitsverträge, Einstellungsverfahren für unser Projekt und für unser Schwesterprojekt in Kimbi, Buchhaltung und allerhand administrativer Kleinkram.

Eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war den Lohn für die Mitarbeiter des Krankenhauses und der Gesundheitszentren zu berechnen, mit allen zuständigen Akteuren zu besprechen und dafür zu sorgen, dass das Geld rechtzeitig ankommt. Weil es in Baraka keine Bank gab und wir viele Ausgaben hatten, inklusive vier Mal im Monat Gehälter, habe ich ziemlich oft Geld gezählt und mit Geldwechslern zu tun gehabt. Einer war nebenher Fischhändler, der andere hat Benzin verkauft - dementsprechend hat das Geld leider auch gerochen. Am Abend habe ich dann den Vorratsschrank gecheckt und Wünsche der Kollegen eingeholt, um Essenslieferung aus der regionalen Hauptstadt zu planen und um für die Menüplanung am nächsten Morgen gewappnet zu sein. Falls nötig bin ich noch mal mit dem Fahrer los, um Getränke zu kaufen.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Wir haben viel gebacken und gegrillt. Abends haben wir Filme angeschaut und sonntags sind wir mit dem Boot raus, um im Tanganjikasee zu baden und die Ruhe zu genießen. Manchmal sind wir zu einer anderen Organisation gegangen, die hatten ein Volleyballnetz, eine Tischtennisplatte und einen Fernseher (Europameisterschaft!). Es gab auch ein paar Bars, in die wir gehen konnten, und einen Markt.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die Zusammenarbeit im Team. Dass unsere Personalpolitik und Einstellungsverfahren von der lokalen Zivilgesellschaft und nationalen Mitarbeitern als fair und transparent gelobt wurden.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Tomaten-Mozzarella, selber Autofahren, mal einen Ausflug zu machen oder spazieren zu gehen, ohne 30 Kinder im Schlepptau. Natürlich auch Familie und Freunde. Zwei meiner Freundinnen haben geheiratet, während ich im Projekt war, und eine andere hat ihr erstes Kind gekriegt. Das zu verpassen war schade.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ein zweites Projekt mit Ärzte ohne Grenzen, diesmal im Südsudan.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Käsefondue bei 35 Grad im Schatten. Die Kinder sonntags an der Bootsanlegestelle, die unsere Namen kannten und uns schon von weitem begrüßt haben. Die Gespräche mit den Kapitänen. Die Begeisterung der nationalen Mitarbeiter, den Englischkurs zu besuchen und alles Gelernte gleich auszuprobieren.