Meningitis in Afrika: Impfstoffmangel ist ständige Gefahr

Der Impfstoff gegen Meningitis braucht einer durchgehende Kühlkette bis zum Verbrauch: eine logistische Herausforderung für Impfkampagnen wie hier im Norden Ugandas.

Einen bezahlbaren Meningitis-Impfstoff, der auch den recht seltenen Meningokokken-Stamm W135 bekämpft, gibt es noch nicht lange. Bis 2002 waren die meisten Meningitis-Epidemien in Afrika durch den Typ A ausgelöst worden. In jenem Jahr aber erkrankten 13.000 Menschen in Burkina Faso an Hirnhautentzündung, die durch den W135-Typ verursacht wurde, 1.500 Menschen starben daran.

Auf Drängen von Ärzte ohne Grenzen und Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Internationalen Föderation der Rot-Kreuz- und Roter-Halbmond-Gesellschaften (IFRC), dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und internationalen Geldgebern entwickelte die US-Pharmafirma GlaxoSmithKline (GSK) einen neuen Impfstoff und produzierte ihn zu einem Preis von etwa einem Euro pro Dosis.

Ärzte ohne Grenzen setzte sich zudem dafür ein, institutionelle und private Spenden zu sammeln, um sechs Millionen Dosen des neuen Produktes zu bestellen und auf Vorrat einzulagern. Derzeit stehen knapp 5,7 Millionen Dosen dieses Vorrats zum Einsatz in Afrika zur Verfügung. Die Regierungen der von Meningitis betroffenen Staaten können den Impfstoff bei einem internationalen Koordinierungsgremium bestellen. Das Gremium besteht aus Vertretern von Ärzte ohne Grenzen, IFRC, UNICEF und der WHO und regelt den sinnvollen Einsatz des Impfstoffes.

Zwar steht für die derzeitige Impfkampagne im Tschad genug Impfstoff zur Verfügung. Doch die verbleibenden 5,7 Millionen Dosen des neuen Medikamentes könnten nicht ausreichen, wenn eine große Epidemie ausbricht, die entweder mehrere afrikanische Staaten oder ein bevölkerungsreiches Land wie Nigeria betrifft. Da die Produktion des Impfstoffes sechs Monate dauert, muss die Situation genau beobachtet werden, damit GlaxoSmithKline rechtzeitig mit der Produktion von genügend zusätzlichem Impfstoff beginnen kann - möglichst auf dem selben Preisniveau.

Langfristig ist es unumgänglich, einen so genannten konjugierten Impfstoff zu entwickeln, der alle in Afrika vorkommenden Meningokokken-Stämme, einschließlich des Typs W135, abdeckt. Ein solcher verfeinerter, breitenwirksamer Impfstoff sollte auch einen länger anhaltenden Impfschutz gegen die Bakterien bieten. Es ist sehr Besorgnis erregend, dass derzeit keinerlei Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu einem solchen konjugierten Impfstoff betrieben wird.