Demokratische Republik Kongo

"Manchmal verrät uns der Regen, der auf die Plastikplanen fällt" - Hunderttausende fliehen im Osten des Landes vor andauernden Angriffen

Der 14-jährige Bahati wurde bei einem Angriff auf sein Dorf verletzt und wird im Krankenhaus von Kirotshe in Nord-Kivu behandelt.

Der Osten der Demokratischen Republik Kongo ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Das bedeutet für die Menschen, die dort leben, aber nicht, dass die Kämpfe vorbei sind. Hunderttausende Menschen in Nord- und Südkivu im Osten des Landes leider weiterhin unter der Gewalt und sind erneut geflohen. Die unsichere Lage und der erbärmliche Zustand der Strassen erschweren es, die Menschen zu erreichen. Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Vertriebenen.

Die Menschen, die gewaltsam aus den Dörfern in der Region Kalembe in Nordkivu vertrieben wurden, verstecken sich seit zwei Monaten in den Wäldern. Sie sind vor den Männern geflohen, die die Dörfer unter Waffengewalt plündern. Es gibt in dem Gebiet zahlreiche Berichte über sexuelle Gewalt.

"Wir verstecken uns jede Nacht im Busch", sagt eine Frau. "Manchmal verrät uns jedoch der Regen, der auf die Plastikplanen fällt, so dass die Männer uns auch dort finden."

Anfang März wurde auf der Fahrt zwischen den Städten Kashuga und Kalembe ein Auto von Ärzte ohne Grenzen beschossen und ausgeraubt. Die Organisation hat die Fahrten daraufhin bis Mitte April eingeschränkt. Die Mitarbeiter haben je nach Sicherheitslage die Unterstützung für die Menschen in Kalembe wieder aufgenommen. In der letzten Zeit ist es z.B. aus Sicherheitsgründen nicht möglich, von Kalembe in den nördlich gelegenen Ort Pinga zu fahren, in dem 25.000 Vertriebene Hilfe benötigen.

40 Patienten im Cholerazentrum

Etwa 1.200 Familien sind im letzten Monat in die Stadt Kashuga geflohen und leben dort mit den 1.500 Familien, die bereits zuvor in der Stadt Zuflucht gesucht haben. Die Stadt war im vergangenen Jahr nach heftigen Kämpfen komplett verwaist. Mittlerweile hat sich die Situation stabilisiert, die Menschen haben aber nur begrenzt Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen. Außerdem fürchten sie, dass die neu ankommenden Menschen die bewaffneten Gruppen anlocken.

Durchfallerkrankungen einschließlich Cholera nehmen in der Region zu. Ärzte ohne Grenzen hat in der vergangenen Woche 40 Patienten im Cholerazentrum behandelt. Jeden Tag kommen vier bis fünf neue Patienten. Die Organisation unterstützt das Gesundheitszentrum in Kashuga und baut für die Neuankömmlinge Latrinen - der Bedarf ist immens.

Vom langen Marsch erschöpft

Die Bevölkerung der rund dreißig Kilometer von Kashuga entfernten Orte Kivuye und Nyange sind nach Kämpfen zwischen der Armee und den Rebellen in die Stadt Mpati geflohen. 2.500 Familien sind dort derzeit untergekommen. Es mangelt an Wasser, Nahrung und Latrinen. Viele alte Menschen, Schwangere und Kinder sind von dem langen Marsch erschöpft. Sie haben keine Kraft mehr, in die größeren Städte weiter südlich zu gehen.

Ärzte ohne Grenzen führt in Mpati mobile Kliniken durch und verteilte Decken, Plastikplanen und Wasserkanister an 800 Familien. Die bewaffneten Gruppen halten sich in der Nähe auf und verbieten den Menschen, die Lager zu verlassen und damit auch ihre Felder zu bestellen. Dadurch vergrößert sich die Nahrungsmittelknappheit weiter.

Es gibt in dem Gebiet noch weitere Orte mit Vertriebenen, die Ärzte ohne Grenzen wegen der ungenügenden Sicherheit nicht erreichen kann.

Brennende Dörfern, Vergewaltigungen und Zwangsarbeit

Mehr als 100.000 Menschen sind in den letzten drei Monaten in Südkivu auf der Flucht, nachdem die Kämpfe zwischen den bewaffneten Gruppen zugenommen haben. In den Städten Shabunda und Lulingu wird von Vergewaltigungen, brennenden Dörfern, Plünderungen und Zwangsarbeit für die bewaffneten Gruppen berichtet. Die meisten Vertriebenen leben bei Gastfamilien in Shabunda und Lulingu, doch die Bedürfnisse der Menschen können durch vorhandene Mittel nicht mehr gedeckt werden.

Ärzte ohne Grenzen richtet zurzeit ein neues Projekt ein, das sich auf die Behandlung von Opfern sexueller Gewalt konzentriert. Die Organisation unterstützt drei Gesundheitszentren und die Ernährungsstation des Krankenhauses in der Region, in der derzeit 71.000 Menschen versorgt werden.