Pakistan: Tote und Vertriebene nach heftigen Kämpfen im Nordwesten

Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2008

Vertriebene in Balakot

Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und regierungsfeindlichen Milizen in der an Afghanistan grenzenden pakistanischen Nord-West-Provinz und den Federally Administered Tribal Areas haben im Jahr 2008 zugenommen. Luftangriffe des US-Militärs in der Region haben die Unsicherheit zusätzlich erhöht. Im August wurden Tausende Pakistani innerhalb ihres Landes vertrieben oder flohen auf der Suche nach Sicherheit ins benachbarte Afghanistan. Gleichzeitig begann die pakistanische Armee, vor allem in der Region Bajaur Agency, afghanische Flüchtlinge wegen angeblicher Verbindungen zu militanten Gruppen zu vertreiben.

Im Laufe des Jahres wurden in den Regionen Bajaur Agency, Swat und Mohmand Hunderte Menschen bei Selbstmordanschlägen, Luftangriffen oder Schießereien getötet. Ärzte ohne Grenzen hat Tausende Menschen mit Decken, Matten, Planen, Hygieneartikeln und Nahrungsmitteln versorgt. Die Organisation hat auch ihre Grundversorgungsprogramme angepasst, um auf den starken Anstieg der Zahl der Gewaltopfer zu reagieren: Die Teams haben medizinisches Material zur Behandlung von Kriegsverletzten verteilt und Patienten an Krankenhäuser überwiesen.

Als lokale Gesundheitszentren aus Angst vor Gewaltausschreitungen begannen, ihre Pforten zu schließen, hat Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit einheimischem Gesundheitspersonal mobile Kliniken eröffnet und einen Transportservice mit einem deutlich gekennzeichneten Rettungswagen eingerichtet. Der Krankenwagen durfte als einziges Fahrzeug während der vielen vom Militär verhängten Ausgangssperren unterwegs sein und transportierte in fünf Monaten 700 Patienten.

Die Sicherheit für die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen ist in der Region ein immer größeres Problem. Angriffe auf humanitäre Helfer sind eine reale und zunehmende Bedrohung. Der Krankenwagen von Ärzte ohne Grenzen wurde bereits angegriffen, und die Teams mussten regelmäßig Schutz vor Kämpfen suchen.