Myanmar (Birma): Tausende sterben jährlich an HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose

Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2008

Überlebende des Zyklons Nargis

Der Zyklon Nargis und seine verheerenden Folgen beherrschten nach dem 2. Mai 2008 die internationalen Schlagzeilen: Der Sturm zerstörte das Irrawaddy-Delta und forderte schätzungsweise 130.000 Menschenleben. Die Naturkatastrophe war aber nur der jüngste Schicksalsschlag eines von der Außenwelt weitestgehend vergessenen Landes. Myanmar wird seit 1962 von einem Militärregime regiert. Die staatlichen Gesundheitsausgaben betrugen 2007 gerade einmal 0,70 US-Dollar pro Person, das waren 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die internationale humanitäre Hilfe lag bei etwa 3 US-Dollar pro Person, dem niedrigsten Pro-Kopf-Wert weltweit. Jedes Jahr sterben Tausende Birmesen an HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria.

Nargis erzeugte eine Welle der internationalen Hilfsbereitschaft. Teams von Ärzte ohne Grenzen begannen binnen 48 Stunden nach dem Zyklon mit der Notfallversorgung in den am schlimmsten betroffenen Gebieten der größten Stadt Rangun und des Irrawaddy-Deltas. Seitdem haben etwa 750 Mitarbeiter über eine halbe Million Menschen versorgt. Sie stellten Lebensmittel, Unterkünfte, Trinkwasser und andere Hilfsgüter bereit und kümmerten sich um die medizinische und psychosoziale Versorgung. Der überwiegende Teil dieser Hilfen ist dem unermüdlichen Einsatz der einheimischen Mitarbeiter zu verdanken, da das Regime noch Wochen nach der Katastrophe ausländischen Hilfskräften die Visa verweigerte. Mittlerweile konnte Ärzte ohne Grenzen viele seiner Programme an andere Organisationen übergeben.

Im Gegensatz zu den Anstrengungen der birmanischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft nach dem Zyklons Nargis werden andere medizinische Bedürfnisse weiterhin ignoriert. Allein an HIV/Aids sind im Jahr 2007 25.000 Birmesen gestorben. Schätzungsweise 75.000 benötigen dringend eine antiretrovirale Therapie (ARV), aber weniger als 20 Prozent davon werden tatsächlich behandelt. Ärzte ohne Grenzen versorgt derzeit rund 11.000 Menschen mit ARV. Das sind rund 80 Prozent aller Behandelten. Doch HIV/Aids ist nur ein Beispiel aus einer ganzen Reihe von Krankheiten, die Myanmars Gesundheitsstatistiken zu den beunruhigendsten Südostasiens machen. Malaria ist Todesursache Nummer eins: In Myanmar sterben jährlich so viele an Malaria wie im gesamten Rest Südostasiens zusammen. Darüber hinaus gibt es jährlich über 80.000 Tuberkulose-Neuerkrankungen, eine der höchsten Raten weltweit. Dabei nimmt die multiresistente Tuberkulose zu.