Mangelernährung: Millionen Kinder erhalten keine lebensrettende Therapie

Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2008

Hilfe für mangelernährte Kinder

Aufstände rund um die Welt riefen Anfang 2008 weltweit die Auswirkungen steigender Nahrungsmittelpreise in Ländern wie Haiti, Bangladesch und die Elfenbeinküste ins Bewusstsein. Mangelernährung bei Kindern ist weniger sichtbar als diese Aufstände, hat aber dramatische und tödliche Auswirkungen. Während im Kampf gegen den Hunger vor allem der Zugang zu ausreichend Nahrungsmitteln wesentlich ist, erfordert die erfolgreiche Bekämpfung von Mangelernährung qualitativ hochwertige Nahrung. Für mangelernährte Kleinkinder sind nährstoff-, vitamin- und mineralstoffreiche Nahrungsmittel lebensnotwendig.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass weltweit 178 Millionen Kinder an Mangelernährung leiden. Besonders am Horn von Afrika, in der Sahelzone und im südlichen Asien können sich viele Familien keine reichhaltigen Nahrungsmittel mit tierischem Eiweiß (Milch, Fleisch, Eier) leisten. Kleine Kinder brauchen aber genau diese für ihre Entwicklung.

Bei Millionen Kindern, die internationale Nahrungsmittelhilfe bekommen, können die Ernährungsprogramme die lebensbedrohliche Mangelernährung nicht verhindern. Denn die Hilfsprogramme benutzen Nahrungsmittel mit einem Nährwert, der für die Behandlung mangelernährter Kinder ungeeignet ist. Mais-Soja-Gemische entsprechen nicht den Ernährungsansprüchen von Kindern zwischen 6 und 24 Monaten. Ärzte ohne Grenzen setzt sich deshalb dafür ein, dass Regierungen und internationale Organisationen kindgerechte Nahrungsmittel mit hohem Nährwert, wie gebrauchsfertige therapeutische Nahrungsmittel, einsetzen.

Weltweit leiden 20 Millionen Kinder an schwerer akuter Mangelernährung. Jährlich sterben bis zu fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren an Komplikationen im Zusammenhang mit Mangelernährung. Dennoch erhalten kaum mehr als sieben Prozent dieser Kinder die von den Vereinten Nationen (UN) empfohlene Therapie mit reichhaltigen therapeutischen Nahrungsmitteln. Ärzte ohne Grenzen und andere Hilfsorganisationen konnten in den vergangenen Jahren zeigen, dass schwer mangelernährte Kinder sich schnell erholen können, wenn sie über kurze Zeit therapeutische Nahrungsmittel erhalten. Allein in den vergangenen zwei Jahren hat Ärzte ohne Grenzen in 22 Ländern mehr als 300.000 mangelernährte Kinder behandelt.