Somali-Region / Äthiopien: Dringender Bedarf an Hilfe

Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2008

Abdi, der mit seiner Familie in der Somali-Region lebt, hatte acht Kinder. Sechs von ihnen sind an den Folgen von Mangelernährung gestorben. Sein Sohn Hussein, den er zum Friedhof trägt, war zwei Jahre alt.

Anhaltende Gewalt und schwierige klimatische Bedingungen machten das Leben für die Menschen in der krisengeschüttelten Somali-Region in Äthiopien in diesem Jahr zum Überlebenskampf. Die größtenteils nomadische Bevölkerung ist gefangen zwischen Rebellengruppen und Regierungstruppen und mehr denn je von medizinischer Mindestversorgung und humanitärer Hilfe ausgeschlossen.

Die Einfuhr von Gütern in die Region birgt Gefahren und unterliegt Restriktionen, so dass es viel weniger Nahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs als zuvor auf den lokalen Märkten gibt. Wegen extrem hoher Preise sind Grundnahrungsmittel außerdem größtenteils unerschwinglich geworden. Gleichzeitig hat sich in bestimmten Gebieten die Situation der nomadischen Bevölkerung stark verschlechtert. Die Menschen erlebten, wie ihre Ernten, Nahrungsvorräte, Weideplätze und ihr Viehbestand durch Dürre und Konflikt zerstört wurden. Manche von ihnen wurden Opfer von Gewalt.

Im Mai 2008 hat Ärzte ohne Grenzen in Teilen der Somali-Region eine beunruhigende Zahl mangelernährter Menschen vorgefunden. Die Teams diagnostizierten außerdem Durchfallerkrankungen, urologische Krankheiten und Augeninfektionen - alles Indikatoren für eine nicht ausreichende Wasser- und Sanitärversorgung.

In der Stadt Wardher, im Osten der Somali-Region, sahen die Mitarbeiter in den Außenbezirken der Stadt Tausende Nomadenhirten mit ihren Herden auf der Suche nach Nahrung, Wasser und ärztlicher Versorgung. Die Ernährungsprogramme von Ärzte ohne Grenzen in Wardher und in Degahbur zählten in den vergangenen Monaten immer mehr schwer mangelernährte Kinder. Allein seit Anfang Dezember waren es rund 1.000.

Hilfe zu leisten, ist in der Somali-Region schwierig. Hilfsorganisationen unterliegen einigen Restriktionen und können sich nicht immer frei bewegen. Ärzte ohne Grenzen schätzt, dass in einigen Teilen der Region drei Viertel der Menschen keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Auf die Ernährungskrise in den Regionen Oromiya und Southern Nations and Nationalities People Region (SNNP) konnten die Teams aber angemessen reagieren: Von Mai bis September haben hier Mitarbeiter mehr als 28.000 schwer mangelernährte Patienten und 21.000 mäßig mangelernährte Patienten behandelt. Im Juli hat Ärzte ohne Grenzen gezielt Nahrungsmittel an 12.500 Menschen verteilt, bei denen das Risiko von Mangelernährung bestand.