Prekäre Lage in Konfliktzonen

Kolumbien

Der Jahrzehnte anhaltende Bürgerkrieg in Kolumbien, hauptsächlich angeheizt durch den Kampf um die Kontrolle über den Drogenhandel, schafft es zwar öfters in die Schlagzeilen der Weltpresse. Dennoch spielen die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung des Landes dabei eher eine untergeordnete Rolle. Die alarmierende Zahl von 3,8 Millionen Menschen, die aufgrund der Gewalt ihre Häuser verlassen mussten, setzt Kolumbien hinsichtlich der Zahl der intern Vertriebenen an die dritte Stelle weltweit, übertroffen nur noch durch den Sudan und die Demokratische Republik Kongo.

Die Gewalt geht von den um die territoriale Hoheit kämpfenden Regierungstruppen, paramilitärischen Einheiten und Rebellen aus. Bewaffnete Gruppen haben rund die Hälfte aller ländlichen Gebiete Kolumbiens im Würgegriff. Durch Straßensperren schneiden sie die Zivilbevölkerung von der medizinischen Versorgung ab, Kinder werden für die Milizen zwangsrekrutiert, und jeder, der sich der Zusammenarbeit mit dem Gegner verdächtig macht, wird kaltblütig ermordet. Doch auch seitens der staatlichen Truppen werden viele Zivilisten als potenzielle Kollaborateure angesehen und sind demzufolge zahlreichen Repressionen ausgesetzt. In ihrer Verzweiflung bleibt vielen Familien deshalb nur die Flucht in städtische Slums, wo sie mittellos ankommen und auf der Suche nach Arbeit und Unterkunft in ähnliche bedrohliche Situationen geraten wie die, denen sie entfliehen wollten.

Rückkehr in die Heimatorte nicht möglich

Das neue "Heim" sind übervölkerte Hütten mit ungenügender hygienischer Ausstattung. Die schlechten Lebensbedingungen führen häufig zu Atemwegs- und Durchfallerkrankungen, doch ist medizinische Betreuung meist nicht gegeben. Andererseits hatten bisher nur wenige der intern Vertriebenen die Möglichkeit, sicher in ihre alte Heimat zurückzukehren. Ärzte ohne Grenzen ist in 13 der 32 Departments in Kolumbien präsent, darunter mit mobilen und stationären Kliniken in isolierten ländlichen Gebieten, jedoch auch in städtischen Bezirken, die Fluchtpunkte der Landbevölkerung sind. Die Teams von Ärzten und Gesundheitshelfern leisten eine vielseitige medizinische Betreuung von Schutzimpfungen bis zu Notdiensten und bieten Gewaltopfern psychologische Hilfe an. Der Bürgerkrieg in Kolumbien, der bewaffnete Gruppierungen im Kampf um die Vorherrschaft im Land immer wieder Zivilisten ins Visier nehmen läßt, tritt bereits in sein sechstes Jahrzehnt, und nur noch wenige Kolumbianer können sich an eine Zeit erinnern, in der Gewehre und Terror nicht das tägliche Leben bestimmt hätten.