Uganda

Junge Ärztin hilft in Afrika

Katja Hilgenstock

Wenn in Kriegsgebieten oder nach Naturkatastrophen das Leben vieler Menschen bedroht ist, leistet sie medizinische Nothilfe: Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" ist derzeit in 70 Ländern aktiv. Am Dienstag sprach Dr. Katja Hilgenstock in Weißenhorn über ihre Erfahrungen.

AMREI GROSS

WEISSENHORN Sie versorgen Flüchtlinge, kämpfen gegen Epidemien und bieten medizinische Nothilfe in Kriegs- und Krisengebieten: Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" hat rund 3800 Mitglieder in aller Welt und derzeit 350 Projekte. Sie kann auf mehr als 20 000 Mitarbeiter in den jeweiligen Einsatzgebieten zurückgreifen. Dank einer ausgefeilten Logistik ist es der Organisation möglich, innerhalb kürzester Zeit große Mengen an Medikamenten in ein Krisen- oder Katastrophengebiet im Ausland zu liefern.

Dr. Katja Hilgenstock war zwei Jahre für "Ärzte ohne Grenzen" in Afrika im Einsatz. Die Tätigkeit war ihr nicht ganz unbekannt, denn schon im Verlauf ihres Medizinstudiums hatte sie während eines Auslandsaufenthaltes für die Organisation gearbeitet. "Ich war sehr angetan", erinnerte sich die Ärztin am Dienstag bei einem Vortrag im Schwesternheim des Weißenhorner Stiftungsklinikums.

Die Konsequenz aus dem Auslandsaufenthalt: Nach den erforderlichen 18 Monaten als "Arzt im Praktikum" bewarb sich die damals 31-Jährige 2004 in der deutschen Zentrale von "Ärzte ohne Grenzen" in Berlin. Wenig später stand ihr erster Einsatz auf dem Programm: Katja Hilgenstock reiste für neun Monate in das Rebellengebiet im Norden Ugandas. "Dort starben täglich unglaublich viele Kinder", berichtete sie am Dienstag. "Dagegen mussten wir etwas tun."

Mit vielen Bildern veranschaulichte sie ihren Zuhörern sowohl die Situation vor Ort als auch die Arbeit der Organisation "Ärzte ohne Grenzen": Es wurden ein Ernährungszentrum für unter- und fehlernährte Kinder aufgebaut und mobile Kliniken für die Betreuung von Flüchtlingen und die Ausgabe von Medikamenten organisiert. In Kirchen und Schulen und notfalls unter freiem Himmel versorgte das Team zahlreiche Patienten an ihren jeweiligen Heimatorten. Die litten fast immer an Krankheiten, die in Europa ohne Probleme behandelt werden könnten, in Afrika allerdings viel zu oft zum Tode führen: Durchfall, Lungenentzündung, Malaria.

"Reich wird man nicht"

Zu den Helfern, die "Ärzte ohne Grenzen" aus aller Welt in den Krisengebieten der Welt einsetzt, kommen nationale Teammitglieder. "Das sind sehr gut ausgebildete Leute, die hoch motiviert sind und ihren Landsleuten helfen wollen", lobt Hilgenstock ihre damaligen Kollegen. Diese Helfer fragten nicht als erstes nach der Bezahlung, sondern danach, was zu tun ist - um dann energisch mit anzupacken.

Dass sich der Einsatz lohnt, wurde der jungen Ärztin trotz aller Schwierigkeiten und Gefahren immer wieder deutlich, so zum Beispiel, wenn völlig unterernährte Kinder nach einigen Wochen mit ihren Betreuern ausgelassen Fußball spielen konnten: "Dann weiß man, warum man diese Arbeit macht." Reich werde man dabei nicht.

Nach neun Monaten in Afrika wieder zurück in Deutschland, fiel es ihr schwer, sich wieder an Alltag zu gewöhnen. Der Einkauf im Supermarkt beispielsweise wurde zur Herausforderung: "Die Vielfalt des Angebots hat mich fertiggemacht. Bald habe es sie wieder nach Afrika gezogen, wieder mit "Ärzte ohne Grenzen". Im Kongo war sie 15 Monate lang Leiterin eines Teams, das Aids-Kranke versorgte. Für dieses Engagement wurde sie 2006 von der Techniker Krankenkasse als "Ärztin des Jahres" ausgezeichnet.

Bis heute ist Katja Hilgenstock eng mit "Ärzte ohne Grenzen" verbunden. Derzeit macht sie ihre Facharztausbildung zur Chirurgin in der Abteilung für Unfall-, Wiederherstellungschirurgie und Orthopädie in der Stiftungsklinik in Weißenhorn. Mit dieser Qualifikation könne sie in ihrem Jahresurlaub "kürzere Einsätze übernehmen".

Allen, die selbst bei "Ärzte ohne Grenzen" mitarbeiten wollen, kann sie nur eines empfehlen: "Bewerbt euch." Jeder könne einen Beitrag leisten, ob als medizinischer Mitarbeiter oder in den Bereichen Logistik und Finanzen. Voraussetzung seien lediglich eine abgeschlossene Ausbildung, zwei Jahre Erfahrung im Beruf, gute Englischkenntnisse und die Bereitschaft, unter instabilen Bedingungen zu arbeiten.