Jahresrückblick 2014: Europa

Ärzte ohne Grenzen untersuchte fast 20.000 Menschen, die auf dem gefährlichen Seeweg Sizilien erreichten. (Stand: September 2014)

Die Zahl der Menschen, die vor dem Krieg in Syrien, dem Chaos in Libyen und anderen Krisen nach Europa flüchten, steigt weiter. Doch während die Konflikte weltweit zunehmen, schließt die EU ihre Grenzen für Flüchtlinge. Viele versuchen daher auf dem gefährlichen Seeweg nach Europa zu kommen, um Schutz zu finden. Ein Jahr nach dem verheerenden Schiffsunglück mit mehreren hundert Toten vor der italienischen Insel Lampedusa fordert Ärzte ohne Grenzen im Oktober 2014 die Fortsetzung der umfassenden Seenotrettung im Mittelmeer durch die Europäische Union. Ärzte ohne Grenzen ist u.a. in den beiden sizilianischen Hafenstädten Augusta und Pozzallo tätig. Zwischen Januar und August 2014 betreuen die Teams der Organisation in Pozzallo fast 19.000 Menschen medizinisch und psychologisch, die bei insgesamt 64 Bootslandungen ankommen. Sie stellen fest, dass immer mehr ihrer Patienten besonders verletzlichen Bevölkerungsgruppen angehören: Opfer von Gewalt und Folter, behinderte Menschen, Schwangere und Kinder. Im August 2014 eröffnet Ärzte ohne Grenzen in Augusta eine Klinik, in der von fast 600 ambulanten Patienten mehr als 70 Personen berichten, Opfer von Gewalt geworden zu sein. Außerdem beklagt die Organisation das nicht funktionierende Aufnahmesystem und die unmenschlichen Lebensbedingungen für tausende Flüchtlinge, die auf den griechischen Ägais-Inseln ankommen.