Demokratische Republik Kongo

"Ich war sehr verängstigt, ich war gefangen zwischen Leben und Tod" - Ende des Cholera-Einsatzes in Katanga - ein ehemaliger Patient berichtet

Ärzte ohne Grenzen hat seit Jahresbeginn 4.691 Patienten in der Provinz Katanga im Südosten der Demokratischen Republik Kongo gegen Cholera behandelt. Da die Zahl der Patienten in den vergangenen Wochen stark abnahm, hat Ärzte ohne Grenzen am 25. April 2008 die Leitung der Zentren in Lubumbashi und Likasi an die kongolesischen Gesundheitsbehörden abgegeben. Jean* hatte Cholera. Fünf Tage lang wurde er im Cholera-Zentrum im Viertel Katuba in Lubumbashi behandelt. Dann konnte er gesund zu seiner Familie zurückkehren. Jean hat zugestimmt, von seiner Krankheit zu erzählen, aber darum gebeten, anonym zu bleiben. In seiner Gemeinde ist es eine Schande, Cholera zu haben. "Es begann alles am vergangenen Mittwoch um 22 Uhr. Mein Magen fühlte sich seltsam an und ich hatte Durchfall. Meine Frau sagte, dass dies vom Gemüse komme, das ich gegessen hatte. Ich habe mir keine Sorgen gemacht. Aber am nächsten Morgen wurde es schlimmer. Ich nahm Antibiotika. Ohne Wirkung. Als wir das als ein schlechtes Zeichen erkannten, sahen wir uns nach einer Transportmöglichkeit zum Cholera-Zentrum von Ärzte ohne Grenzen um. Ich fühlte mich sehr schwach, ich bin sogar bewusstlos geworden ...

Ich fühlte mich besser. Am nächsten Abend ging es mir wieder schlechter

Ärzte ohne Grenzen hat sich schnell um mich gekümmert, und ich blieb zur Beobachtung im Zentrum. Das medizinische Personal gab mir einen Tag Flüssigkeiten gegen die Dehydrierung. Ich fühlte mich besser. Aber am nächsten Abend um sieben Uhr ging es mir wieder schlechter. Dann bekam ich andere Flüssigkeiten: Sechs Mal in der Nacht und noch sechs Mal am Morgen. Ich musste das machen, bis ich mich erholte. Heute Morgen wurde ich in den Genesungsraum verlegt. Ich fühle mich besser, und mein Körper sammelt wieder Kräfte.

In Katuba bekommen wir unser Wasser vom öffentlichen Wasserverteilungsbetrieb, aber häufig wird es knapp. Darum muss meine Frau Wasser aus dem Brunnen holen. Aber es gibt Probleme mit der Hygiene. Die Straßen sind wie ein großer Müllabladeplatz. Auf meiner Straße können sie nicht einfach mit einem Auto fahren. Es ist nicht einmal mehr eine Straße, seit all der Abfall dorthin geworfen wird. Wenn es regnet, wird der ganze Müll in die Brunnen gespült. Um die Brunnen herum kann man Menschen beobachten, die warten bis der Abfall gesunken ist, bevor sie das Wasser hochziehen.

Heute ist meine einzige Angst, wieder Cholera zu bekommen

Heute bin ich geheilt. Ich habe meine Frau angerufen, und sie will mir Kleidung bringen. Dann werde ich das Zentrum verlassen können. Ich war so verängstigt, ich war gefangen zwischen Leben und Tod. Sie können nicht verstehen, wie sich Cholera anfühlt, wenn sie sie nicht gehabt haben. Diese Krankheit tötet. Heute ist meine einzige Angst, sie wieder zu bekommen."

Seit Januar haben Teams von Ärzte ohne Grenzen zuerst in den Städten Lubumbashi und Likasi, die von einem schweren Ausbruch betroffen waren, Menschen gegen Cholera behandelt. "Als die Epidemie begann, mobilisierten wir innerhalb von 48 Stunden 20 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen", sagt Bertrand Perrochet, Koordinator des Notfalleinsatzes im Kongo. "Wir haben in Lubumbashi unsere Behandlungskapazitäten für Patienten im Kenia-Krankenhaus verstärkt und ein Behandlungszentrum im Viertel Katuba eröffnet sowie ein weiteres in Likasi gebaut. Die Stadt Likasi liegt zwei Stunden von Lubumbashi entfernt. Aus ihr wurde eine bedenkliche Anzahl von Patienten gemeldet."

Betroffen waren vor allem die Ärmsten

"Es war eine katastrophale Situation, die abermals die Ärmsten in Katanga getroffen hat, einer Provinz, die für ihre reichen Minen bekannt ist", so Perrochet. Cholera ist als eine 'Krankheit der Armen' bekannt. Sie breitet sich in Gegenden aus, in denen sauberes Trinkwasser knapp ist und Menschen gezwungen sind, unter einfachsten hygienischen Bedingungen zu leben. Während des Ausbruchs in der Region bekamen die sozial benachteiligten Menschen die Folgen fehlender Gesundheitsinfrastruktur am meisten zu spüren. Sie infizierten sich mit der schweren, schmerzhaften Durchfall-Erkrankung. Mindestens 150 Menschen starben.

Auf dem Höhepunkt des Ausbruches in der ersten Februarwoche sind 800 Menschen gegen Cholera behandelt worden. Ende März ist die Zahl der Patienten deutlich gesunken und Ärzte ohne Grenzen beschloss, die Arbeit in den Behandlungs-Zentren in Katuba und Likasi zu beenden. Das Kenia-Krankenhaus setzte die Arbeit unter Leitung von Ärzte ohne Grenzen zunächst fort und wurde am 25. April übergeben. Gegenwärtig sind rund ein halbes Dutzend Patienten im Zentrum.

Der Notfalleinsatz ist beendet, aber die Hauptursachen bleiben

"Unser Team reagiert auf Notfälle im ganzen Land, daher ist es für uns an der Zeit, unsere Aktivitäten an das Personal des Gesundheitsministeriums zu übergeben. Wir haben die gesamte Dauer der Intervention zusammen gearbeitet", sagt Perrochet.

Für Ärzte ohne Grenzen ist der Notfalleinsatz beendet, aber die Hauptursachen des Ausbruchs bleiben. Weder der Zugang zu Wasser noch die Hygienebedingungen haben sich für die ärmsten Einwohner von Katanga gebessert.

*Der Name wurde geändert.