HIV/Aids: Europas Handelspolitik gefährdet Behandlungserfolge

Ärzte ohne Grenzen protestiert in Brüssel gegen das Freihandelsabkommen mit der EU: Klauseln zur Datenexklusivität drohen, den Zugang zu kostengünstigen Generika zur Behandlung von HIV/Aids zu erschweren.

Unterstützen Sie unsere Kampagne " Europa - Hände weg von unseren Medikamenten!"

Am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, hörte man in den Straßen von Bangkok über Brüssel, Neu Delhi bis nach Nairobi den Ruf "Europa - Hände weg von unseren Medikamenten!". Immer mehr Menschen schließen sich der gleichnamigen Kampagne von Ärzte ohne Grenzen an, um mitzuhelfen, den Zugang zu kostengünstigen Medikamenten für Patienten in ärmeren Ländern zu erhalten.

Ärzte ohne Grenzen und andere Behandelnde sind auf solch erschwingliche Medikamente - die hauptsächlich in Indien produziert werden - angewiesen, um Patienten mit HIV/Aids, aber auch mit Tuberkulose, Malaria oder anderen Infektionskrankheiten in einigen der ärmsten Gegenden der Welt behandeln zu können.

Jeden Tag sehen unsere Mitarbeiter, wie die Aids-Behandlung das Leben der Menschen, die sie behandeln, verändert: Die Patienten entgehen dem sicheren Tod und leben stattdessen ein gesundes, erfülltes Leben mit ihren Familien. Die Behandlung von Aids hilft außerdem zu verhindern, dass sich das Virus von der Mutter auf das Kind überträgt. Und neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Behandlung auch eine wirksame Form der Prävention ist: Sie senkt die sexuelle Übertragungsrate drastisch.

Derzeit steht weniger als die Hälfte der gebrauchten Geldern bereit

Mehr als fünf Millionen HIV/Aids-Patienten in ärmeren Ländern sind heute dank dieser Behandlungsmöglichkeiten noch am Leben. Doch geringe Finanzierungszusagen und teurere Medikamente gefährden die künftige Behandlung von HIV/Aids in ärmeren Ländern.

Die Zusagen internationaler Geber für die Behandlung von Aids liegen deutlich unter der benötigten Geldmenge. Derzeit steht weniger als die Hälfte der gebrauchten Geldern bereit. Wenn die Finanzierung weiter stagniert, gibt es wenig Aussicht, dass alle Menschen, die eine Behandlung benötigen, diese auch bekommen.

Gleichzeitig steigen die Preise für Aids-Medikamente rapide, weil reiche Länder politisch aktiv werden, um die Generika-Produktion in ärmeren Ländern zu behindern und so die Konkurrenz für ihre eigenen Industrien klein zu halten. Europa beispielsweise setzt sich derzeit für ein Freihandelsabkommen mit Indien ein, das die Produktion erschwinglicher Generika von neueren Medikamenten bis zu zehn Jahre verzögern könnte. Innerhalb der Europäischen Union gehört die deutsche Regierung zu den treibenden Kräften hinter diesem Versuch, die Interessen der Pharmaindustrie über das Leben von Patienten zu stellen.

Zugang zu günstigen generischen Versionen neuer Medikamente gefährdet

Setzen sich EU und Bundesregierung durch, steht der Zugang zu kostengünstigen generischen Versionen neuer Medikamente zur Bekämpfung von HIV/Aids auf dem Spiel.

Derzeit stammen mehr als 80 Prozent der Aids-Medikamente, die mit internationalen Geldern finanziert werden, von Generika-Produzenten in Indien. Auch 80 Prozent der Aids-Medikamente, mit denen Ärzte ohne Grenzen 160.000 Patienten behandelt, kommen aus der so genannten "Apotheke der Armen".

Unterstützen Sie unsere Aktion gegen den Vorstoß der EU. Besuchen Sie https://action.msf.org/de und senden Sie eine Email an den EU-Handelskommissar Karel de Gucht, in der Sie ihn auffordern, diese Politik zu beenden.

Helfen Sie uns, dass die fünf Millionen Menschen, die den diesjährigen Welt-Aids-Tag nur dank erschwinglicher Aids-Medikamente feiern konnten, ihre Behandlung auch weiterhin erhalten können - und dass sich das Leben der zehn Millionen Menschen, die noch auf ihre Behandlung warten, ebenfalls ändern kann.