Tschad

Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene bei zunehmend angespannter Sicherheitslage

Sudanesische Frauen im Gesundheitszentrum des Flüchtlingslagers in Touloum.

Seit Mitte 2006 kommt es zunehmend zu Vertreibungen und Kämpfen im Osten des Tschad: Regierungstruppen und tschadische Rebellen kämpfen gegeneinander und die tschadische Zivilbevölkerung ist zwischen ihre Fronten geraten. Im Grenzgebiet zum Sudan kam es außerdem wiederholt zu grenzüberschreitenden Übergriffen. Etwa 170.000 Menschen sind inzwischen vertrieben.

Unter schwierigen, aber mittlerweile einigermaßen stabilen Bedingungen leben 220.000 Flüchtlinge aus dem angrenzenden Darfur in insgesamt zwölf Flüchtlingslagern. Auch sie benötigen weiterhin dringend humanitäre Hilfe.
Im Süden des Landes hilft Ärzte ohne Grenzen Flüchtlingen aus der Zentralafrikanischen Republik und unterhält dort seit 2003 ein Malaria Projekt.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1981 im Tschad tätig. Derzeit sind dort 100 internationale und über 800 einheimische Helfer im Einsatz.

Medizinische Hilfe für Vertriebene im Osten des Tschad

Im Osten des Tschad hat sich die Zahl der Vertriebenen dramatisch von 40.000 im Mai 2006 auf 170.000 im Juni 2007 erhöht. Anhaltende Gewalt zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und wiederholte Übergriffe bewaffneter Banden und Rebellen zwingt die Menschen, Zuflucht und Schutz in notdürftig entstandenen Lagern zu suchen. Diese liegen in der Umgebung von Goz Beida, Kerfi, Adé, Koukou, Am Timan, Am Dam und Dogdoré. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen berichten von Überfällen und Plünderungen in den grenznahen Dörfern.

Nur notdürftig geschützt, ohne ausreichend Nahrung, Wasser, mit nur sehr begrenzten Zugang zu medizinischer Versorgung, wurden die Vertriebenen dennoch lange von internationalen Hilfsorganisationen vernachlässigt. Die Menschen sind schwer traumatisiert und leben in permanenter Angst vor weiteren Übergriffen und Vertreibungen. Seit Beginn 2007 verschlechterte sich die prekäre Gesundheits- und Hygienesituation in den Vertriebenenlagern und führte zwischen April und Juni 2007 zu Ausbrüchen von Durchfallerkrankungen. Dazu kommt eine besorgniserregende Zahl an Kindern mit Unterernährung, besonders betroffen sind kleine Kinder unter fünf Jahren.

In dieser angespannten Umgebung leistet Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe für 25.000 tschadische Vertriebene um Hadjer Hadid, sowie mittlerweile 90.000 tschadische Vertriebene in der Region um Goz Beida. Die Helfer versorgen die Menschen mit Wasser und leisten auch psychologische Hilfe. Es wurden Plastikplanen, Decken und Seife verteilt und sanitäre Anlagen gebaut. Als schnelle Reaktion auf die Unterernährung in den Lagern entwickelten die Teams Ernährungsprogramme, und bauten die Kapazitäten für eine stationäre Aufnahme von unterernährten Kindern aus. Darüber hinaus wurden Kinder zur Vorbeugung von Epidemien gegen Masern geimpft.

Hilfe für Darfur-Flüchtlinge geht weiter

Seit 2003 sind 220.000 Menschen vor den Kämpfen in Darfur in den Ost-Tschad geflohen. Bisher sind sie nicht direkt von den interethnischen gewaltsamen Auseinandersetzungen des letzten Jahres in der Umgebung betroffen. Dennoch leben die Männer, Frauen und Kinder in ständiger Angst, sie könnten ebenfalls Ziel von Angriffen werden oder zur Rückkehr in den Sudan gezwungen werden. Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Hilfe und psychologische Unterstützung für rund 100.000 Flüchtlinge in den Lagern von Iridimi, Touloum, Guereda, Farchana und Breidjing sowie für die tschadische Bevölkerung vor Ort. Die Teams behandeln auch die Folgen sexueller Gewalt und Unterernährung. Sie leisten gesundheitliche Aufklärungsarbeit und verhindern die Ausbreitung übertragbarer Krankheiten.

Im Krankenhaus des grenznahen Ortes Adré steht unter anderem ein OP-Team bereit, um Bewohner der Stadt, Flüchtlinge aus den umliegenden Lagern und bei Kämpfen Verletzte chirurgisch zu versorgen. Ein weiteres Team versorgt Patienten im Krankenhaus von Iriba und behandelt Flüchtlinge. Um im Falle eines neuen Aufflammens der Kämpfe vorbereitet zu sein, hat Ärzte ohne Grenzen die chirurgische Infrastruktur im Krankenhaus der Provinzhauptstadt Abéché verbessert und hält dort medizinische Vorräte bereit.

Kampf gegen Malaria

Im Bezirk Bongor, an der Grenze zu Kamerun, betreibt Ärzte ohne Grenzen ein Malariaprojekt. Im Jahr 2003, als das Team dort mit dem Projekt begann, gab es eine sehr hohe Rate an Malariaerkrankungen mit hoher Resistenz gegen die allgemein üblichen Medikamente. Hinzu kam, dass kaum Gesundheitspersonal vor Ort zu finden war. Die Region ist häufig überflutet und somit haben viele Menschen über lange Zeiträume keine Möglichkeiten medizinische Hilfe zu erreichen.

Ärzte ohne Grenzen startete mit einer Malariatherapie, die zwei schnell- und hochwirksame Medikamente beinhaltet und schult die örtliche Bevölkerung in der Behandlung. Zwischen Juli 2006 und Juni 2007 wurden 83.500 Malariakranke behandelt, was ein Viertel aller im ganzen Land behandelten Fälle entspricht. Im Bezirkskrankenhaus von Bongor schult Ärzte ohne Grenzen einheimische Ärzte in der Chirurgie und Krankenschwestern in Anästhesie. Das dortige Team steht bei Bedarf jederzeit für Notfalleinsätze in der Hauptstadt N'Djamena oder im übrigen Tschad zur Verfügung.

Unterstützung für Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik

Seit Juni 2005 hat die zunehmende Gewalt in der benachbarten Zentralafrikanischen Republik etwa 45.000 Dorfbewohner zur Flucht in den südlichen Tschad gezwungen. Angriffe im Norden der Zentralafrikanischen Republik, bei denen ganze Dörfer niedergebrannt und Berichten zufolge Hunderte von Menschen getötet wurden, haben massive Flüchtlingsbewegungen ausgelöst - und das in einer Region, in der extreme Armut herrscht und nur wenig staatliche oder internationale Hilfe ankommt.

Ärzte ohne Grenzen hilft den Betroffenen in Goré im Süden des Tschad, wo viele Flüchtlinge Schutz gesucht haben. Hier unterstützt das Team das 50-Betten-Krankenhaus, in dem sowohl Flüchtlinge als auch die ansässige Bevölkerung versorgt werden. Ärzte ohne Grenzen führt außerdem ganzjährig epidemiologische Untersuchungen durch und hilft im Notfall landesweit bei der Krankheitsbekämpfung, etwa beim Ausbruch von Masern, Cholera oder Meningitis. Im Mai 2006 wurden mehr als 50.000 Menschen gegen Meningitis geimpft.