Niger

Hilfe für die ärmsten Kinder der Welt

Katrin Hasselmann während ihres Einsatzes.

Als Krankenschwester möchte Katrin Hasselmann (35) Leben retten, den Menschen etwas gutes tun. Deshalb ging sie für die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" nach Niger. Was sie dort sah, wird sie nie vergessen...
Angefangen hat alles mit einem Buch. Darin spielt ein Mädchen die Hauptrolle, das gegen den Wunsch der Eltern Krankenschwester wird und später in Bolivien armen Bergbauern hilft. Als Katrin Hasselmann diese Geschichte las, stand für sie fest, dass auch sie für andere Menschen da sein will. Damals war sie 14...

"Dürre vernichtet die Ernte"

Rund 20 Jahre später erfüllte sich ihr Jugendtraum: Im September 2005 reist die Krankenschwester und Sozialpädagogin aus Hamburg für "Ärzte ohne Grenzen" nach Niger in Afrika. Das damals ärmste Land der Welt steht vor einer Hungerskatastrophe: Tausende Familien haben kaum etwas zu essen, weil Dürre und Heuschrecken große Teile der Ernte vernichtet haben. "Ich habe schlimmes befürchtet", sagt sie. "Und kam bei meiner Ankunft in dem Land aus dem Staunen erst einmal nicht heraus." In der Hauptstadt Niamey geht alles ganz gemächlich zu, keine Spur von Hektik oder unterernährten Kindern. Auf der Fahrt zur südlichen Provinz Zinder sieht sie in allen Städten und Dörfern Märkte, wo Getreide, Gemüse, oder Früchtre verkauft werden. "Ich hatte etwas ganz anderes erwartet!"

"Eine richtige Dusche - das war Luxus"

Doch als sie in Tanout am Rande der Ténére-Wüste ankommt, ändert sich das Bild: Das "Ärzte ohne Grenzen"-Team kümmert sich um mehr als 700 schwer unterernährte Kinder, 90 werden stationär betreut. "Ich habe mich zuerst kaum getraut, diese kleinen ausgemergelten Körper anzufassen, sie wirkten so zerbrechlich", erinnert sich Katrin Hasselmann.

Alles ist gut organisiert - trotzdem hat sie anfangs Probleme: Die Hitze tagsüber macht ihr zu schaffen, auch die Nächte bringen mit mehr als 30 Grad kaum eine Abkühlung. Ihr Zimmer teilt sie sich mit einer Italienerin. "Es war ein Durchgangsraum. Dusche und Toilette waren nebenan und beides war sehr begehrt." Sie überlegt kurz. "Andererseits war es eine riesige Überraschung, dass es überhaupt eine Dusche mit richtigem Duschkopf und fließendem Wasser gab..."

Am Tag rennt sie hin und her, organisiert Dienstpläne, verwaltet die Apotheke. Und sieht immer wieder, wie auch Erwachsene um Hilfe bitten. "Sie konnten sich die staatlichen Behandlungen nicht leisten. Also kamen sie zu uns, wenn sie Tuberkulose oder Magenschmerzen hatten. Doch wir konnten sie nicht behandeln, weil wir auf Unterernährung spezialisiert waren."

 

"80 Prozent leiden unter Malaria"

Ende September kommt zu der Hungerkatastrophe auch noch eine Malaria-Epidemie. "Es war schrecklich. Fast 80 Prozent der Kinder litten unter Malaria. Wir mussten etwas tun." Alle Kinder, die bei ihnen in Behandlung waren, wurden getestet. Alleine an einem einzigen Tag nimmt Katrin Hasselmann 378 Kindern Blut ab. Nicht immer gewinnen die Ärzte und Krankenschwestern den Kampf ums überleben. Das weiß auch Katrin- Umso schöner ist für sie der Moment, in dem sie merkt, dass es mit einem Kind bergauf geht. "Darauf arbeitest du hin!" Trotzdem weiß sie: "Über die Jahre gesehen ist unsere Arbeit wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber wer die Kinder morgens sieht, schiebt jeden Zweifel beiseite.

Die Frau vom 25.11.2008