Haiti

Haiti: Die Wochen nach dem Schock

Haiti: Die Wochen nach dem Schock
Am 12. Januar erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7.0 Haiti.

Zurück bleibt eine zerstörte Stadt: In Port-au-Prince ist ein großer Teil der Gebäude eingestürzt.

Unzählige Menschen liegen unter Trümmern begraben.

Die traurige Bilanz der Katastrophe: mehr als 200.000 Tote und 300.000 Verletzte. Eine Million Menschen haben ihr Zuhause verloren.

Wenige Stunden nach dem Beben behandeln die Teams von Ärzte ohne Grenzen bereits Hunderte Verletzte – da alle Einrichtungen beschädigt sind, werden die Behandlungen auf der Straße durchgeführt.

Im Krankenhaus La Trinité sind Patienten und Personal unter den Trümmern des dreistöckigen Gebäudes verschüttet.

Benitot Revolus, einer der verschütteten Patienten, kann nach drei Tagen lebend geborgen werden.

Die Patienten werden unter Planen behandelt. Die Menschen haben Angst, sich in Gebäuden aufzuhalten.

Auch Notfalloperationen werden in den ersten Tagen im Freien durchgeführt.

Die Hilfe konzentriert sich zunächst auf jene Orte, an denen Ärzte ohne Grenzen bereits vor dem Beben gearbeitet hatte.

Der Bedarf an orthopädischer und Traumachirurgie ist enorm.

Die dringendsten Fälle werden zuerst behandelt – viele andere Patienten müssen warten. Die Teams arbeiten rund um die Uhr.

Die Behandlung von infizierten Wunden ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Zwei Tage nach dem Erdbeben hat Ärzte ohne Grenzen bereits 1.000 Schwerverletzte behandelt.

Viele Tonnen Hilfsmaterial werden auf den Weg nach Haiti geschickt.

Ärzte ohne Grenzen installiert ein aufblasbares Krankenhaus mit 100 Betten und zwei Operationssälen, um mehr Patienten behandeln zu können.

Eine Ärztin erklärt dem kleinen Jerry und seiner Mutter, dass für sein Überleben die Amputation seines Beines notwendig ist. Sie macht ihm Mut, dass er mit einer Prothese trotzdem laufen und spielen können wird.

Wo immer es möglich ist, werden verletzte Gliedmaßen gerettet - eine Amputation ist nur der letzte Ausweg, wenn anders die Gefahr für das Leben des Patienten zu groß ist.

Starke Muskelverletzungen wie sie in Erdbebensituationen häufig vorkommen, können zu Nierenversagen und zum Tod führen. Mithilfe von Dialysen kann Patienten mit dem sogenannten „Crush-Symptom“ geholfen werden.

Doch nicht nur Verletzte brauchen Behandlung: Ärzte ohne Grenzen führt auch dringende Routine-Operationen wie Kaiserschnitte durch.

Zunehmend steigt der Bedarf an post-operativen Behandlungen. Auch Komplikationen infolge der unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten in den ersten chaotischen Tagen bedürfen der Nachsorge.

Für die Genesung nach einer schweren Operation oder Verletzung ist eine intensive Physiotherapie notwendig.

Nach dem Chaos der ersten Tage entsendet Ärzte ohne Grenzen mobile Teams, um unbehandelte Verletzte ausfindig zu machen. Die Organisation baut außerdem Projekte außerhalb der  Hauptstadt auf, da die Gesundheitsstrukturen vielerorts zerstört sind.

Überall entstehen behelfsmäßige Lager für die rund eine Million Menschen, die durch das Beben ihre Unterkunft verloren haben.

Für die bevorstehende Regenzeit bieten die provisorischen Unterkünfte den Vertriebenen kaum Schutz.

Es besteht nach wie vor dringender Bedarf an Unterkünften, Nahrungsmitteln, sanitärer Infrastruktur und medizinischer Hilfe.

Nach einigen Wochen versuchen die Menschen, ihr Leben inmitten der Ruinen wieder aufzunehmen.

Doch das Erdbeben und seine verheerenden Auswirkungen hinterlassen nicht nur körperliche Wunden. Der zwölfjährige Nicholson Sama gehört zu den Patienten, die bei Ärzte ohne Grenzen psychologische Hilfe bekommen.

In einer Gruppe mit anderen Kindern bekommt er Gelegenheit, seine traumatischen Erlebnisse auszudrücken und zu verarbeiten.