Kirgisistan

"Geduld, Geduld und nochmals Geduld"- ehemaliger Häftling gewinnt Kampf gegen multiresistente Tuberkulose

Untersuchung im Tuberkulose-Krankenhaus in Bishkek.

Jährlich sterben 120.000 Menschen an MDR-TB, während in der gleichen Zeit fast eine halbe Million neuer Fälle diagnostiziert werden. Dabei infizieren sich immer mehr Patienten mit multiresistenten Tuberkulosestämmen - die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt ihre Anzahl heute auf weltweit zwei Millionen. Die Ansteckung der meisten Patienten mit MDR-TB ist darauf zurückzuführen, dass sie keine angemessene Behandlung erhalten haben. Aber auch bei immer mehr TB-Erstinfektionen handelt es sich um resistente Stämme der Krankheit.

Die Behandlung von MDR-TB ist sehr teuer und kompliziert. Doch obwohl die Behandlung mit Medikamenten langwierig ist (bis zu zwei Jahren) und auch erhebliche Nebenwirkungen hat, ist eine vollständige Heilung nicht garantiert. Die Nebenwirkungen sind unangenehm bis unerträglich und können in manchen Fällen sogar lebensgefährlich sein.

Ärzte ohne Grenzen hat seit dem Jahr 2006 ein Programm zur Behandlung von TB in Kirgisistan, mit je einem Projekt in der Strafanstalt Colony Nr. 31 am Stadtrand von Kirgisistans Hauptstadt Bischkek und in der Untersuchungshaftanstalt SIZO Nr. 1.

Jeder dritte Häftling, der sich mit Tuberkulose infiziert hat, wird vor dem Ende der Behandlung aus dem Gefängnis entlassen und ist außerhalb des Strafvollzugs mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert. Für eine große Anzahl entlassener Häftlinge spielt die TB-Behandlung jedoch eine untergeordnete Rolle: Sie kämpfen meist ganz allein gegen ihre Drogenabhängigkeit und haben Mühe genug, sich um die eigene Grundversorgung zu kümmern. Bei manchen reicht das Geld nicht einmal dafür aus, zur nächsten TB-Behandlungseinrichtung zu gelangen. Und wenn sie es doch schaffen, werden sie häufig abgewiesen, da ihnen die erforderlichen Unterlagen fehlen oder weil sich das medizinische Personal weigert, ehemalige Häftlinge zu behandeln.

Ruslan hat es geschafft

Ruslan kehrt heute als freier Mann ins Gefängnis zurück, um einen Mithäftling zu besuchen. Außerdem möchte er in der Colony Nr. 31, einer Strafanstalt speziell für tuberkulosekranke Häftlinge, mit seinen Ärzten das Ende seiner langen, beschwerlichen und schmerzhaften Behandlung gegen multiresistente TB (MDR-TB) feiern.

"Es war wie ein Alptraum! Man kann sich kaum vorstellen, wie furchtbar die Auswirkungen dieser Medikamente waren" erklärt Ruslan. "Ich wollte schlafen, doch der Schwindel und die Übelkeit hielten mich davon ab. Wenn ich mich dann schliesslich übergeben musste, fühlte ich mich kein Stück besser. Aber obwohl mir so hundeelend zumute war, nahm ich die Medikamente weiter ein."

"Ich wurde im Mai 2008 entlassen, als ich meine Behandlung erst zur Hälfte hinter mich gebracht hatte", sagt Ruslan. "Vor meiner Entlassung aus der Strafanstalt hatte mir die Sozialarbeiter erklärt, wie ich mich außerhalb des Gefängnisses weiterbehandeln lassen könne. Als ich jedoch zu einem Zivilkrankenhaus kam, begegneten mir die Ärzte mit großem Misstrauen."

Träger eines doppelten Stigmas

Umutai Dauletova, Koordinator für soziale Betreuung von Ärzte ohne Grenzen, bestätigt, dass es für ehemalige Häftlinge, die mit TB infiziert sind, schwierig sein kann, in einem öffentlichen Krankenhaus aufgenommen zu werden. "Unsere Patienten sind Träger eines doppelten Stigmas: Sie sind mit TB infiziert und dazu vorbestraft. Außerdem haben sie zum Teil keinen festen Wohnsitz, sind arbeitslos oder von Alkohol oder Drogen abhängig und besitzen keine Ausweispapiere."

Sozialarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und ein Freiwilligennetzwerk unterstützen heute rund 70 frühere Häftlinge, damit sie ihre TB-Behandlung zu Ende bringen. Die Unterstützung umfasst Beratung, Information und Weiterbildung, sowie die Versorgung mit Lebensmitteln und Geld für den Transport.

Ruslan ist heute als freiwilliger Berater tätig und unterstützt einige TB-Patienten, die im Krankenhaus in der Nähe seines Wohnortes behandelt werden. "Mit Hilfe des Betreuungsteams von Ärzte ohne Grenzen versuche ich, meine Verantwortlichkeiten als Berater zu erfüllen. Dabei lautet meine Botschaft an die Personen, die ich begleite: Geduld, Geduld und nochmals Geduld und niemals die Hoffnung verlieren!"