Zentralafrikanische Republik

Für die Leute arbeiten, nicht für Bürokratie - Wie sich der Riegelsburger Oliver Schulz für Ärzte ohne Grenzen einsetzt

Oliver Schulz war für Ärzte ohne Grenzen schon in der Zentralafrikanischen Republik, im Kongo, in Indien und in Haiti im Einsatz.

Von Peter Wagner

Wenn sich Oliver Schulz etwas wünschen dürfte? Gut, dann hätte er die bescheidene Bitte, dass man sich in einer ruhigen Stunde mit der Zentralafrikanischen Republik beschäftigt, einem, wie er es nennt, "unterberichteten Land". Es kommt so gut wie nie in den Nachrichten vor, weder im Guten noch im Schlechten. Vielen afrikanischen Länder geht es besser, manchen aber noch schlechter, deshalb hat die Zentralafrikanische Republik in der Wahrnehmung der übrigen Welt einen schweren Stand.

Oliver Schulz aus Riegelsberg kommt gerade zurück von dort, er hat sozusagen Heimaturlaub. Der 31-jährige Diplom-Kaufmann war in Diensten der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen als Projekt-Koordinator eines Busch-Krankenhauses in Bugila im Nordwesten des Landes tätig. 120 Mitarbeiter versorgten dort wöchentlich 600 Patienten, die im Umkreis von rund 100 Kilometern sonst keine Anlaufstelle für medizinische Versorgung haben. Drei bis vier Prozent sind Opfer von Gewalt, die zwischen Regierungstruppen und zwei Rebellenorganisationen ausgeübt wird. Die Menschen leben überwiegend in der Wildnis, in Lehmhütten. Sie führen ein mehr als bescheidenes Leben ohne Annehmlichkeiten. Es gibt keinen Strom und kein fließendes Wasser. Die größte Bedrohung sind Malaria, Skorbut, Infektionen vielerlei Art. Ärzte ohne Grenzen kümmert sich um akute Beschwerden und Verletzungen, holt Kinder auf die Welt, verteilt aber auch präventiv Mückennetze.

Oliver Schulz, weit gereister Diplomaten-Sohn, in Äthiopien geboren, dient der Organisation seit 2004 als "Volontär", also Freiwilliger. Wie gesagt nicht als Arzt, sondern als Manager, der Personal und Hilfe organisiert. Es gibt kein Gehalt, sondern Kostensätze. Er arbeitet, wie Tausende andere auch, auf Vertragsbasis, immer neun bis zwölf Monate. Zentrale Frage: Warum tun die das, wo ist der Antrieb, zumal die Tätigkeit mit erheblichen Einschränkungen verbunden ist und sogar Gefahr für Leib und Leben droht?

Oliver Schulz ist in leidenschaftlicher Reisender, Wanderer und Bergsteiger, ein ewig Neugieriger. Er sagt, es sei die Erfüllung, sein Wissen und seine Fähigkeiten bei den wirklich Bedürftigen einbringen zu können, man arbeite für die Menschen und nicht für Bürokratien. Und der Wert der Arbeit und ihre Wirkung könnten unmittelbar erfahren werden. Und da sei das Interesse an fremden Kulturen, in denen man sozusagen aufgehe. Ärzte ohne Grenzen, so erklärt er beim Besuch in unserer Redaktion im Köllertal, habe keine Waffen und Leibwächter.

Die - relative - Sicherheit werde durch die Anpassung an das Normale erreicht, durch das Nahesein mit den Leuten. Man wohnt nicht im Hotel oder im europäischen Zelt, sondern in Hütten, wie alle anderen. Man isst ihr Essen und benutzt dieselbe Zahnpasta. Man geht dieselben Wege und hält sich an dieselben Regeln. Oliver Schulz, der auch schon im Kongo, in Haiti und in Indien gearbeitet hat, genehmigt sich nach dem Heimatbesuch einen Kanada-Urlaub mit deiner Freundin, einer Ärztin bei Ärzte ohne Grenzen. Danach will er eine neue Tätigkeit in der Organisation annehmen. Auf der Wunschliste oben: Kolumbien. "Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Nothilfe, wenn in Kriegsgebieten oder nach Naturkatastrophen das Leben vieler Menschen bedroht ist - ohne nach Herkunft, Religion oder politischer Überzeugung zu fragen", beschreibt die private medizinische Nothilfeorganisation ihre Tätigkeit.

Saarbrücker Zeitung vom 20.09.2008