Westafrika

Fragen und Antworten zu Ebola in Westafrika

Was ist Ebola?

Ebola ist eine durch Viren verursachte Erkrankung. Bislang sind fünf verschiedene Stämme des Ebola-Virus bekannt. Je nach Stamm liegt die Sterblichkeitsrate bei 25 bis 90 Prozent der Erkrankten. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Infizierte sind nur ansteckend, wenn sie Symptome zeigen. Anders als beispielsweise Grippe-Viren wird das Ebola-Virus nicht über die Luft übertragen, sondern über Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Urin und Schweiß.

Welche Länder sind betroffen?

Am 14. Januar 2016 wurde die Ebola-Epidemie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell für beendet erklärt, nachdem in Guinea (29.12.2015), Liberia (14.01.2015) und Sierra Leone (07.11.2015) eine Zeitspanne von 42 Tagen ohne neue Fälle abgelaufen war und alle bekannten Übertragungsketten unterbrochen sind. Die WHO erklärte aber auch, dass immer wieder vereinzelt neue Ebola-Fälle in der Region auftreten können, wie zuletzt in Sierra Leone (14.01.2016 und 20.01.2016) und in Guinea (17.03.2016).
Ärzte ohne Grenzen setzt seine Arbeit in den drei am stärksten betroffenen Ländern fort und betreibt Kliniken für Ebola-Überlebende. Ärzte ohne Grenzen ruft weiterhin zur Wachsamkeit auf.

Auch in Nigeria, Mali und im Senegal sind Fälle von Ebola aufgetreten. Die Ebola-Ausbrüche in diesen Ländern wurden inzwischen offiziell für beendet erklärt. In der Demokratischen Republik Kongo hatte im Jahr 2014 – unabhängig von dem in Westafrika – ein weiterer Ebola-Ausbruch stattgefunden. Dieser wurde am 21. November 2014 für beendet erklärt.

Was macht Ärzte ohne Grenzen, um Ebola einzudämmen?

Ärzte ohne Grenzen hilft seit März 2014 bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Westafrika. In die Ebola-Behandlungszentren der Organisation in Guinea, Liberia und Sierra Leone wurden 10.376 Patienten eingeliefert, darunter 5.226 Menschen, deren Ebola-Erkrankung im Labor bestätigt wurde. 2.478 der infizierten Patienten haben die Krankheit überlebt.

Zusätzlich zur Behandlung der Patienten und Patientinnen haben sich die Teams von Ärzte ohne Grenzen um die Nachverfolgung von Kontaktpersonen gekümmert, klären die Bevölkerung über Ebola auf und bilden Mitarbeiter lokaler Gesundheitseinrichtungen in Infektionskontrolle und -prävention aus

Eine Übersicht zu den einzelnen Behandlungszentren und Tätigkeiten finden Sie hier.

Zusätzlich zur Behandlung der Patienten und Patientinnen kümmern sich die Teams von Ärzte ohne Grenzen um die Nachverfolgung von Kontaktpersonen, klären die Bevölkerung über Ebola auf und bilden Mitarbeiter lokaler Gesundheitseinrichtungen in Infektionskontrolle und -prävention aus. All dies sind entscheidende Elemente der Bekämpfung von Ebola, ohne die die Epidemie nicht unter Kontrolle gebracht werden kann.

Außerdem ist Ärzte ohne Grenzen an mehreren klinischen Studien zu Medikamenten und Impfstoffen gegen Ebola beteiligt. Ein Zwischenbericht über die Ergebnisse einer klinischen Studie in Guinea macht Hoffnung auf einen wirksamen Impfstoff im Kampf gegen die Krankheit.

Wie kann man Ebola-Patienten behandeln?

Es gibt keine Therapie gegen Ebola, doch die Mitarbeiter der Ebola-Behandlungszentren können zumindest die Krankheitssymptome behandeln und die hohe Sterblichkeit auf diese Weise verringern. Patienten, die zum Beispiel infolge starken Durchfalls – ein Symptom von Ebola – dehydriert sind, bekommen eine spezielle Salzlösung oder Infusionen. Dies hat in allen Projekten von Ärzte ohne Grenzen in Westafrika dazu beigetragen, die Sterblichkeitsraten etwas zu senken. Derzeit gibt es weder eine zugelassene Impfung, noch ein zugelassenes Heilmittel gegen Ebola.

Wie kann Ebola diagnostiziert werden?

Der Ebola-Erreger kann nur über eine Blutuntersuchung nachgewiesen werden. Vorbeugend auf Ebola zu testen ist dabei aber nicht sinnvoll. Solange ein Erkrankter keine Symptome zeigt, befinden sich zu wenig Viruspartikel in seinem Blut, sie lassen sich nicht erfassen. Anhand der Symptome ist eine eindeutige Diagnose im frühen Stadium der Infektion schwierig, da viele der frühen Symptome unspezifisch sind und beispielsweise denen einer Grippe oder von Malaria ähneln.

Wie könnte eine Impfung gegen Ebola helfen?

Eine sichere und effektive Impfung wäre ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung von Ebola. Eine Impfung ließe sich auch außerhalb von Gesundheitseinrichtungen anwenden, sie könnte die weitere Ausbreitung vermindern und zukünftigen Ausbrüchen vorbeugen. Momentan befinden sich zwei Impfstoffe in klinischen Testphasen. Einer dieser Impfstoffe zeigte nach ersten Ergebnissen 100 Prozent Wirksamkeit

und macht damit Hoffnung im Kampf gegen die Krankheit. Impfstoffe könnten jedoch erst in größerem Umfang eingesetzt werden, wenn unter anderem deren Sicherheit und Effektivität gewährleistet sind.

Dass die derzeitigen Versuchsreihen nicht bereits in der Vergangenheit veranlasst wurden, liegt an den geringen wirtschaftlichen Anreizen für private Firmen zur Entwicklung eines Ebola-Impfstoffs. Bis zum derzeitigen Ausbruch betraf die Krankheit wenige Menschen in armen Ländern, so dass der „Markt“ für die Firmen nicht lukrativ war. Die bisherige Forschung wurde zu großen Teilen durch Regierungen gefördert, vor allem als Maßnahme gegen möglichen Bioterrorismus.

Welche Bedrohung geht von Ebola aus?

Eine Infektion mit Ebola verläuft je nach Viren-Stamm in 25 bis 90 Prozent der Fälle tödlich, und derzeit gibt es weder ein Medikament noch eine Impfung gegen Ebola. Die Infektion erfolgt über den Kontakt mit infizierten Menschen. Aus diesem Grund erkranken vor allem Familienmitglieder von Infizierten und medizinisches Personal sowie Menschen, die Beerdigungen besucht haben. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gibt auf seiner Internetseite Hinweise, wie sich Westafrika-Reisende vor einer möglichen Ansteckung schützen können.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Ärzte ohne Grenzen schützen sich vor Ort mit spezieller Schutzbekleidung sowie strikten Abläufen und Protokollen zur Infektionskontrolle. Sie arbeiten im sogenannten „Buddy-System“, also im Zweierteam, um sicherzustellen, dass keine Fehler passieren. Trotz äußerst strikter Sicherheitsstandards bleibt aber auch für unser Gesundheitspersonal ein Restrisiko. Die Gefahr einer Ansteckung ist jedoch außerhalb der Projekte von Ärzte ohne Grenzen größer als in den Behandlungszentren. Der Großteil unserer Mitarbeiter in den Ebola-Behandlungszentren sind lokale Kollegen, die in ihrem Privatleben mit Infizierten in Kontakt kommen können.

Seit Beginn des Ebola-Einsatzes in Westafrika im März 2014 haben sich 28 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen – 25 nationale und drei internationale –  mit Ebola infiziert. Eine französische und eine norwegische Mitarbeiterin, ein US-amerikanischer Arzt sowie elf nationale Mitarbeiter konnten das Krankenhaus gesund verlassen. Unsere Gedanken sind bei den Familien und Freunden unserer nationalen Mitarbeiter, die an Ebola gestorben sind. Alle Fälle wurden umfassend untersucht, um nachzuvollziehen, wie es zu der Infektion kommen konnte. Im Fall der nationalen Mitarbeiter haben diese Untersuchungen ergeben, dass sie sich im privaten Umfeld angesteckt haben.

Warum konnte sich Ebola in Westafrika immer weiter ausbreiten?

Die Menschen in Westafrika sind sehr mobil. Viele haben zum Beispiel Familie auf beiden Seiten einer Landesgrenze oder fahren häufig zu Märkten oder Bestattungen. Gerade Beerdigungen haben in Westafrika zur Ausbreitung der Epidemie stark beigetragen, denn dort ist es üblich, die Toten zu waschen und zu berühren. Da die Körper der Verstorbenen hochansteckend sind, hat sich das Virus auf diese Weise immer weiter verbreitet. Hinzu kommt, dass Ebola bislang in Westafrika nicht vorkam und sich zudem zum ersten Mal in dicht bevölkerten Hauptstädten ausbreiten konnte. Trotz der Aufklärungsarbeit, die Ärzte ohne Grenzen und andere Akteure in den vergangenen Monaten geleistet haben, wird Ebola in einigen Gegenden in Westafrika nach wie vor mit Angst und Stigma begegnet. Das Personal der Ebola-Behandlungszentren, aber auch Ebola-Überlebende werden ausgegrenzt, Ebola-Behandlungszentren mit Angst und Argwohn betrachtet, und Familien verstecken ihre kranken Angehörigen, anstatt sie frühzeitig behandeln zu lassen. Die Kapazitäten der nationalen Gesundheitsbehörden, Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig zu machen und zu beobachten, sind gering, was für die Ausbreitung der Epidemie in den vergangenen Monaten ebenfalls eine Rolle gespielt hat.

Doch auch die verspätete, unkoordinierte internationale Hilfe hat dazu beigetragen, dass die Epidemie noch immer nicht komplett unter Kontrolle ist. Nach wie vor mangelt es in den betroffenen Ländern vor allem an der Nachverfolgung von Fällen, funktionierenden Ambulanzen sowie an Aufklärungsarbeit.

Tut die internationale Gemeinschaft genug, um Ebola einzudämmen?

Die internationale Hilfe zur Bekämpfung von Ebola ist viel zu spät angelaufen, war lange Zeit unkoordiniert und bruchstückhaft und war oft nicht am tatsächlichen Bedarf orientiert. Nach dem öffentlichen Appell von Ärzte ohne Grenzen im September 2014 an die internationale Gemeinschaft, Experten und Ausrüstung nach Westafrika zu entsenden, haben einige Staaten zwar finanzielle Mittel und Ebola-Behandlungszentren zur Verfügung gestellt. Doch lange mangelte es vor allem an qualifiziertem Personal sowie Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung. Anlässlich des Jahrestages der Bekämpfung von Ebola am 23. März 2015 hat Ärzte ohne Grenzen den Report „Pushed to the limits and beyond“ veröffentlicht, mit dem die Organisation die „globale Koalition der Untätigkeit“ kritisiert.

Wie wirkt sich die Ebola-Epidemie für die betroffenen Länder aus?

Die ohnehin schwachen Gesundheitssysteme der betroffenen Länder sind von der Ebola-Epidemie stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele Gesundheitseinrichtungen wurden geschlossen, viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Gesundheitswesens haben sich mit Ebola infiziert und sind gestorben. Auch wenn einige Gesundheitseinrichtungen ihren Betrieb inzwischen wieder aufgenommen haben, muss die Infektionskontrolle oberste Priorität bleiben, um das Risiko eines erneuten Ausbruchs zu reduzieren und das Vertrauen der Öffentlichkeit ins Gesundheitssystem wiederherzustellen. Der Wiederaufbau der Gesundheitssysteme in den von Ebola betroffenen Ländern stellt eine große Herausforderung dar, wird viele Monate dauern und muss umgehend beginnen. Auch hierauf muss der Fokus der internationalen Hilfe gerichtet sein.

Wo kann ich mich über die Mitarbeit bei Ärzte ohne Grenzen im Einsatz gegen Ebola informieren?

Die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen zur Eindämmung von Ebola erfährt ein großes Interesse, und es ist beeindruckend, wie viele Menschen selbst unterstützend tätig werden möchten. Wir entsenden in unsere Ebola-Projekte jedoch ausschließlich erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen. Falls Sie Interesse haben, langfristig in einem unserer Projekte mitzuarbeiten, können Sie sich hier vorab informieren und gegebenenfalls auch sofort online bewerben.

Welche Protokolle gelten für heimkehrende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Seit Beginn des Ebola-Einsatzes in Westafrika im März 2014 hat Ärzte ohne Grenzen strenge Protokolle etabliert, die dazu dienen, die Mitarbeiter vor einem Kontakt mit dem Ebola-Virus zu schützen und den Gesundheitszustand der zurückkehrenden Mitarbeiter zu überwachen.

Für diejenigen, die von einem Ebola-Einsatz zurückkehren, gelten spezielle Richtlinien, die das Verhalten während der ersten 21 Tage nach der Rückkehr regeln. Bei den 21 Tagen handelt es sich um die maximale Inkubationszeit von Ebola, also dem längstmöglichen Zeitraum zwischen Ansteckung und dem Auftreten von Symptomen. Dabei ist zu beachten, dass erst ab dem Moment eine Ansteckungsgefahr besteht, in dem die Betroffenen Symptome von Ebola zeigen.

Für den Fall, dass mögliche Ebola-Symptome auftreten, stellt Ärzte ohne Grenzen sicher, dass jeder Mitarbeiter innerhalb kurzer Zeit in ein speziell ausgerüstetes Krankenhaus gebracht werden kann, um dort isoliert und getestet zu werden. Ein während der Inkubationszeit auftretendes Fieber bedeutet aber nicht automatisch eine Infektion mit Ebola. Auch eine normale Grippe kann in dieser Zeit der Auslöser für ein Fieber sein. Wenn nach Ablauf der 21 Tage Fieber auftritt, ist ein Zusammenhang mit Ebola auszuschließen.

Bis zum heutigen Tag hat von den mehr als 700 internationalen Mitarbeitern, die in die Ebola-Projekte in Westafrika entsendet wurden, nur ein Mitarbeiter entsprechende Symptome entwickelt, nachdem er in sein Heimatland (USA) zurückgekehrt war. Der Mitarbeiter wurde dort umgehend isoliert und behandelt. Er ist mittlerweile gesund entlassen worden. Er hat sich jederzeit korrekt und im Einklang mit den Richtlinien von Ärzte ohne Grenzen verhalten.

Wenn Sie Fragen zu einer Reise in ein (vormals) von Ebola betroffenes Land oder ein Nachbarland haben, wenden Sie sich bitte an das Auswärtige Amt. Individuelle Vorschläge zu Therapien gegen Ebola richten Sie bitte an die WHO.