Südafrika | Gewalt gegen Migrant*innen: Hilfsbedarf wächst
Ärzte ohne Grenzen hat angesichts des sprunghaften Anstiegs von Gewalt und Einschüchterungen gegen Migrant*innen in Südafrika ein Nothilfeprojekt gestartet. Teams der Organisation bieten Betroffenen in den Provinzen Gauteng, KwaZulu-Natal, Westkap sowie in den Städten Musina und Beitbridge eine medizinische Grundversorgung an.
Berichten zufolge kamen durch die Gewalt in den vergangenen Wochen mindestens vier Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.
Es macht uns zutiefst traurig, mitanzusehen, wie Menschen vor Einschüchterungen und Gewalt fliehen. Wir solidarisieren uns mit den betroffenen Menschen. Unsere Priorität ist es, den unterbrochenen Zugang zur Gesundheitsversorgung wiederherzustellen. Wir sind sehr besorgt, dass sich diese Situation zu einer humanitären Krise zuspitzt. Es ist noch nicht vorbei.
Claire Waterhouse, Notfallkoordinatorin bei Ärzte ohne Grenzen in Südafrika
Migrationskritische Gruppen haben kürzlich ein öffentliches Ultimatum gestellt, wonach alle Migrant*innen ohne Aufenthaltsgenehmigung das Land bis zu einem willkürlich festgelegten Stichtag, dem 30. Juni, verlassen müssen. Die Forderung zielt auf Migrant*innen ohne Aufenthaltsgenehmigung ab, doch Patient*innen von Ärzte ohne Grenzen berichteten, dass auch Geflüchtete, Asylsuchende und Migrant*innen mit gültigen Aufenthaltsgenehmigungen Drohungen, Gewalt und Einschüchterungen ausgesetzt waren.
Insgesamt sind zuletzt Zehntausende Menschen – viele davon stammen aus Malawi, Mosambik, Simbabwe, Nigeria und Ghana – innerhalb Südafrikas vertrieben worden. Zuflucht suchten sie daraufhin in Parks, Kirchen, Konsulaten und an anderen Orten im Land.
„Ärzte ohne Grenzen ist besonders besorgt um die Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, psychischen Erkrankungen, HIV und Tuberkulose. Bei ihnen kann eine Unterbrechung der Behandlung oder der Medikamentengabe zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen führen“, sagt Phumla Tsotetsi, Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1999 in Südafrika und hat seither mehrfach Projekte für Betroffene von fremdenfeindlicher Gewalt gestartet.