Südsudan: „Das Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps”
Bewaffnete Kämpfe, Überschwemmungen und Hitzewellen, ein kollabierendes Gesundheitssystem: Im Südsudan treffen gleich mehrere Krisen aufeinander. Der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen, Christian Katzer, war vor Ort und sieht enorme humanitäre Bedarfe.
„Fast zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht vor bewaffneten Auseinandersetzungen und den Folgen der Klimakrise. Das Gesundheitssystem ist chronisch unterfinanziert und steht vor dem Kollaps. Hilfsorganisationen verlassen das Land wegen internationaler Mittelkürzungen. Diejenigen, die bleiben, werden immer öfter Ziel von Angriffen,“ so Christian Katzer.
Der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland hat zehn Tage lang Projekte der Organisation in den Bundesstaaten Jonglei und Unity besucht.
„Trotz der dramatischen Krisen und massiven humanitären Herausforderungen, gibt es kaum Aufmerksamkeit für den Südsudan”, sagt Katzer.
Laut den Vereinten Nationen sind rund 9,9 Millionen Menschen im Südsudan auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das entspricht etwa 70 Prozent der Bevölkerung. Verschärft wird die Versorgungslage durch die Klimakrise. 1,4 Millionen Menschen waren in den vergangenen zwei Jahren von Überschwemmungen betroffen. Ernteausfälle, akute Mangelernährung, aber auch die Ausbreitung von Krankheiten sind die Folge.
„Von Jahr zu Jahr dauert es länger, bis sich das Wasser nach Überschwemmungen wieder zurückzieht. Viele Menschen können daher nicht in ihre Häuser zurückkehren und harren in oft provisorischen Camps aus. Sie erleichtern sich in dem stehenden Wasser, andere waschen sich damit. Mehr als ein Jahr hat es gedauert, den letzten großen Cholera-Ausbruch einzudämmen. Es war zahlenmäßig der größte in der Geschichte des Landes.”
Gesundheitseinrichtungen unter Beschuss
Ärzte ohne Grenzen versucht die Versorgungslücken im medizinischen und sanitären Bereich aufzufangen. Aufgrund bewaffneter Kämpfe ist die Organisation dabei massiven Risiken ausgesetzt.
Es gibt immer mehr Angriffe auf Zivilst*innen und auf zivile Infrastruktur wie Krankenhäuser. 2025 ist die Zahl der Menschen, die allein aufgrund von Schussverletzungen versorgt werden mussten, gegenüber dem Vorjahr um 77 Prozent gestiegen. Zwölf unserer Einrichtungen wurden seit Januar 2025 angegriffen, teilweise auch aus der Luft.
Christian Katzer, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1983 in der Region des heutigen Südsudan tätig. Das Land erreichte vor 15 Jahren, am 9. Juli 2011, seine Unabhängigkeit vom Sudan. Neben regulären und Notfallprojekten errichtet die Organisation als Vorsichtsmaßnahme aktuell auch Isolierstationen im Südsudan für mögliche Fälle der Ebola-Krankheit.
Zur Veranschaulichung der Krisen im Südsudan finden Sie hier Karten.
So helfen wir im Südsudan
Bewaffnete Kämpfe, Überschwemmungen und Hitzewellen, ein kollabierendes Gesundheitssystem: Im Südsudan treffen gleich mehrere Krisen aufeinander. Sie nehmen vielen Menschen die Lebensgrundlage.
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