Tschad

Mittelkürzungen: Jede fünfte schwangere Frau in Ost-Tschad mangelernährt

Eine Mutter sitzt auf einem Krankenbett und gibt ihrer Tochter therapeutische Milch
Amna Abderahim, 21, eine sudanesische Geflüchtete, die vor den Massakern von 2023 in El Geneina (Sudan) geflohen ist, gibt ihrer 11 Monate alten Tochter Djout Mahamat therapeutische Milch.

N'djamena/Berlin, 31. Juli 2026. Jede fünfte schwangere und stillende Frau, die von Januar bis Juni 2026 von Ärzte ohne Grenzen in der Grenzstadt Adré im Osten des Tschad untersucht wurde, war akut mangelernährt. Drei Viertel von ihnen gehörten dabei der tschadischen Aufnahmegemeinschaft an, die infolge kritischer Finanzierungslücken von lokalen Lebensmittelverteilungen ausgeschlossen ist. Angesichts der Mittelkürzungen können hierbei nur registrierte Geflüchtete aus dem Sudan versorgt werden. 

Nachdem sie monatelang unerbittlicher Gewalt im Sudan ausgesetzt waren, kommen die Geflüchteten körperlich am Ende, mangelernährt und traumatisiert in Adré an. Dort sehen sie sich jedoch mit einer harten Realität konfrontiert: Sie finden sich in Gebieten wieder, in denen die tschadische Bevölkerung bereits in Armut lebt und humanitäre Helfer*innen nach wie vor rar sind.

Léa Ledru, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Adré

Zwischen Januar und Juni 2026 untersuchte Ärzte ohne Grenzen in Adré 5785 stillende und schwangere Frauen. Mehr als jede Fünfte (21,2 Prozent) war akut mangelernährt. Dies liegt deutlich über der Schwelle von 15 Prozent, ab der von einer kritischen humanitären Krise ausgegangen wird. Fünf Prozent der Frauen litten sogar an schwerer akuter Mangelernährung, die das Risiko für Fehlgeburten, Blutungen und Frühgeburten drastisch erhöht.  

Seit Beginn des Krieges im Sudan sind mehr als 930.000 Sudanes*innen in den Tschad geflohen, über 80 Prozent davon sind Frauen und Kinder. Mehr als 700.000 kamen in Adré an. Seit April 2023 haben das UNHCR und die tschadischen Behörden 646.216 Menschen aus den Transitlagern an der Grenze ins Landesinnere umgesiedelt. Die Aufnahmegemeinde in Adré ist von den allgemeinen Lebensmittelverteilungen ausgeschlossen, obwohl die lokalen Marktpreise in die Höhe geschossen sind. 

Chronische Unterfinanzierung hat das Welternährungsprogramm (WFP) gezwungen, Prioritäten zu setzen. Finanzielle Engpässe führten im Mai und Juni zu Lieferschwierigkeiten von Hilfsgütern zur Behandlung von akuter Mangelernährung. Die Ende Juni gelieferten Vorräte werden voraussichtlich im September aufgebraucht sein, wobei keine Klarheit über die Lieferung weiterer Hilfsgüter besteht. 

Im Geflüchtetencamp in Metché werden bis Ende September mehr als 10.000 neue Geflüchtete aus Adré erwartet. Mehr als 43.000 Geflüchtete leben dort bereits. Derzeit sind Ärzte ohne Grenzen und Action Contre la Faim (ACF) die einzigen Gesundheitsversorger im Camp. Zudem nehmen die Teams mangelernährte Kinder aus Arkoum und Allacha auf. Pro Person und Tag stehen nur acht Liter Wasser für den Gesamtbedarf zur Verfügung, was deutlich unter dem WHO-Minimum von 20 Litern liegt. In Camps, in denen es an sauberem Wasser und an Latrinen mangelt, breiten sich Krankheiten rasch aus – sowohl unter den Geflüchteten als auch in den tschadischen Gemeinden. Die Zahl der Durchfallerkrankungen ist in der ersten Jahreshälfte 2026 drastisch gestiegen. Im vergangenen Jahr kam es bereits zu einem Cholera-Ausbruch.  

Ärzte ohne Grenzen fordert internationale Geber auf, die Nothilfepläne für den Tschad für 2026 zu finanzieren und die Aufnahmegemeinschaften von Geflüchteten wie in Adré ausdrücklich in die Nahrungsmittelhilfe einzubeziehen. Angesichts drastischer Mittelkürzungen betont Ärzte ohne Grenzen, dass die tschadischen Behörden und das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR gewährleisten müssen, dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Gesundheitsdiensten den Notfallstandards entspricht, bevor weitere Umsiedlungen nach Metché und Arkoum vorgenommen werden.