Jemen: Tausende Vertriebene ohne ausreichende medizinische Versorgung
Aden/Berlin, 30. September 2026. Seit der jüngsten Eskalation der Kämpfe entlang der Westküste und in Taiz wurden schätzungsweise 128.000 Menschen im Jemen neu vertrieben. Viele von ihnen erreichen zwar sicherere Gebiete, haben dort jedoch keinen ausreichenden Zugang zu medizinischer Versorgung.
Ärzte ohne Grenzen unterstützt derzeit vier Orte, an denen Vertriebene Zuflucht finden, in den Distrikten Dar Saad und Sheich Othman in Aden sowie in Tuban in Lahj, mit mobilen Kliniken. Die Geflüchtetencamps beherbergten bereits vor den jüngsten Vertreibungen rund 6.500 Menschen. Mit den Neuankommenden hat sich die Zahl der Bewohner*innen in einigen Camps inzwischen verdoppelt.
Für viele geflüchtete Familien bleibt medizinische Hilfe schwer erreichbar. Gesundheitszentren liegen häufig mehrere Kilometer entfernt. Gleichzeitig machen Treibstoffknappheit, steigende Transportkosten und die Preise für Medikamente selbst grundlegende Gesundheitsversorgung für viele Menschen unerschwinglich.
Einen sicheren Ort zu erreichen, bedeutet für viele Vertriebene noch lange nicht, Zugang zu Gesundheitsversorgung zu haben. Wir sehen kranke Kinder, schwangere Frauen ohne Zugang zu medizinischer Versorgung, Menschen mit Verletzungen und ältere Personen, die dringend medizinische Hilfe benötigen, diese aber nur schwer erreichen können.
Sara Ghanim, Leiterin der Gesundheitsaktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in Aden
In der ersten Woche des Einsatzes versorgte Ärzte ohne Grenzen mit mobilen Kliniken 427 Patient*innen. Die große Mehrheit waren Frauen und Kinder. Rund 40 Prozent der Menschen waren durch die jüngste Gewalteskalation in Taiz und entlang der Westküste vertrieben worden.
Die Teams von Ärzte ohne Grenzen behandeln Verletzungen, Mangelernährung, Fieber, Durchfallerkrankungen, Infektionskrankheiten und chronische Erkrankungen. Sie versorgen zudem schwangere Frauen, die bislang keine Vorsorgeuntersuchungen erhalten haben, und untersuchen Kinder mit unvollständigem oder fehlendem Impfschutz.
Angesichts der anhaltenden Vertreibungen steht Ärzte ohne Grenzen bereit, die medizinische Hilfe auszuweiten, sollte sich die Gesundheitslage weiter verschärfen.
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