Was ist Face to Face-Spendenwerbung?
Ärzte ohne Grenzen-Mitarbeitende sind mit Infoständen an Orten im öffentlichen Raum vertreten, klären über die Arbeit unserer Organisation auf und versuchen darüber, neue Unterstützer*innen zu gewinnen. Wir sind in Fußgängerzonen unterwegs, auf Kongressen und Konzerten sowie manchmal bei Haustür-Kampagnen.
Für uns ist diese Arbeit ein zentraler Pfeiler unserer Finanzierung. 2025 war es z.B. der stärkste Ansatz, um neue Dauerspender*innen zu gewinnen. Vor fast 20 Jahren haben wir mit dieser Art der Spendenwerbung angefangen. Seitdem wurden so 200.000 Menschen neue Dauerspender*innen. Das ist für uns von enormer Bedeutung, weil wir uns im Unterschied zu anderen Organisationen fast ausschließlich aus privaten Spenden finanzieren.
Regelmäßig durch Spenden unterstützt zu werden, ist ein großer Vertrauensbeweis und gleichzeitig sehr wichtig für unsere langfristige finanzielle Stabilität und Unabhängigkeit.
Verbundenheit durch Engagement
Manchmal beginnt also etwas Wichtiges mit einem einfachen „Hallo“ zwischen 2 Menschen, die sich vorher nicht kannten. Manchmal bin ich in diesen Begegnungen der Mensch, der mit Überzeugung von Ärzte ohne Grenzen erzählt. Die andere Person ist jemand, der oder die unsere Organisation vorher oft nicht (gut) kennt. Wenn sie berührt, was sie von mir erfährt, entscheidet sie sich vielleicht dafür, uns dauerhaft zu unterstützen. Was dann bei uns beiden bleibt: das Gefühl, etwas Sinnvolles zu teilen - das wichtige Engagement für die Patient*innen, denen wir durch die Unterstützung weltweit helfen können.
Menschen kommen zusammen, Solidarität entsteht
Ein anderer Bereich, in dem wir arbeiten, sind Veranstaltungen. Es gibt Musiker*innen, die teilweise auch weltweit Konzerte mit uns gestaltet haben, z.B. Florence and the Machine oder Ed Sheeran. Hier in Deutschland haben sich die Toten Hosen für uns engagiert - 800.000 Euro Spenden haben wir aus einem Benefizkonzert von ihnen erhalten. Auch zu solchen Anlässen sind wir persönlich mit Infoständen vor Ort und gehen mit den Menschen ins Gespräch. Wir erzählen ihnen von der Situation unserer Patient*innen: von mangelernährten Kindern oder den schweren Auswirkungen von Cholera oder Malaria. Oft ist das bei den Menschen als abstraktes Hintergrundwissen bereits da. Wir können durch unsere konkreten Erfahrungen aus unserer Arbeit eine andere Nähe herstellen und zeigen, dass man konkret etwas tun kann für die Menschen in Kriegen und Katastrophen.
In einer Zeit, in der sich angesichts so vieler Krisen viele ohnmächtig fühlen, ist das ein möglicher Weg, Resignation zu begegnen und sich in Solidarität mit anderen zu fühlen.
Wertvolle Begegnungen, die bleiben
Bei dieser Arbeit gibt es viele besondere Momente – so bspw. mit einem älteren Ehepaar im Ruhestand. Sie waren begeistert von der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen, strahlten Wärme, Ruhe und Empathie aus. Dieses Gespräch hat mich tief berührt. Das war so ein Moment, in dem man denkt: So möchte ich auch einmal sein, wenn ich älter bin.
Und dann sind da noch die vielen lustigen, unerwarteten Begegnungen. Am Stand trifft man wirklich auf alle Facetten des Lebens. Genau das macht diesen Job so faszinierend. Ich hatte z.B auch einmal nach einem richtig schönen Gespräch mit einer Passantin das Erlebnis, dass sie im Laufe des Tages immer wieder zu uns zurückkam: Sie war so von unserer Arbeit begeistert, dass sie uns den ganzen Tag über mit Kaffee und Snacks versorgt hat, weil sie das Erlebnis so schön fand und etwas zurückgeben wollte.
Nicht auf die “Neins” konzentrieren
Vorurteile gegenüber Face to Face-Fundraising gibt es leider auch. Sie entstehen oft deswegen, weil diese Form der Ansprache nicht von allen gut und respektvoll gemacht wird. Ich würde es so beschreiben: Wir sind charmant hartnäckig - die Grenzen des Gegenübers respektieren wir allerdings immer. Für uns im Team ist die größte Herausforderung tatsächlich, mit „Ablehnung“ umzugehen. Von 100 angesprochenen Menschen bleiben vielleicht 5 bis 10 stehen, ein oder zwei entscheiden sich am Ende für eine Unterstützung. Wenn man sich zu sehr auf die Neins fokussiert, kann man schnell den Mut verlieren. Dann muss man sich vergegenwärtigen, dass man diese Arbeit für unsere Patient*innen macht.
Warum mich diese Arbeit erfüllt
Im Mittelpunkt stehen für mich Menschen auf allen Seiten: auch meine Kolleg*innen, die ich heute coache. Gerade in den ersten Monaten passiert bei neuen Teammitgliedern sehr viel: Man lernt, gut zu kommunizieren, Haltung zu zeigen, präsent zu sein. Diese Entwicklung begleiten zu dürfen, das ist unglaublich erfüllend und macht mich wirklich glücklich.
Das gute Team, das immer dabei ist, hilft auch über Wind und Wetter – Kälte und Hitze hinweg. Ganz praktisch übrigens auch: Trinken. Viel davon. Im Sommer wie im Winter.
Ein heißer Tee kann an kalten Tagen Wunder wirken. Ansonsten brauche ich nicht viel. Wenn das Team stimmt, wenn Vertrauen und Humor da sind sowie gegenseitige Unterstützung – dann trägt einen das durch jeden Tag.
Also: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, das hier zu lesen. Vielleicht begegnen wir uns einmal an einem Ärzte ohne Grenzen-Infostand auf der Straße. Dann freue ich mich, wenn du stehen bleibst und wir ins Gespräch kommen.
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