Direkt zum Inhalt

Afghanistan: Immer mehr schwer mangelernährte Kinder in Ernährungszentren im Süden

Kabul/Berlin, 26. Juni 2026. Ärzte ohne Grenzen verzeichnet einen alarmierenden Anstieg bei Einweisungen von Kindern mit schwerer Mangelernährung und medizinischen Komplikationen in seinen Ernährungszentren im Süden Afghanistans. Sie sind dringend auf lebensrettende Behandlungen angewiesen.

Die Kinder kommen viel zu spät zu uns und befinden sich oft bereits in einem kritischen Zustand mit vermeidbaren medizinischen Komplikationen.

Ana Lilia Banda, medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Süden Afghanistans

Einweisungen um 30 Prozent gestiegen

Zwischen Januar und April 2026 stieg die Zahl der Einweisungen schwer mangelernährter Kinder in von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Ernährungszentren im Süden Afghanistans im Vergleich zum gleichen Zeitraum der vergangenen drei Jahre um durchschnittlich mehr als 30 Prozent. Die meisten der Kinder waren jünger als ein Jahr.

Erhebliche Kürzungen der internationalen Finanzmittel seit Anfang 2025 haben laut Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2025 zur Aussetzung oder Schließung von 445 Gesundheitseinrichtungen geführt. Darunter waren 203 mobile Gesundheitsteams, die in verschiedene Gemeinden gegangen sind. Diese Dienste spielten zuvor eine Schlüsselrolle bei der Vorsorge und Früherkennung von Mangelernährung und bei der Notfallbehandlung von Betroffenen. Die Lage wird durch wiederkehrende Dürren noch verschärft, die zu Ernteeinbußen geführt haben. Afghanistan ist eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder weltweit.

„Die Entwicklung zeigt, dass sich die Ernährungsunsicherheit verschärft. Es ist offensichtlich, dass die Systeme versagen, die darauf ausgelegt sind, Mangelernährung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Eine wirksame Reaktion erfordert verschiedene Ebenen der Versorgung, die funktionieren müssen – von ambulanten Diensten, die unkomplizierte Fälle erkennen und behandeln, bis hin zur stationären Versorgung kritisch erkrankter Kinder. Die Wiederherstellung dieses gesamten Spektrums an Dienstleistungen zur Bekämpfung von Mangelernährung ist unerlässlich, um vermeidbare Todesfälle zu verhindern“, so Ana Lilia Banda.

Finanzierung muss dringend erhöht werden

Ärzte ohne Grenzen hat seine Hilfsmaßnahmen in Helmand und Kandahar bereits ausgeweitet. Dennoch kann der Bedarf zum aktuellen Beginn der saisonalen Hochphase von Mangelernährung bei weitem nicht gedeckt werden.

Ärzte ohne Grenzen fordert Geldgeber, Gesundheitsbehörden und alle relevanten Organisationen auf, der Finanzierung von Ernährungsprogrammen in ganz Afghanistan dringend Priorität einzuräumen und diese wiederherzustellen. Ohne sofortiges Handeln droht sich die Krise zu verschärfen.

Ärzte ohne Grenzen betreibt sieben medizinische Projekte in Bamyan, Helmand, Herat, Mazar-i-Sharif, Kandahar, Khost und Kundus. Derzeit leistet die Organisation Ernährungshilfe für mangelernährte Kinder in den Provinzen Helmand, Herat und Kandahar. Im Jahr 2025 wurden 9.388 Kinder in von Ärzte ohne Grenzen unterstützte therapeutische Ernährungszentren aufgenommen und 3.166 Kinder in ambulanten therapeutischen Ernährungszentren behandelt.