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Ebolafieber verstehen: Irrtümer, Fakten und Wissenswertes

Mehr als 6.000 km liegen zwischen Deutschland und der Demokratischen Republik Kongo. Das Ebolafieber scheint damit für viele Menschen in Deutschland weit entfernt. Genau diese Distanz begünstigt Missverständnisse. Vereinfachte Bilder, alte Schlagzeilen und fehlender Kontext führen zu Falschinformationen – mit Folgen für die Wahrnehmung von betroffenen Ländern, Gemeinschaften und humanitärer Hilfe. 

1. Verbreitet sich Ebola ähnlich leicht wie Covid-19? 

Steigende Fallzahlen, Inzidenzen, fehlende Impfungen - fühlen Sie sich an den Beginn der Covid-19-Pandemie erinnert? Bei der Übertragung der Viren, die Covid-19 bzw. Ebolafieber auslösen, gibt es allerdings 2 entscheidende Unterschiede 

  • Zum einen werden die Viren, die Ebolafieber auslösen, nicht über die Luft übertragen, sondern durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten erkrankter Personen. 
  • Zum anderen sind am Ebolafieber erkrankte Personen erst ansteckend, wenn sie selbst Symptome zeigen. Dann sind sie jedoch hochinfektiös.
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Zwei unserer Mitarbeitenden in Schutzkleidung führen in einem Zelt eine Dekontamination durch, während eine Person mit ausgebreiteten Armen besprüht wird.
Wir halten uns an strenge Desinfektionsvorschriften.
© Daniel Buuma

So breitet sich das Ebolafieber zwar leicht aus – mithilfe von klaren Schutzmaßnahmen wie Isolation symptomatischer Patient*innen und Kontaktnachverfolgung lässt sich die Krankheit aber effektiv eindämmen. Haben Sie noch die dramatischen Bilder des Ebolafieber-Ausbruchs in Westafrika 2014-2016 im Kopf? Aus unseren bisherigen Einsätzen im Kampf gegen die Krankheit konnten wir viel lernen. Wir haben klare Arbeitsabläufe und Sicherheitsmaßnahmen etabliert, die auch beim aktuellen Ausbruch der Ebola-Krankheit angewendet werden. So können wir Patient*innen und Kolleg*innen schützen.

2. Fehlt es in der DR Kongo an Wissen, um den Ausbruch wirksam einzudämmen? 

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Zwei Mitarbeitende in Schutzkleidung in einem Raum vor sitzendem Publikum.
Für den Ebola-Einsatz schulen wir unsere Mitarbeitenden im Kyeshero-Krankenhaus in Goma.
© Maria Elena del Carre/MSF

Die Ebola-Krankheit ist in der DR Kongo und in Uganda endemisch. Das heißt, sie tritt regional begrenzt immer wieder auf. In der DR Kongo derzeit zum 17. Mal. In beiden Ländern entstand über die Jahrzehnte ein großes lokales Fachwissen zur Eindämmung der Krankheit. Auf dieser Grundlage kann jetzt aufgebaut werden. Angesichts der aktuellen Notfall-Situation schicken wir zwar viele internationale Mitarbeitende in die DR Kongo. Diese arbeiten vor Ort aber Seite an Seite mit Hunderten lokalen Kolleg*innen. Viele von ihnen waren bereits bei vorherigen Ebolafieber-Ausbrüchen im Einsatz. Vor Ort schulen unsere interdisziplinären Teams zudem weiteres Personal im Umgang mit Ebola-Patient*innen, z.B. in Kliniken des Gesundheitsministeriums.

Mit einer Spende von 85 Euro ...

finanzieren Sie z.B. ein komplettes Set der Schutzausrüstung für Mitarbeitende in einem Behandlungszentrum für Ebolafieber. 

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Gesundheit in einer komplexen Krise 

Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass die politische Situation im Osten der DR Kongo sehr komplex ist: Bewaffnete Konflikte zwischen mehr als 100 Gruppen prägen das Leben der Menschen. Das Gesundheitssystem ist chronisch unterfinanziert, medizinisches Material fehlt und Impfkampagnen sind unterbrochen. Deshalb können sich vermeidbare Krankheiten wie Masern, Cholera oder Mpox ausbreiten. Viele Menschen vertrauen dem staatlichen Gesundheitssystem nicht. Das ist eine weitere Herausforderung im Kampf gegen die Ebola-Krankheit. Außerdem kursieren Falschinformationen über die Verbreitung der Krankheit. Daher ist es wichtig, die Bevölkerung zu informieren und sie in die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung des Ebolafiebers einzubeziehen. 

3. Welche Rolle spielt Vertrauen beim Eindämmen des Ausbruchs?  

Keine medizinische Maßnahme funktioniert ohne das Vertrauen der Menschen. Wer Angst hat im Behandlungszentrum zu sterben, geht nicht dorthin. Bleibt er zu Hause, steckt er womöglich andere an. Deshalb ist Aufklären, Zuhören und Einbinden der Gemeinden genauso wichtig wie Schutzanzüge und Medikamente. Die Menschen müssen verstehen, warum wir etwas tun, und sie müssen uns vertrauen können. Genau dort setzen wir an:  

Sicher und würdevoll bestatten

Ebola-Patient*innen sind auch nach ihrem Tod hochansteckend. Sei es beim Waschen des toten Körpers vor der Bestattung oder beim Abschiednehmen von dem geliebten Menschen selbst: Ohne Schutzmaßnahmen besteht ein hohes Risiko, sich bei Kontakt mit dem Leichnam zu infizieren: 

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Mehrere Einsatzkräfte in Schutzkleidung stehen vor einer Kapelle.
Sichere Bestattungen: Angehörige werden geschützt und kulturelle bzw. religiöse Traditionen gewahrt.
© Naoufel Dridi/MSF

Trauerrituale mögen sich in verschiedenen Kulturen unterscheiden, der Moment des Abschieds ist überall wichtig für die persönliche Trauerbewältigung - in der DR Kongo genauso wie in Deutschland. Deswegen organisieren wir für unsere verstorbenen Patient*innen Bestattungen, bei denen ihren Angehörigen sich vor Ansteckung schützen und in Würde Abschied nehmen können.

Und wir klären über die lebenswichtigen Schutzmaßnahmen auf, die damit einhergehen. Nur wenn Menschen verstehen, warum bestimmte Maßnahmen notwendig sind, können Verstorbene sicher bestattet werden. Das trägt dazu bei, den Ausbruch einzudämmen. 

Zeigen, wie wir helfen 

In Ländern, wie z.B. der DR Kongo, übernehmen Pflegekräfte üblicherweise nur den medizinischen Teil der Pflege auf der Krankenstation. Die Familien der Patient*innen kümmern sich um Verpflegung und alles Weitere. Auf einer Ebola-Station ist das aufgrund der lebenswichtigen Schutzmaßnahmen allerdings nicht möglich: 

Nur geschultes medizinisches Personal darf unter Berücksichtigung strenger Schutzmaßnahmen den abgeschirmten Bereich betreten. Das fiebernde Kind oder die geschwächte Großmutter nicht begleiten zu können, kann Angst machen. Umso mehr, wenn man nicht sieht, was passiert. Mithilfe von transparenten Planen ermöglichen wir Sichtkontakt zwischen Patient*innen und ihren Familien bei der Behandlung. So können sie sehen, was wir tun und wie wir helfen. Gleichzeitig sind sie selbst vor Ansteckung geschützt. Das schafft aktiv Vertrauen in unsere Arbeit. 

Überlebende geben Hoffnung

Darüber hinaus klären ehemalige Patient*innen, die eine Ebola-Infektion überlebt haben, zusammen mit uns auf. Sie teilen ihre Erfahrung, beantworten Fragen und schaffen so Vertrauen. Sie sind ein Beweis dafür, dass eine Heilung möglich ist. 

4. Ist die Krise gelöst, wenn es endlich Impfstoffe und Medikamente gibt? 

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Drei Mitarbeitende in Schutzkleidung arbeiten in einem Raum an einem Testgerät.
Ohne schnelle Diagnosen sind Behandlung und Kontaktverfolgung kaum möglich. Deswegen erhöhen wir die Testkapazitäten z.B. in Mongbwalu, DR Kongo.
© Anna SCHÖNHOFER/MSF

Impfstoffe und Medikamente sind entscheidende Fortschritte und können für betroffene Menschen den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Allerdings löst ihre Existenz nicht die strukturellen Probleme:

  1. Das BundibugyoVirus ist seit 2007 bekannt. Aber es existieren weder zugelassene Impfstoffe noch spezifische Behandlungen. Das liegt u.a. daran, dass Forschung und Entwicklung zu Krankheiten, die vor allem Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen betreffen, oft nicht als profitabel gelten.
  2. Selbst wenn Forschung und Entwicklung stattgefunden haben, wie etwa zum Ebola-Virus, das den großen Ausbruch in Westafrika 2014 verursachte, heißt das nicht, dass die medizinischen Mittel dann auch den betroffenen Menschen zur Verfügung stehen. Vielmehr horten die USA die Behandlungsmittel als Sicherheitsreserve – ein Land, in dem Ebola nicht endemisch ist.

Ebolafieber, Cholera, Geburtshilfe: alles zugleich

Gleichzeitig kämpfen die Menschen in der DR Kongo mit vielen anderen Gesundheitsproblemen. Frühere Epidemien zeigen: Wird bei Krisen die medizinische Grundversorgung vernachlässigt, sterben mehr Menschen an behandelbaren Krankheiten und Komplikationen -  u.a. bei der Geburt. Es braucht also auch weiterhin z.B. Routine-Impfungen. Mütter und Neugeborene müssen versorgt und Überlebende sexualisierter Gewalt betreut werden. Deren Risiko nimmt in Krisen deutlich zu.

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Frauen und Kinder sitzen auf Liegen
In Nord- und Süd‑Kivu erkranken parallel zum aktuellen Ausbruch der Ebola-Krankheit viele Menschen an Cholera. Wir behandeln sie z.B. im Sangé-Krankenhaus, Süd-Kivu.
© Frederic OMEGA/MSF

Um sowohl dem Ausbruch der Ebola-Krankheit zu begegnen als auch unsere anderen Projekte weiter aufrechtzuerhalten, weiten wir unsere Unterstützung aktuell stark aus. In der gesamten DR Kongo sind wir mit Hunderten Mitarbeitenden im Einsatz. Der Großteil von ihnen sind kongolesische Beschäftigte. Außerdem haben wir bereits Hunderte Tonnen Hilfsgüter eingeflogen, darunter Schutzausrüstung für den Umgang mit Patient*innen. 

Impfstoffe sind ein wichtiger Schritt. Sie ersetzen aber weder funktionierende Gesundheitssysteme, noch sichere Versorgung und das Vertrauen in medizinische Maßnahmen. Solange diese Probleme nicht gelöst sind, wird es immer wieder Krisen geben. 

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5. Betrifft Ebolafieber uns in Deutschland?

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Eine Person mit Sicherheitsweste von Ärzte ohne Grenzen steht auf dem Rollfeld vor einem Frachtcontainer mit Hilfsgütern.
Wir haben bereits tonnenweise Hilfsgüter inklusive Schutzausrüstung in die betroffenen Regionen gebracht.
© Julie David de Lossy/MSF

Das direkte Risiko, am Ebolafieber zu erkranken, ist für die deutsche Bevölkerung sehr gering. Das bedeutet jedoch nicht, dass der aktuelle Ausbruch uns nicht betrifft.  

Gesundheitskrisen hören nicht an Landesgrenzen auf, als Weltgemeinschaft  tragen wir Verantwortung füreinander. Gesundheit ist ein Menschenrecht und was wir hier sehen, ist eine globale Aufgabe. Die Gesundheitsbehörden in der DR Kongo haben viel Erfahrung, aber ihre Kapazitäten sind begrenzt. Daher betreiben wir eins unserer größten Nothilfe-Programme in der DR Kongo.  

Helfen Sie den Menschen in der DR Kongo, indem Sie mit ihrem Umfeld über das Thema sprechen. Die Situation der Menschen im Ostkongo braucht jetzt unsere Aufmerksamkeit – mit klaren Fakten statt verzerrten Falschinformationen. 

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