Jedes kleinste Detail zählt: Infektionsschutz bei Ebolafieber
Ebolafieber ist gefährlich, aber man kann sich schützen
Wer im Einsatz gegen die Ebola-Krankheit ist, muss besondere Infektionsschutzmaßnahmen anwenden. Denn Gesundheitspersonal ist durch den engen Kontakt mit Patient*innen besonders gefährdet, sich mit der Krankheit anzustecken – und sie weiter zu verbreiten. Für das Bundibugyo-Virus, das für den aktuellen Ausbruch der Ebola-Krankheit in der D.R. Kongo verantwortlich ist, gibt es bis dato weder zugelassene Medikamente noch einen passenden Impfstoff.
Ebolafieber ist eine hochansteckende Erkrankung, die durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von infizierten Menschen übertragen wird. Jede Person, die den Hochrisikobereich betritt, trägt deshalb spezielle Schutzkleidung.
- Doch wie legt man die persönliche Schutzausrüstung an?
- Und vor allem, wie zieht man sie sicher wieder aus?
Vom ersten Handschuh bis zur Schutzbrille
Ein zentraler Bestandteil der Schulung für Mitarbeitende ist das sichere An‑ und Ablegen der Schutzausrüstung. Die Trainer*innen wiederholen dabei wie ein Mantra, wie wichtig es ist, langsam vorzugehen und nichts zu überstürzen.
Teamarbeit für maximale Sicherheit
In jedem Ebola-Behandlungszentrum gibt es im Eingangs- und Ausgangsbereich zur Hochsicherheitszone eine Station zum sicheren An- und Ablegen der Schutzausrüstung. Dort wird immer im Tandem gearbeitet: Eine geschulte Person begleitet und überwacht jeden einzelnen Schritt, während die andere Person die Schutzkleidung an- oder ablegt.
Schritt für Schritt geschützt
1. Das erste Paar Handschuhe
Als erstes werden flüssigkeitsdichte, reißfeste Einweg-Handschuhe angezogen. In der Hochsicherheitszone werden immer 2 Paar Handschuhe getragen. Das zweite Paar folgt später.
2. Dann wird der Schutzanzug übergezogen.
Die Ärmel des Schutzanzuges werden über das erste Paar Handschuhe gezogen, so dass sie festsitzen.
3. Dann wird eine FFP2-Atemschutzmaske aufgesetzt.
Die Viren, die die Ebola-Krankheit auslösen, werden zwar nicht über die Luft übertragen, jedoch schützt die Maske auch vor Flüssigkeitsspritzern.
4. Dann die Haube.
Sie schützt den Rest des Gesichts. Eine Schnur. Zwei Schnüre. Drei Schnüre. Und vier.
5. Dann die Schürze.
Jede Person macht ihren eigenen Knoten, um sie zu fixieren. Wichtig ist nur, dass man ihn später wieder lösen kann.
6. Dann die Schutzbrille.
Es wird geprüft, ob alles dicht ist. Gute Sicht und stabiler Sitz sind wichtig.
7. Zum Schluss wird ein zweites Paar Handschuhe angezogen.
Das liegt über den Ärmeln des Schutzanzugs. Diese äußeren Handschuhe sind später am stärksten kontaminiert.
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Was nicht dicht ist, wird abgeklebt
Jedes kleinste Stück Haut und vor allem Schleimhäute müssen bedeckt sein. Jeder einzelne Schritt wird von einer zweiten Person kontrolliert. Vor dem Betreten der Hochsicherheitszone erfolgt am Ende noch einmal ein abschließender Check.
Da alle Mitarbeitenden in ihren Schutzanzügen gleich aussehen, werden ihre Namen auf die Haube geschrieben.
Bereit für die Hochsicherheitszone
Das Anstrengendste an der Arbeit auf einer Ebolafieber‑Station ist das Tragen dieser Schutzanzüge. Sie sind sehr schwer. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen wird es darin extrem heiß. Die Schutzanzüge sind luftundurchlässig. Jegliches Unbehagen oder Probleme mit der Schutzausrüstung müssen unverzüglich gemeldet werden.
Wir nannten es scherzhaft das Ebola‑Spa, weil man im Grunde 2‑ bis 3-mal am Tag in der Sauna sitzt“, erinnert sich Carissa Guild, Koordinatorin unserer medizinischen Programme in Liberia 2015. „Man musste sich erst daran gewöhnen. Aber wenn die Schutzbrille klar war, vergaß man fast, dass man den Anzug trug. Man konnte sich zu den Patient*innen setzen, den Arm um sie legen und sehen, wie es ihnen geht."
Jeder Bereich birgt ein eigenes Risiko
Zunächst werden die Patient*innen im Bereich für Verdachtsfälle versorgt, um eine unbeabsichtigte Ansteckung der Menschen dort zu vermeiden. Erste Symptome der Ebola-Krankheit sind unspezifisch. Ein Verdachtsfall muss sich nicht zwingend als Infektion mit dem Ebola-Virus bestätigen.
Danach betreten die Mitarbeitenden den Bereich für Patient*innen, die positiv auf ein Virus getestet wurden, das die Ebola-Krankheit auslöst, und deren Infektion somit bestätigt ist. Es gibt einen klaren Ablauf, an den sich alle Mitarbeitenden strikt halten müssen.
Jemand stoppt die Zeit
Eine Person überwacht die Einsatzdauer im Hochrisikobereich. Nach 40 bis 60 Minuten ist Schluss: Die körperliche Belastung ist zu hoch. Die Konzentration sinkt.
Man schwitzt sehr stark – bis zu 2 Liter pro Schicht –, kühlt aber nicht ab, weil der Schweiß nicht verdunsten kann. Teilweise kann man die Gummistiefel ausgießen, so viel Schweiß hat sich in kürzester Zeit darin gesammelt. Der Wasser- und Elektrolyte-Verlust ist sehr hoch. Während man den Schutzanzug trägt, kann man nicht trinken.
Der gefährlichste Moment: das Ablegen der Schutzausrüstung
Am Ausgang aus der Hochsicherheitszone befindet sich die Ablegestation. Dort wartet eine geschulte Mitarbeiter*in, die wie bereits beim Anziehen, Schritt für Schritt das Ablegen der Schutzausrüstung begleitet.
- Schürze und Stiefel werden als erstes mit einer Chlorlösung desinfiziert und dann die Rückseite des Schutzanzuges.
- Die äußeren Handschuhe – der am stärksten kontaminierte Teil – werden zuerst ausgezogen und dabei auf links gedreht. Sie werden sofort in einen Eimer mit Desinfektionslösung gelegt. Dann werden die Hände desinifiziert. Das innere Paar Handschuhe bleibt dabei bis zum Schluss an.
- Danach folgen Schürze, Schutzbrille, Haube und schließlich der Schutzanzug. Nach jedem einzelnen Schritt müssen die Hände erneut desinfiziert werden.
- Übrig bleibt die Maske. Danach wäscht und desinfiziert man sich erneut die Hände und berührt nichts.
- Erst im letzten Schritt wird das innere Paar Handschuhe ausgezogen und entsorgt.
Vor dem Verlassen des Hochrisikobereichs werden die Gummistiefel erneut desinfiziert. Sobald man den Hochrisikobereich verlassen hat, wäscht man sich noch einmal gründlich die Hände mit Wasser und Seife.
Desinfiziert, verbrannt, entsorgt
Um das Infektionsrisiko zu minimieren, wird jeder gelbe Schutzanzug am Ende jeder Schicht entsorgt. Alles, was im Hochrisikobereich benutzt wurde und nicht desinfiziert werden kann, wird verbrannt.
Nach der Vordesinfektion in Eimern werden wiederverwendbare Kleidungsstücke, wie beispielsweise Stiefel und Schürzen im Wäschebereich sorgfältig gereinigt. Dort werden sie auch auf Unversehrtheit geprüft und beschädigte Teile entsorgt. Anschließend wird alles in der Sonne getrocknet.
Großangelegter Hilfseinsatz in der D. R. Kongo
Angesichts des aktuellen Ausbruchs der Ebola-Krankheit in der D.R. Kongo liefern wir tonnenweise Material mit Schutzausrüstung und Gerät, um Isolierstationen und Ebola-Behandlungszentren zu bauen und die lokalen Strukturen zu unterstützen. Die Lieferung umfasst Zelte und persönliche Schutzausrüstung – darunter Schutzanzüge, Handschuhe, Masken, Schutzbrillen sowie weiteres Material zur Infektionsprävention, das die Teams vor Ansteckung schützt.