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Vorbereitet sein auf die nächste Pandemie

Globale Probleme können nur gemeinsam und global gelöst werden.

Pandemien und großflächige Krankheitsausbrüche können Millionen Menschenleben fordern und Gesundheitssysteme an ihre Grenzen bringen. Deshalb ist es sinnvoll und notwendig länderübergreifend Systeme und Regeln zu entwerfen, die in der nächsten Pandemie die Zusammenarbeit garantieren und damit Leben retten. 

Melissa Scharwey
Melissa Scharwey, Expertin für Globale Gesundheitspolitik
"Die globalen Bemühungen um bessere Vorbereitung auf Pandemien werden Folgen für die ganze globale Gesundheitsarchitektur haben. Für uns als humanitäre Organisation ist klar, dass dies ganzheitlich und solidarisch angegangen werden muss. Wir fordern einen Wandel, hin zu einem gerechten Zugang zu medizinischen Gütern." 

Nachhaltige PPR rettet Menschenleben

PPR steht für "pandemic prevention, preparedness and reaction", zu Deutsch "Pandemieprävention, -vorsorge und -bekämpfung". Sie umfasst eine Vielzahl von Bereichen, die idealerweise miteinander koordiniert werden: Krisenmanagement, Ressourcen, Gesundheitspersonal, Gesundheitskommunikation, Forschungsvernetzung und -entwicklung sowie Produktion.

Vor dem Hintergrund der großen globalen Ungleichheit erfordert nachhaltige PPR letztlich eine Änderung der bestehenden Strukturen und Systeme. 

Unsere Teams haben während der Covid-19-Pandemie hautnah miterlebt, was es bedeutet wenn medizinische Güter ungleich verteilt sind: In Indien oder Malawi starben Menschen, weil es nicht genug Sauerstoff gab. In Südafrika mussten Patient*innen ohne Schutzkleidung versorgt werden, weil Material fehlte. Als die ersten Medikamente zugelassen wurden, waren diese so teuer, dass nur die wenigsten sie sich leisten konnten. Ähnlich lief es mit dem Impfstoff: Während die meisten Menschen zum Beispiel in Deutschland schon die dritte Impfung erhalten hatten, waren Menschen in anderen Ländern noch nicht ein einziges Mal immunisiert. 

Der Pandemievertrag 

In einem Versuch als Weltgemeinschaft auf die nächste Pandemie und große Epidemien besser vorbereitet zu sein, haben die Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation einen “Pandemievertrag” ausgearbeitet. Dieser soll rechtlich bindend sein und unter anderem regeln, wie in der nächsten Pandemie Medikamente und Impfstoffe bedarfsgerecht produziert und verteilt werden, wie Gesundheitspersonal eingesetzt wird und welche Daten geteilt werden können und sollen. 

Der Vertrag wurde 2025 verabschiedet - über den Annex, in dem wichtige Details geregelt werden, wird aber immer noch verhandelt.  

Konkret können die Mitgliedsstaaten sich bislang nicht auf ein System einigen, das den gerechten Zugang zu medizinischen Produkten im Pandemiefall regelt, darunter beispielsweise Diagnostika, Therapeutika und Impfstoffe (PABS). Eine gerechte Verteilung von medizinischen Produkten im Pandemiefall wäre eine faire Gegenleistung für die Länder, die wichtige Daten über die Krankheitserreger zu Forschungszwecken teilen und deren Bevölkerung an klinischen Studien teilgenommen hat.   

Dazu sagt Maria Guevara, internationale medizinische Leiterin von Ärzte ohne Grenzen:   

Seit Jahrzehnten beobachtet Ärzte ohne Grenzen, dass Menschen in ressourcenarmen Regionen, die von tödlichen Ausbrüchen wie Ebola und Covid-19 betroffen sind, oft keinen oder nur stark verzögerten Zugang zu lebensrettenden medizinischen Hilfsmitteln erhalten. Wer wichtige genetische Proben und Daten zur Verfügung stellt und besonders gefährdet ist, darf nicht als letztes von medizinischen Innovationen profitieren! 

Wir fordern die WHO-Mitgliedsstaaten auf, die Verhandlungen über ein starkes multilaterales PABS-Rahmenwerk voranzutreiben, das den Zugang zu Krankheitserregern und Daten mit durchsetzbaren Verpflichtungen zur Vorteilsaufteilung verknüpft. Sie müssen dafür sorgen, dass der Pandemievertrag endlich kommt!

MSF, 2024
MSF, 2024

Unsere Empfehlungen zum Anhang des Pandemievertrages

Unsere Empfehlungen zum Annex des Pandemievertrages, dem sogenannten Pathogen Access and Benefit Sharing (PABS)-System.